6. November 2026

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Top 100+ Women in AI: Dr. Patricia Feubli über KI für Menschen

Wer prägt künstliche Intelligenz in der Schweiz? Das ETH AI Center und die Greater Zurich Area stellen jedes Jahr über 100 Frauen vor, die KI, Data und Robotik in der Schweiz prägen. Auf der Liste «100+ Women in AI, Data & Robotics – Switzerland 2026» steht auch Dr. Patricia Feubli von der Hochschule Luzern. Im Interview erzählt sie, warum ihr Einstieg in die Data Science Mut brauchte, was «human-centered» für sie heisst und was die Menschen beim Thema KI bewegt.

Top 100+ Women in AI: Dr. Patricia Feubli über KI für Menschen
Dr. Patricia Feubli ist eine der Top 100+ Women in AI, Data & Robotics der Schweiz 2026.

Patricia, du bist in der Liste «Top 100+ Women in AI, Data & Robotics – Switzerland 2026». Was war dein erster Gedanke, als du davon erfahren hast, und was bedeutet dir das?

Ich war gerade an der Applied AI Center Conference an der Hochschule Luzern, als ich davon erfahren habe. Ich habe mich riesig über diese Ehre gefreut und habe sofort an meine theoretischen Anfänge in der mathematischen Beweisführung in der Volkswirtschaftslehre gedacht. Wohin die beruflichen Wege einen so führen…

Neben dir sind drei weitere Frauen der Hochschule Luzern auf der Liste vertreten. Wie arbeitet ihr zusammen und welche Bedeutung haben Netzwerke für dich persönlich, gerade im Bereich KI?

Es ist eine grosse Freude, dass wir die Hochschule Luzern gleich zu viert auf der Liste vertreten dürfen. Sarah Hauser, Sita Mazumder und Aygul Zagidullina sind drei ausgewiesene KI-Expertinnen mit unglaublich viel Impact. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist für mich sehr inspirierend. Wir haben gemeinsame Projekte in der Ausbildung, der Forschung und der strategischen Kooperation.

Wie in allen Gebieten ist ein Netzwerk auch im Bereich KI sehr wichtig. Der Austausch mit anderen Expertinnen und Experten ist bereichernd, hilft bei eigenen Problemstellungen sowie beim Verstehen der sich schnell ändernden Technologien und Methoden und bietet fruchtbaren Boden für tolle Projekte. Das Geschlecht spielt für mich keine Rolle. Dennoch bin ich mir durchaus bewusst, dass die Geschlechterverteilung im Themenfeld KI noch nicht ausgeglichen ist. Umso mehr freut es mich, dass wir gerade mit den 100+ Women in AI, Data & Robotics viele tolle Vorreiterinnen und Vorbilder haben.

Welche Entscheidung oder Erfahrung hat dich auf deinem Weg am meisten weitergebracht?

Ich habe vor rund 10 Jahren ganz bewusst den Entscheid gefällt, in den Bereich Data Science einzusteigen. Ich war gut in Mathematik und überlegte mir damals, wie ich diese Fähigkeit in eine berufliche Entwicklung ummünzen kann. Data Science war naheliegend. Dann ergab sich tatsächlich eine Gelegenheit, in diesem Bereich einzusteigen. Es kostete mich Mut, mich darauf einzulassen, denn ich musste mir alles on-the-job selbst beibringen. Ich hatte zuvor noch nie wirklich mit Daten gearbeitet, sondern Modelle entwickelt.

Der damalige Entscheid hat mich zu meiner heutigen Tätigkeit geführt, wofür ich sehr dankbar bin. Ich könnte mir kein spannenderes Gebiet für mich vorstellen.

Du leitest das Competence Center Human-centered AI Systems. Was heisst «human-centered» für dich konkret?

Für mich ist die Arbeit mit Daten und künstlicher Intelligenz praktisch ausschliesslich Arbeit mit und für Menschen. In unserem Competence Center arbeiten wir vorwiegend mit Daten, die von Menschen stammen. Dabei ist es enorm wichtig, sich nicht einfach in die Zahlen und Texte zu vertiefen, sondern dahinter immer Menschen und ihre Kontexte, Geschichten, Bedürfnisse, Sorgen, Freuden und vor allem auch ihren Schutz zu sehen und all dies in den Vordergrund zu stellen.

Es geht nicht einfach darum, Modelle mit Daten zu füttern und die Genauigkeit der Resultate zu messen. Es geht vielmehr darum, Systeme zu entwickeln, die den Menschen und ihren Bedürfnissen Rechnung tragen und dabei verantwortungsvoll mit Informationen von und über Menschen umgehen. Selbst wenn die Systeme nicht auf menschlichen Daten beruhen, sollen die daraus entstehenden Systeme Menschen unterstützen und ihren Alltag erleichtern.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ihr Projekt mit Stimmt AG: Wie KI Kundenmotive erkennt und die Kundensegmentierung verbessert.

Mit AIristoteles 4.0. holst du KI-Diskussionen in die Öffentlichkeit. Was beschäftigt die Menschen beim Thema KI am meisten?

Da gibt es vieles, was die Menschen aktuell beschäftigt. Da ist zum Beispiel die Unsicherheit. Wir stecken mitten in einer massiven Entwicklungswelle und aktuell weiss niemand so recht, wie die Zukunft aussieht. Klar ist lediglich, dass sie sehr viel KI beinhalten wird. Wie jedoch unsere beruflichen Tätigkeiten, unsere Arbeit, unser Zusammenleben oder unsere Privatsphäre aussehen werden, ist offen. Das beschäftigt sehr viele Menschen.

Oder ist da auch die Frage, was die Nutzung von KI mit uns Menschen macht. Hirnforscher weisen mit Nachdruck darauf hin, dass man sein Hirn trainieren muss, um intelligent zu werden und zu bleiben. Denkt man nicht mehr, verkümmert unser Hirn. Wie stellen wir also sicher, dass wir alle und insbesondere auch unsere jungen Nachwuchstalente eine Balance zwischen der kognitiven Auslagerung an KI und dem Mental Workout für unser Hirn finden?

Und dann sind da noch die unglaublichen Chancen von KI, die uns zum Beispiel in der Medizin in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit voranbringen. Oder Unterstützung in ungeahntem Ausmass für Personen bieten, die sich mit Lesen und Schreiben schwertun.

Alle sind von künstlicher Intelligenz betroffen. Deshalb wollen und müssen wir die KI-Diskussionen auch öffentlich führen. Wir versuchen dies mit viel Entdeckergeist, der nötigen kritischen Begutachtung, dem Blick auf die Gesellschaft und immer mit einer Prise Salz und Humor.

Dr. Patricia Feubli

Über Dr. Patricia Feubli

Dr. Patricia Feubli ist Leiterin des Competence Centers Human-centered AI Systems am Institut für Kommunikation und Marketing (IKM) und Studiengangleiterin des Master of Science in Applied Data Science and AI an der Hochschule Luzern. Sie beschäftigt sich damit, wie künstliche Intelligenz verantwortungsvoll und mit dem Menschen im Mittelpunkt eingesetzt werden kann. Mit der Veranstaltungsreihe AIristoteles bringt sie aktuelle KI-Fragen in die öffentliche Diskussion. 2026 wurde sie in die Liste «Top 100+ Women in AI, Data & Robotics – Switzerland» aufgenommen.

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