27. März 2026
Georg Schattney ist Sustainability Manager bei Schindler. Wir wollten von ihm wissen, welche Fragestellungen seinen Arbeitsalltag bestimmen, inwieweit uns Kreislaufprozesse auf dem Weg zu nachhaltigem Wirtschaften weiterbringen und was seine Kernbotschaft als Speaker der ESG Reporting Konferenz ist.
Ich beschäftige mich mit der Planung und Koordination einer Reihe von globalen Initiativen und Projekten zur Verringerung der Treibhausgasemissionen sowie der Steigerung der Material- und Ressourcen-Effizienz bei der Schindler-Gruppe. Dabei liegt ein thematischer Schwerpunkt auf dem Thema Kreislaufwirtschaft.
Konkret geht es dabei aktuell einerseits um Fragestellungen auf der Beschaffungsseite wie zum Beispiel die Erhöhung des Anteils von recycelten Rohstoffen bei von uns bezogenen Stahl- und Aluminiumteilen. Recycling-Projekte sind meist in enger Partnerschaft mit Zulieferern und ohne grösser Disruptionen möglich.
Recycling-Projekte sind meist in enger Partnerschaft mit Zulieferern und ohne grösser Disruptionen möglich.
Andererseits treiben wir das Recycling bestimmter Teile unserer Aufzüge und Rolltreppen voran. Das ist ein Projekt, das zwar die Komplexität unserer Prozesse erhöht und einige Investitionen erfordert, aber auch große Vorteile auf ganz verschiedenen Ebenen des Unternehmens bringt.
Die Einführung von Kreislaufprozessen dürfte für viele Unternehmen unabhängig von ihrer Größe von großem Interesse sein, vor allem im produzierenden Gewerbe. In einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung sollten sich Investitionen in das Recycling von hochwertigen Maschinenteilen in vielen Fällen bereits nach 18 bis 24 Monaten rechnen – um ein konkretes Beispiel zu nennen.
Gleichzeitig hat Recycling fast immer einen positiven Effekt auf die Treibhausgas-Bilanz. Es werden CO2-Emissionen schon dadurch eingespart, dass Materialien wiederverwendet werden und die Emissionen aus einer Überholung von Teilen meist unter denen einer Neuproduktion liegen. Darüber hinaus kann durch das Recycling von zentralen Komponenten die Lebensdauer von Maschinen und Geräten verlängert werden, was wiederum CO2 einspart.
Nicht zuletzt stärkt das Recycling von Maschinenteilen die Resilienz der Beschaffungskette und verringert die Risiken, die sich seit der Corona-Beschaffungskrise durch eine zunehmende Volatilität der internationalen Beziehungen und Handelsströme verstetigt haben.
Als «Alleskönner» bieten sie positive Effekte sowohl auf die betriebswirtschaftliche als auch auf die Nachhaltigkeits-Bilanz und stärken die Resilienz der Beschaffungsketten sowie mindern Risiken aus der zunehmenden geopolitischen Volatilität. Darüber hinaus eröffnen sie über «as a Service»- und «all-in»-Ansätze neue Geschäftsmodelle. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite bedarf eines sehr guten und tiefen Verständnisses der Beschaffungs- und Produktionsprozesse sowie der Geschäftsmodelle des jeweiligen Unternehmens, damit die Projekte ihr volles Potenzial entfalten können.
Es bedarf eines sehr guten und tiefen Verständnisses der Beschaffungs- und Produktionsprozesse, damit die Projekte ihr volles Potenzial entfalten können.
Das reicht von den «reverse logistics», also wie bekommt man Teile überhaupt zurück ins Werk, bis hin zu Fragen, wie viele Schrauben in wie vielen Minuten mit welchem Werkzeug entfernt werden müssen, um eine bestimmte Komponente zu überholen. All das hat Einfluss auf den Erfolg entsprechende Initiativen.
Besonders spannend wird es, wenn man Management-seitig den Kreis schließt und bereits beim Produkt-Design das spätere Recycling mitdenkt. Damit bewegt man sich tief in den Forschungs- und Entwicklungsbereich eines Unternehmens – und damit ins Allerheiligste. In drei Worten zusammengefasst: Go for it!
Georg Schattney arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten zu ESG-Fragestellungen und hat sich intensiv mit den Themenbereichen Sustainable Finance und Nachhaltiges Bauen beschäftigt. Bevor er die Aufgabe eines Sustainability Managers bei Schindler übernahm, hat er lange Jahre bei führenden Finanzinstitutionen wie der Deutschen Börse and der Deutschen Bank sowie als Berater im Private Equity-Bereich gearbeitet. Vertieftes Wissen zur Nachhaltigkeit im Bau und in der Gebäudetechnik konnte er durch die Führung eines ESG-Teams und die Dekarbonisierung eines umfangreichen Immobilienportfolios bei einem spezialisierten Immobilienfinanzierer und Asset Manager gewinnen. Er engagiert sich im Bereich Social Impact Start-ups und ist Mitglied des Energy & Environmental Committees der European Lift Association.
Möchten Sie sich mit Georg Schattney persönlich austauschen? Am 27. Mai 2026 wird er als Speaker an der ESG Reporting Konferenz 2026 auftreten. Dort freuen wir uns auf das Gespräch mit Ihnen.
Weitere Informationen zur Konferenz finden Sie hier.

Interessiert an einer Weiterbildung im Bereich ESG? Hier finden Sie Informationen zum CAS Sustainability Reporting & ESG Controlling.
Von Ute Laun und Melanie Fürch
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