9. August 2022

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Leadership by Design – Prof. Jan-Erik Baars im Interview

Leadership by Design – Prof. Jan-Erik Baars im Interview

Prof. Jan-Erik Baars leitet am Institut für Kommunikation und Marketing IKM das CAS Design Management, unterrichtet in verschiedenen Studiengängen und ist in Forschungsaktivitäten involviert. Als Gastdozent lehrt er an verschieden Hochschulen und ist Teil eines internationalen Netzwerks von Design Denkern. Seine berufliche Laufbahn begann bei Philips Design in Eindhoven, Niederlande. Seine Designarbeiten wurden mit allen wichtigen Design-Awards ausgezeichnet. Seit 2011 ist er als Berater im Bereich Design-Strategie und Unternehmensentwicklung tätig und unterstützt Unternehmen in Herausforderungen rundum Design. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Wirtschaft, entwickelte er den Customer Centricity Score, eine Methode, mit der sich der Grad der Kundenzentrierung in Organisationen ausweisen lässt. Im Interview erzählt er uns, was ihn am Designmanagement fasziniert, wo er es im Unternehmen einordnet und wo Unternehmen oftmals stolpern.

Du dozierst Designmanagement an der Hochschule Luzern. Wie ist es dazu gekommen?

Das war ein schleichender Prozess. Meine berufliche Laufbahn habe ich 1990 als Industriedesigner begonnen. Nach meinem Studium habe ich bei Philips in den Niederlanden gearbeitet und an der Entwicklung von Produkten mitgewirkt. Als Designer habe ich versucht, die Produkte in eine für Nutzer und Konsumenten relevante und ansprechende Form zu gestalten. Eine Aufgabe, die faszinierend ist. Nach und nach entdeckte ich, dass gute Gestaltung nicht so selbstverständlich ist wie gutes Management: Man muss Überzeugungsarbeit leisten, um die nötigen Ressourcen dafür zu erhalten und man muss sicherstellen, dass die Designarbeit auch ernstgenommen wird. Oft wird das Design als reine Ausschmückung verstanden, was leider das Potenzial guter Gestaltung untergräbt. Also habe ich angefangen, mich mehr ums Management des Designs zu kümmern und bewegte mich so ins Designmanagement. Zuletzt habe ich dann als Experte in diesem Bereich gearbeitet, bis ich 2011 den Ruf nach Luzern erhielt, um mein Wissen an Studierende weiterzugeben. Nach über 20 Jahren in der Industrie war das eine grossartige Aufgabe. Nach einigen Jahren im Department für Design habe ich ins Department für Management gewechselt, sodass ich nun beide Seiten des Designmanagement betrachten kann. Denn in Wahrheit ist Designmanagement etwas, dass eine Brücke zwischen Designer und Manager baut und so diese wichtigen Fähigkeiten miteinander verbindet.

Was fasziniert dich besonders an diesem Thema?

Dass es sich zwischen den üblichen grossen Themen des Designs und des Managements befindet und ist weder das eine noch das andere. Es spielt eine entscheidende Rolle, die beiden „Lager“ miteinander zu verbinden. Denn ich bin überzeugt, dass Organisationen und Unternehmen nur dann wirklich erfolgreich sein können, wenn Design und Management optimal miteinander arbeiten können, wenn das Denken in Silos durch eine integrative Arbeit überwunden werden kann. Faszinierend ist dann auch zu beobachten, wie die verschiedenen Denkhaltungen sich ausprägen und unterschiedliche Herangehensweisen verfolgen, und dass man diese beide benötigt. Denn es ist nicht eine Frage des Entweder-oder: Es geht nicht darum, ob Design nun wichtiger ist als Management für den Erfolg. Sondern es geht darum, wie beide Fähigkeiten in Zusammenarbeit erfolgreich werden. Manchmal treffen da Welten aufeinander, die man als Designmanager zusammenbringen muss.

Wo oder bei wem ordnest du das Thema in einem Unternehmen ein?

Da ich schon sagte, dass Designmanagement ein „Brückenthema“ ist, könnte man von einem Ufer oder dem anderen Ufer anfangen zu bauen. In manchen Unternehmen ist Designmanagement eine Aktivität, die im Design beginnt und dort auch verortet ist. Dies vor allem dort wo viel Entwickelt wird und die Fähigkeit zu Gestalten sehr ausgeprägt sein muss. Aber es gibt auch Unternehmen, die Designaktivitäten nicht selbst ausführen und dies externen Lieferanten überlassen. Dort ist Designmanagement eine notwendige Aktivität aus dem Management heraus, sodass sichergestellt wird, dass man stehts die nötige Expertise zur Verfügung hat und dass die Designarbeit effektiv ist.
Es ist also abhängig vom Umfeld des Unternehmens, dessen Tätigkeitsfeld und der Strategie, die es fährt. Ein Universalrezept gibt es also nicht, ausser dass man immer ein Designmanagement benötigt, egal was man macht. Man sollte die Designarbeit nie dem Zufall überlassen.

Wo sind die Stolpersteine für Unternehmen?

Dass man Design dem Zufall überlässt. Viele Unternehmen nehmen Design nicht ernst genug und stolpern dann über die Qualitätsmängel, die sich im Resultat der Designarbeit breitmachen. Das sind dann Inkonsistenzen im Markenauftritt, Mangel an Differenzierung im Markt, unattraktive Lösungen usw. Also alles das, was Kunden sofort unterschwellig merken und fühlen.

Ein weiterer Stolperstein ist das dominante Managementdenken. Viele Unternehmen wollen alles was sie tun, kontrollieren und absichern, indem sie Zielsetzungen und Regelwerke erlassen. Gutes Design benötigt aber eine Phase der Kreation und des Experiments, das wiederum Freiraum und Offenheit bedingt. Sie lassen das Design im Designmanagement zu wenig Freiraum und engen es mit Regelwerken zu sehr ein. So wird das Potenzial von Gestaltung vernichtet. Allerdings, umgekehrt gilt das Gleiche: Wenn Design gar keine Ziele und Regeln hat, kann es das Potenzial des Managements und einer Unternehmung auch einengen. Es kommt also auf eine gute Balance der beiden Fähigkeiten an.

Booklet «Leadership by Design»

In Zusammenarbeit mit der Zeitschrift PAGE und der Agentur Fuenfwerken entstand ein Sonderheft zum Thema „Leadership by Design“. Die einführenden Worte stammen aus der Feder von Jan-Erik Baars, worin er beschreib was nötigt ist, wirklich effektive Führung in Unternehmen zu etablieren.

„Gute Führung war nie nur eine Frage der optimierten Administration, sondern immer auch eine Frage der Gestaltung von Angeboten und Zielsetzungen.“

Der ausführliche Text und Fallbeispiele im Kontext finden sich in folgendem Booklet:

Prof. Jan-Erik Baars

Dozent und Projektleiter

Institut für Kommunikation und Marketing IKM

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