8. April 2026
Praxisnahe Forschung lebt vom Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Auf der jährlich stattfindenden CARF bieten wir Forschenden aus den Fachbereichen Controlling, Accounting, Risikomanagement, Finanzen und Lehre eine Plattform, auf der dieser interdisziplinäre Austausch gefördert wird. Wir haben uns im Vorfeld mit der diesjährigen Gastreferentin Prof. Dr. Sita Mazumder zum Gespräch getroffen.
Wir freuen uns sehr, Prof. Dr. Sita Mazumder als Keynote Speakerin an der CARF 2026 begrüssen zu dürfen und haben ihr bereits vorab einige Fragen gestellt. Danke liebe Sita, dass du dir Zeit für dieses Gespräch nimmst.
Im Zentrum meiner Arbeit stehen erfolgreiche Business Modelle im digitalen Zeitalter. Es geht mir darum, die technologischen Entwicklungen nicht nur verstehen, sondern verantwortungsvoll und nachhaltig erfolgreich einzusetzen. Themen zu vernetzen, mit Unbekanntem umzugehen, Zukunft zu denken treiben mich dabei besonders um. Führung bedeutet heute mehr denn je, mit Ambiguität umgehen zu können. Gleichzeitig stellt sich immer wieder die Frage, wie Organisationen ihre Entscheidungsfähigkeit in einer zunehmend komplexen und dynamischen Umwelt sichern können. Ziel ist dabei, technologische Chancen strategisch zu nutzen, die Risiken adäquat zu bewirtschaften, und eine klare Haltung zu entwickeln, die Orientierung gibt – intern wie extern.
Meine Perspektive wurde stark durch die Kombination aus Wissenschaft, Unternehmertum und Verwaltungs- resp. Aufsichtsratstätigkeit geformt. Besonders prägend war die Erkenntnis, dass technologische Vorhaben oft nicht an der Technik happern, sondern an den menschlichen Themen, insbesondere Führung. Projekte rund um Digitalisierung und KI verdeutlichen mir immer wieder, wie schnell Organisationen an ihre Grenzen kommen, wenn strategisches Verständnis fehlt. Darüber hinaus wird der Gap zwischen der Geschwindigkeit technologischer Entwicklung und der Anpassung bestehenden Strukturen zunehmend grösser. Genau dort liegt mein Fokus: wo Technologie auf Geschäftsmodell und Strategie trifft – und wo sich entscheidet, ob Innovation Wirkung entfaltet oder verpufft.
Eine der grössten Herausforderungen ist die Diskrepanz zwischen technologischer Geschwindigkeit und organisatorischer Anpassungsfähigkeit. KI entwickelt sich jüngst exponentiell, während Entscheidungsprozesse linear bleiben. Mit Blick auf Quantencomputing oder Robotik sehe ich hier auch keine Entschleunigung. Lösungsansätze sehe ich weniger in Einzeltechnologien, sondern in einem systemischen Denken: Unternehmen brauchen interdisziplinäre Kompetenzen, klare Prozesse und Strukturen und gleichsam eine hohe Anpassungsfähigkeit. Ziel ist es, entscheidungsfähig zu sein trotz unvollständiger und widersprüchlicher Faktenlage. Das ist per se nichts Neues, neu ist die Geschwindigkeit der Veränderungen und deren Grösse.
Sicherheit ist heute mehr denn je nicht nur technische Disziplin; sie ist eine Führungsaufgabe. Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, in dem klassische Annahmen über Verlässlichkeit und Schutzmechanismen zunehmend hinterfragt werden müssen. Technologien wie KI und Quantencomputing verschieben die Spielregeln grundlegend. Das technologisch Machbare ist notwendig, aber nicht hinreichend. Das gilt für den Business Case, der echten Mehrwert bringen soll, ebenso wie für Cybersecurity. Technologie schafft Möglichkeiten – aber erst Führung entscheidet, was daraus entsteht.
Vielen Dank für die spannenden Einblicke Sita! Wir freuen uns, dich im September als Keynote-Speakerin an der CARF 2026 begrüssen zu dürfen.
Prof. Dr. Sita Mazumder ist Professorin für Business & IT an der Hochschule Luzern und arbeitet an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist mehrfache Verwaltungs- und Aufsichtsrätin, Unternehmerin und Keynote-Speakerin zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, digitale Transformation und Innovationsmanagement. Ihr Fokus liegt auf strategischen Fragestellungen rund um Führung, technologische Umbrüche und Geschäftsmodelle in der digitalen Zeit. Ihre Leidenschaft ist es, wissenschaftliche Tiefe mit praktischer Umsetzungskompetenz zu verbinden.
Dich hat das Interview inspiriert, in einem dieser Themenfelder weiter zu forschen und du bist nun auf der Suche nach Co-Autor:innen? Oder du hast bereits Forschungsergebnisse, welche du gerne mit anderen Forschenden diskutieren möchtest? Für die Teilnahme an der Konferenz können noch bis 26. Juni 2026 Beiträge eingereicht werden. Je nach Stand der Arbeit kann sowohl ein publikationsfähiges Research Paper als auch ein Extended Abstract eingereicht werden. Genaure Informationen zu den Vorgaben finden sich im Call for Papers. Bei weiteren Fragen schreibt uns gerne eine E-Mail.
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