25. Mai 2026
KI in Kommunikation und Marketing
„Wollen wir unsere eigenen Fähigkeiten auslagern?“ Autor und Journalist Nelio Biedermann spricht an der AIristoteles-Veranstaltung vom 10. Juni über Kreativität, KI und die Frage, was menschliches Schreiben wirklich ausmacht. Warum entstehen die besten Ideen oft völlig unerwartet? Und was verlieren wir, wenn Maschinen beginnen, immer menschlicher zu schreiben? Ein Interview, das zum Nachdenken anregt.
Vor allem dann, wenn ich sehr persönliche Erfahrungen, Empfindungen und Beobachtungen beschreibe. Das sind meist kleine Detailbeobachtungen, die für die Geschichte keine narrative Bedeutung haben, sie aber verdichten, ihr eine Ebene hinter der blossen Handlung geben.
Im Moment spielt KI für mich beim literarischen Schreiben überhaupt keine Rolle, erst recht nicht im Prozess des Ideenfindens. Der lässt sich auch schwer erzwingen oder rekonstruieren, nicht mal wirklich beschreiben lässt er sich, da er so assoziativ ist und so viele kaum nachvollziehbare Gedankensprünge beinhaltet. Tolstoi hat sich, so erzählt es die Legende, nach einem Abendessen hingelegt, da sei ihm plötzlich ein Ellbogen vor dem inneren Auge erschienen. Nur ein Ellbogen, ohne Kontext, ohne Einbettung in eine Geschichte oder Umgebung. Es sei der Ellbogen Anna Kareninas gewesen. So seltsam das klingt, so gut kann ich es nachvollziehen, weil das Ideenfinden eben keinem Schema folgt, das sich leicht reproduzieren lässt.

«Menschliche Kreativität entsteht aus persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und innerem Wachstum – und genau das kann KI nicht ersetzen.»
Ich denke, wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, was wir als Gesellschaft bereit sind, aufzugeben. Die KI kann alles schneller und vieles besser als wir. Ich denke aber, dass es von grosser Bedeutung sein wird, die Vor- und Nachteile abzuwiegen. Wollen wir unsere eigenen Fähigkeiten auslagern? Wollen wir äusseren Fortschritt auf Kosten unseres persönlichen, inneren Wachstum?
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