23. Januar 2026
Wie verändert sich Fundraising im digitalen Zeitalter? Rainer Jauch, Gründer von Fundraiso.ch, erklärt im Interview, wie aus einer Idee für Stipendien eine Plattform für NGO-Finanzierung wurde – und warum Datenqualität heute der Schlüssel zum Erfolg ist.
Von Marino Bundi und Melanie Lisa Fürch
Wir freuen uns sehr Herr Jauch, dass Sie sich die Zeit für ein Interview mit uns nehmen konnten und uns Einblicke in die NPO-Finanzierung geben. Sie sind Gründer der Fundraising-Plattform fundraiso.ch. Wie entstand die Idee dazu?
Ich betrieb mit einem kleinen Team zuvor die Plattform stipendium.ch. Diese existiert heute noch und gehört inzwischen der Stiftung EDUCA SWISS.
Da geht es darum, Stipendien im Stiftungssektor für Menschen in Ausbildung sichtbar zu machen.
Im Jahr 2012 traf ich meinen früheren Geschichtslehrer Pietro Tomasini wieder. Er war damals – wie heute – Geschäftsführer von International Project Aid. Im Gespräch meinte er, wir sollten das Modell von stipendium.ch doch auch auf die Projekt- und NGO-Finanzierung übertragen.
Die Idee hat sofort Sinn gemacht. Zusammen mit meinem Geschäftspartner Moritz Gysel haben wir uns direkt an die Arbeit gemacht. 2013 ging dann die erste Version von fundraiso.ch online.
Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen im Fundraising?
Unsere Kundinnen und Kunden sind mehrheitlich Fundraiserinnen und Fundraiser. Wir hören also sehr direkt, wo der Schuh drückt. Ich erlebe, dass Fundraising heute viel breiter aufgestellt sein muss als früher. Vor einigen Jahren reichten oft staatliche Gelder oder ein paar Stiftungen. Das hat sich stark verändert. Nach den massiven Kürzungen bei öffentlichen Fördergeldern braucht es mehr Standbeine. Man muss verschiedene Kanäle gleichzeitig bedienen können. Gerade für kleine und mittlere Organisationen ist das nicht einfach. Die Zusammenarbeit mit Behörden ist beispielsweise etwas ganz anderes als mit Unternehmen. Und Stiftungen ticken nochmals anders. Das alles gleichzeitig gut zu managen, ist anspruchsvoll.
Welche Rolle spielt das Thema Datenqualität im Fundraising?
Das Thema Datenqualität ist gerade für uns das wichtigste Thema überhaupt. Unsere Kunden nutzen unsere Plattform, damit sie aktuelle Daten haben, um möglichst effizient Fundraising und Kontaktmanagement betreiben zu können. Ohne eine saubere Datengrundlage ist Fundraising heute kaum mehr denkbar. Man muss die richtigen Förderpartner/innen identifizieren und dabei auch die jeweiligen Kontaktierungsmöglichkeiten sowie Ansprechpersonen kennen. Ansonsten läuft man Gefahr, dass man mögliche Partner vergrault und ein unprofessionelles Auftreten riskiert.
Wie gestaltet sich eure Zusammenarbeit mit Stiftungen, Sponsoren und NGOs?
Viele NGOs, die Fundraising betreiben, sind Kunden von fundraiso.ch und nutzen unsere Plattform. Auch gewisse fördernden Organisationen nutzen unsere Plattform, bspw. um Benchmarking zu betreiben oder generell den Markt besser kennenzulernen. Einige betreiben auch Project-Scouting und suchen nach förderungswürdigen Organisationen oder Projekten. Die meisten Förderstiftungen jedoch nutzen schlicht die Möglichkeit, ihr Profil bei uns zu schärfen. Das Gleiche gilt für Sponsoren.
Welche Vorteile hat es, dass Fundraiso.ch über eine GmbH organisiert wird?
Bevor ich die Vorteile betrachte, hebe ich gerne hervor, dass es zu Beginn sicher ein Nachteil war. Hätten wir unser Projekt als gemeinnützige Organisation begonnen, hätten wir allenfalls selbst die Möglichkeit gehabt, an Fördermittel aus der Stiftungswelt zu gelangen. Wir entschieden uns aber bewusst, unabhängig zu bleiben und die Plattform aus eigener Kraft über die eigenen Einnahmen zu refinanzieren. Das ist bis heute gelungen. Die GmbH – im Unterschied zur AG – hat den Vorteil, dass man die Gewissheit hat, alle Stammanteilhalter von Anfang an im Handelsregister zu sehen, und entsprechend immer transparent war, wer hinter fundraiso.ch steht. Das gilt bis heute und ist für mich der wichtigste Grund, weshalb wir uns für eine GmbH entschieden haben. Denn gerade im 3. Sektor ist Transparenz sehr wichtig, vor allem dann, wenn man das Vertrauen der verschiedenen Anspruchsgruppen noch gewinnen muss.
Herzlichen Dank für die spannenden Einblicke in die NPO-Finanzierung, Herr Jauch. Wir bedanken uns für das Interview.
2004 Matura Gymnasium Enge
2009 Abschluss Uni St. Gallen Internationale Beziehungen
2009 bis 2011: Auditor bei KPMG
2011 Gründung von stipendium.ch
2014 Gründung von fundraiso.ch (InternetTime GmbH) zusammen mit Moritz Gysel
2025 Übergabe von stipendium.ch an die Stiftung EDUCA SWISS gemäss Medienmitteilung

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