8. Mai 2026

Nachhaltigkeit,

Weiterbildung

Eine bessere Performance erreichen: ESG als strategisches Führungsinstrument

Das modular aufgebaute CAS am IFZ vermittelt Schlüsselkompetenzen für die ESG-Steuerung. Unsere Absolventinnen und Absolventen schätzen es, von erfahrenen Expertinnen und Experten aus der Praxis zu lernen. Heute sprechen wir mit Stefanie Egger, Head of ESG und Mitglied der Geschäftsleitung bei CRIF Schweiz. Danke, dass du dir die Zeit für das Gespräch nimmst, Stefanie!

Eine bessere Performance erreichen: ESG als strategisches Führungsinstrument
Stefanie Egger, Head of ESG und Mitglied der Geschäftsleitung, CRIF Schweiz

Von Ute Laun

Welche Themen beschäftigen dich aktuell in deinem beruflichen Alltag?

Ich komme aus dem Risikomanagement und der Strategieberatung und habe über 20 Jahre Erfahrung in Big4-Umfeldern sowie in Boutique-Beratungen. Die Herausforderungen von Grossunternehmen, Finanzinstituten und KMU kenne ich aus erster Hand.

Heute verantworte ich den ESG-Bereich von CRIF Schweiz und bin Mitglied der Geschäftsleitung. Mein Alltag dreht sich um eine zentrale Frage: Wie werden ESG-Daten zu einer echten Entscheidungsgrundlage?

Konkret arbeite ich mit:

  • Grossunternehmen, die Transparenz und Steuerbarkeit in ihre globalen Lieferketten bringen wollen
  • Finanzinstituten, die ESG-Risiken und -Chancen systematisch in Kredit- und Portfolioprozesse integrieren müssen
  • KMU, die sich zwischen steigenden Anforderungen, begrenzten Ressourcen und dem Wunsch nach Glaubwürdigkeit bewegen

In meiner Arbeit bin ich bestrebt, ESG-Daten, ESG-Scores und ESG-Bewertungen kritisch einzuordnen: Was sagen sie wirklich aus? Wo helfen sie und wo eher nicht?

Plattformen wie Synesgy unterstützen genau an dieser Stelle. Sie schaffen vergleichbare Daten, ermöglichen ein risikobasiertes Lieferkettenmonitoring und helfen, ESG systematisch in bestehende Risiko- und Steuerungsprozesse zu integrieren, anstatt parallel neue Silos zu schaffen.

Worin liegen aktuell die grössten Herausforderungen, Risiken und Chancen in deinem Tätigkeitsschwerpunkt?

Die grösste Herausforderung sehe ich aktuell in der fehlenden Verknüpfung von ESG-Daten mit Managemententscheidungen. 

Viele Unternehmen erheben eine Vielzahl von ESG-Kennzahlen, ohne dass diese zu klaren Prioritäten, Investitionsentscheiden oder wirksamen Steuerungslogiken führen.

Hinzu kommt die zunehmende regulatorische Verdichtung, etwa durch CSRD oder Lieferkettengesetze. Viele Unternehmen reagieren darauf mit einem reinen Compliance-Ansatz und verpassen damit die Chance, ESG strategisch zu nutzen. Der Aufwand steigt, der Mehrwert bleibt jedoch häufig unklar.

Viele Unternehmen reagieren auf die regulatorische Verdichtung mit einem reinen Compliance-Ansatz und verpassen damit die Chance, ESG strategisch zu nutzen. Der Aufwand steigt, der Mehrwert bleibt jedoch häufig unklar.

ESG bietet gleichzeitig grosse Chancen:

  • ESG kann als strategischer Filter dienen, um Risiken, Abhängigkeiten und Wertschöpfungspotenziale frühzeitig zu erkennen.
  • Transparente Lieferketten erhöhen die Resilienz und reduzieren operative Risiken und Reputationsrisiken.
  • Eine glaubwürdige ESG-Performance verbessert den Zugang zu Kapital, insbesondere für Finanzinstitute und KMU.

Entscheidend ist, dass ESG nicht als zusätzlicher Prozess verstanden wird, sondern als Erweiterung der bestehenden Managementlogik. Ziel sind bessere Entscheidungen auf Basis einer vollständigeren und integrierten Informationsgrundlage.

Welche Kernbotschaften vermittelst du im CAS zum Thema ESG Performance Measurement und Wettbewerbsvorteilen durch ESG?

Meine zentrale Botschaft im CAS lautet: ESG ist nicht Makulatur, sondern ein wirksames Steuerungs- und Wettbewerbsinstrument.

Ich vermittle drei Kerngedanken:

  1. Die Messung der ESG-Performance ist nur dann sinnvoll, wenn sie Entscheidungen verändern kann. Wenige, kausal wirksame Kennzahlen sind wertvoller als umfangreiche KPI-Sammlungen ohne Managementbezug.
  2. Wettbewerbsvorteile entstehen, wenn Unternehmen ESG-Risiken besser steuern, regulatorische Anforderungen schneller antizipieren und resilientere Geschäftsmodelle aufbauen können.
  3. Doppelte Materialität ist kein formaler Akt, sondern eine strategische Fokussierung. Im CAS lernen die Teilnehmenden, ESG-Themen zu priorisieren und auch bewusst zu entscheiden, was nicht im Fokus steht. Dies ist oft der schwierigere, aber entscheidendere Teil.

Ein besonderer Mehrwert für die Teilnehmenden ist der praxisnahe Einblick in reale ESG-Daten und Zertifizierungsprozesse.

Am Beispiel von Synesgy arbeiten sie mit echten ESG-Assessments, verstehen die Logik international anerkannter Zertifizierungen und sehen, wie ESG-Daten konkret zur Verbesserung der ESG-Performance genutzt werden können, etwa in der Lieferkettensteuerung oder im Kredit- und Portfoliomanagement.

Mein Anspruch im CAS ist es, ESG zu entzaubern und gleichzeitig zu schärfen. ESG soll nicht beeindrucken, sondern bessere, ganzheitlichere Entscheidungen ermöglichen. Und genau darin liegt letztlich auch der nachhaltigste Wettbewerbsvorteil.

Hier geht es zur Anmeldung für das CAS Sustainability Reporting & ESG Controlling

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