28. Oktober 2026

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Brücken bauen zwischen Kultur, Sozialem und Förderung

Eine gute Idee allein sichert noch keine Finanzierung. Was macht ein Projekt förderwürdig? Wie finden Organisationen passende Finanzierungspartner, und wie entstehen langfristige Förderbeziehungen? Philanthropie-Beraterin Elisa Bortoluzzi Dubach erläutert im Interview, worauf es ankommt und was Kultur- und Sozialorganisationen voneinander lernen können.

Brücken bauen zwischen Kultur, Sozialem und Förderung
Elisa Bortoluzzi Dubach, Philanthropie-Beraterin, Dozentin, Autorin

Von Dr. Stephanie Blättler

Interview mit Elisa Bortoluzzi Dubach, Philanthropie-Beraterin, Dozentin, Autorin

Elisa Bortoluzzi Dubach, Sie begleiten seit vielen Jahren Förderer und Geförderte. Was fasziniert Sie bis heute an dieser Zusammenarbeit?

Die Philanthropie ist für mich seit jeher weit mehr als ein Beruf, sie ist eine echte Leidenschaft. Mich begeistert bis heute, dass aus Ideen immer wieder aussergewöhnliche Projekte entstehen, die Menschen und Gesellschaft positiv verändern können. Gleichzeitig bewege ich mich gerne zwischen Förderern und Geförderten, vermittle, schaffe Verbindungen und begleite Partnerschaften. Und nicht zuletzt schätze ich die enorme Vielfalt meiner Arbeit: Kein Projekt, kein Förderer und kein Tag sind wie der andere.

Was macht eine Projektidee für Förderer überzeugend?

Förderer lassen sich selten allein von einer guten Idee überzeugen. Ausschlaggebend ist das Vertrauen, dass die verantwortlichen Personen das Projekt erfolgreich umsetzen können. Ein Antrag muss deshalb Kompetenz und Glaubwürdigkeit vermitteln sowie die Relevanz und Umsetzbarkeit des Vorhabens aufzeigen.

Ein förderwürdiges Projekt greift ein reales Bedürfnis auf, passt zu den Interessen und strategischen Zielen des Förderers und zeigt einen klaren gesellschaftlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Mehrwert auf. Die Ziele müssen nachvollziehbar formuliert, die geplanten Massnahmen plausibel begründet und die finanziellen Annahmen solide und transparent dargestellt sein.

Besonders überzeugend wirkt ein Antrag, wenn er erkennen lässt, dass das Projekt nicht isoliert entwickelt wurde. Förderer erwarten, dass die relevanten Stakeholder, die Bedürfnisse der Begünstigten und die Rahmenbedingungen des Umfelds sorgfältig analysiert wurden. Wer nachweisen kann, dass das Vorhaben auf einem echten Bedarf basiert und von den zentralen Anspruchsgruppen mitgetragen wird, erhöht seine Glaubwürdigkeit erheblich.

Darüber hinaus gewinnt ein Projekt an Überzeugungskraft, wenn bereits Überlegungen zur nachhaltigen Finanzierung und Weiterentwicklung bestehen. Förderer möchten wissen, was nach ihrer Unterstützung geschieht und wie die erzielten Wirkungen langfristig gesichert werden können.

Letztlich überzeugt eine Projektidee dann, wenn sie nicht nur begeisternd formuliert ist, sondern den Nachweis erbringt, dass sie relevant, machbar, wirkungsvoll und nachhaltig ist und von Menschen umgesetzt wird, denen man den Erfolg zutraut.

Wie findet man passende Geldgeber und kombiniert verschiedene Finanzierungsquellen?

Passende Geldgeber findet man nicht zufällig, sondern durch eine systematische Recherche. Dazu gehören die Analyse vergleichbarer Projekte und ihrer Förderpartner, die Beobachtung des relevanten Umfelds, die kontinuierliche Lektüre der Fachpresse sowie die gezielte Nutzung von Datenbanken zu Stiftungen, Mäzenen und anderen Förderinstitutionen. Zunehmend spielen dabei auch digitale Recherchemethoden eine wichtige Rolle: Suchmaschinen, professionelle Online-Plattformen, soziale Netzwerke und KI-gestützte Recherchetools erleichtern es, potenzielle Förderpartner zu identifizieren, Informationen auszuwerten und passende Finanzierungsoptionen zu erkennen. Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl potenzieller Geldgeber, sondern die Übereinstimmung zwischen deren Förderinteressen und den Zielen des eigenen Projekts.

