15. Juli 2026
Mehr Daten und leistungsfähigere KI versprechen bessere strategische Entscheidungen. Der Business Strategy Summit 2026 zeigte jedoch: Wert entsteht erst, wenn Technologie auf menschliche Urteilskraft, klare Prozesse und eine tragfähige Unternehmenskultur trifft.
Von Prof. Dr. habil. Stefan Hunziker, Karin Altendorfer und Smilla Nölle
Prof. Dr. habil. Stefan Hunziker eröffnete den Business Strategy Summit 2026 am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern mit einer zentralen Frage:
Führen mehr Daten und mehr künstliche Intelligenz automatisch zu besseren strategischen Entscheidungen?
Die Antwort aus Forschung und Praxis fiel differenziert aus: nicht unbedingt.
Mehr Informationen und leistungsfähigere KI können die Qualität von Entscheidungen verbessern. Ob dies tatsächlich gelingt, hängt jedoch von der jeweiligen Aufgabe, dem organisatorischen Kontext und insbesondere davon ab, wie Menschen die gewonnenen Erkenntnisse einordnen und nutzen.
Diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Summit. KI kann grosse Informationsmengen verarbeiten, Muster erkennen, unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und Entscheidungsgrundlagen schneller bereitstellen. Strategisches Management erfordert jedoch mehr als Daten und Geschwindigkeit. Es braucht Orientierung, kritisches Denken, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen.
Auch die weiteren Referierenden beleuchteten die Leitfrage aus unterschiedlichen Perspektiven. Prof. Dr. Sita Mazumder betonte die besondere Verantwortung von Führungskräften. In einer von technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägten Welt sei es entscheidend, lernfähig zu bleiben, bestehende Annahmen zu hinterfragen und immer wieder die richtigen Fragen zu stellen.
Christian Kalbassi und Matthias Junker richteten den Blick auf den Prozess hinter strategischen Entscheidungen. Nicht einzelne Tools entscheiden über den erfolgreichen Einsatz von KI, sondern das Zusammenspiel von Technologie, klaren Prozessen und menschlicher Verantwortung. KI kann Informationen sammeln, strukturieren und analysieren. Die Verantwortung für die Entscheidung und ihre Konsequenzen bleibt jedoch beim Menschen.
Damit KI einen nachhaltigen Mehrwert schafft, müssen zudem die verwendeten Quellen verlässlich, die Prozesse transparent und die Ergebnisse nachvollziehbar sein. Nur so können Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger beurteilen, auf welchen Annahmen und Informationen eine Empfehlung basiert.
Daniel Bossard zeigte aus Unternehmensperspektive, dass die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung einer Strategie nicht allein von den eingesetzten Technologien abhängt. Ebenso wichtig sind eine Kultur der Zusammenarbeit und die Fähigkeit, unterschiedliche Bereiche und Ebenen der Organisation aktiv in die Strategiearbeit einzubeziehen.
Johanna Schruff-Netzhammer ergänzte die Perspektive aus der Unternehmensberatung. KI kann strategische Prozesse erheblich beschleunigen. Geschwindigkeit allein schafft jedoch noch keine strategische Klarheit. Unternehmen müssen selbst bestimmen, wohin sie sich entwickeln wollen, welche Entscheidungen dafür notwendig sind und welche Rolle KI dabei übernehmen soll.
Ivo Ruckstuhl fasste diese Herausforderung zum Abschluss mit dem Statement «Create choices, make choices» zusammen. Gute Strategie bedeutet, zunächst echte Handlungsalternativen zu entwickeln und anschliessend bewusst zwischen ihnen zu entscheiden. KI kann Unternehmen bei beiden Schritten unterstützen – sie nimmt ihnen die Entscheidung jedoch nicht ab.
Der Business Strategy Summit 2026 machte deutlich: KI ist ein leistungsfähiges Werkzeug, aber kein Ersatz für strategisches Denken und verantwortungsvolle Führung. Ihr Potenzial entfaltet sich erst im Zusammenspiel mit hochwertigen Daten, nachvollziehbaren Prozessen, einer offenen Unternehmenskultur und einer klaren strategischen Orientierung.
Unternehmen sollten deshalb nicht nur fragen, welche KI-Anwendungen sie einsetzen können. Entscheidend ist vielmehr, welche Entscheidungen sie verbessern wollen, welche Informationen dafür tatsächlich relevant sind und wo menschliche Erfahrung und Urteilskraft unverzichtbar bleiben.
Der Summit zeigte, wie wertvoll der Dialog zwischen Wissenschaft, Beratung, Industrie und Technologie ist. Die unterschiedlichen Perspektiven ermöglichten einen fundierten, kritischen und zugleich praxisnahen Austausch.
Gerade angesichts des rasanten technologischen Wandels braucht es solche Diskussionen: nicht um den Menschen gegen die KI auszuspielen, sondern um zu verstehen, wie beide gemeinsam zu besseren strategischen Entscheidungen beitragen können.
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