Die Finanzierung eines Projekts sollte auf einem durchdachten Finanzierungsmix beruhen. Wo möglich, bilden Eigeneinnahmen die erste Säule und stärken die Glaubwürdigkeit des Vorhabens. Darauf aufbauend werden Beiträge der öffentlichenHand beantragt. Die verbleibende Finanzierungslücke wird gezielt bei privaten Förderpartnern geschlossen, insbesondere bei Stiftungen, Mäzenen, Förderkreisen und weiteren nicht kommerziellen Geldgebern. Die konkrete Gewichtung der einzelnen Finanzierungsquellen hängt von Art, Grösse und Zielsetzung des Projekts ab. Eine ausgewogene Mischfinanzierung reduziert Risiken, erhöht die finanzielle Stabilität und verbessert die Erfolgschancen bei der Mittelbeschaffung. Dabei können digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz wertvolle Unterstützung bei der Recherche, Analyse und Priorisierung potenzieller Förderpartner leisten, ersetzen jedoch nicht die strategische Beurteilung und die persönliche Beziehungspflege, die für den Erfolg weiterhin entscheidend bleiben.

Wie gelingt es, aus einer einmaligen Unterstützung eine längerfristige Zusammenarbeit aufzubauen?

Eine langfristige Zusammenarbeit entsteht nicht zufällig, sondern durch den bewussten Aufbau einer echten Partnerschaft. Entscheidend ist, die Anliegen und Interessen des Förderpartners bereits zu Beginn ernst zu nehmen und sie dort einzubeziehen, wo dies sinnvoll ist und mit den Projektzielen übereinstimmt. Ebenso wichtig sind eine regelmässige, transparente Kommunikation und das Gefühl, dass der Partner nicht nur Geldgeber, sondern Teil eines gemeinsamen Vorhabens ist.

Dazu gehört auch die persönliche Ebene. Wer seine Partner ernst nimmt, sie über Fortschritte informiert und auch Herausforderungen offen anspricht, schafft Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.

Langfristig gefestigt wird die Partnerschaft durch die gemeinsame Überprüfung der vereinbarten Ziele und der erzielten Wirkung. Werden Ergebnisse regelmässig ausgewertet und Optimierungsmöglichkeiten gemeinsam diskutiert, entsteht ein kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess. So entwickelt sich aus einer einmaligen Unterstützung Schritt für Schritt eine stabile und langfristige Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren.

Was können Kultur- und Sozialorganisationen bei der Finanzierung voneinander lernen?

Kultur- und Sozialorganisationen verfolgen oft unterschiedliche Ansätze in der Mittelbeschaffung und können gerade deshalb viel voneinander lernen. Kulturorganisationen zeichnen sich häufig durch Kreativität, Innovationsfähigkeit und die Kunst aus, Projekte inspirierend zu erzählen. Sie verstehen es, Emotionen zu wecken, Visionen zu vermitteln und Förderer für eine Idee zu begeistern. Sozialorganisationen hingegen stellen oft konsequent den Menschen und dessen Bedürfnisse ins Zentrum. Sie sind in der Regel stark darin, gesellschaftliche Wirkung aufzuzeigen, Zielgruppen einzubeziehen und den konkreten Nutzen ihrer Arbeit nachvollziehbar zu belegen.

Kulturorganisationen können von Sozialorganisationen lernen, ihre Wirkung systematischer zu dokumentieren, die Bedürfnisse der Begünstigten stärker in den Mittelpunkt zu stellen und die gesellschaftliche Relevanz ihrer Projekte klarer herauszuarbeiten. Sozialorganisationen wiederum können von Kulturinstitutionen profitieren, wenn es darum geht, Geschichten zu erzählen, Emotionen anzusprechen, neue Finanzierungswege zu erschliessen und Förderer nicht nur rational, sondern auch auf persönlicher Ebene zu überzeugen.

Welchen Mehrwert bietet der Fachkurs „Kultur- und Sozialfinanzierung neu denken“ den Teilnehmenden?

Der Fachkurs vermittelt nicht nur fundiertes Wissen zu Fundraising, Förderpartnerschaften, alternativen Finanzierungsformen und Projektmanagement. Sein besonderer Mehrwert liegt in der interdisziplinären Perspektive: Die Teilnehmenden lernen von Fachpersonen aus Kultur, Sozialem, Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung und weiteren angrenzenden Bereichen. Gleichzeitig entsteht ein wertvolles Netzwerk von Menschen, die ähnliche Herausforderungen beschäftigen. Dieser Austausch eröffnet neue Perspektiven, fördert Kooperationen und schafft Kontakte, die oft weit über den Fachkurs hinauswirken. Wer Finanzierung neu denken will, braucht neben Fachwissen vor allem Inspiration, Vernetzung und den Blick über die Grenzen des eigenen Tätigkeitsfelds.

Elisa Bortoluzzi Dubach ist Dozentin im Fachkurs «Kultur- und Sozialfinanzierung neu denken». Die Teilnehmenden lernen, Kultur- und Sozialprojekte professionell zu planen, zu finanzieren und umzusetzen. Der sechstägige Fachkurs findet am 2./3., 9./10. und 16./17. März 2027 am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ in Rotkreuz statt.

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