27. März 2026
KI in Kommunikation und Marketing,
Was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn Künstliche Intelligenz uns jederzeit Antworten liefert? Im Interview zur Eventreihe «AIristoteles 4.0 – Artificial Intelligence meets Human Wisdom» spricht Prof. Dr. Matthes Fleck mit Prof. Dr. Miriam Meckel & Dr. Léa Steinacker über die Auswirkungen von KI auf Gesellschaft, Arbeit und unsere Fähigkeit, selbst zu denken.
Miriam Meckel: Wir verwandeln uns in eine Zivilisation von „Click-and-Believe“-Idioten. Wenn wir nur noch das Endergebnis konsumieren, ohne den Weg dorthin zu verstehen, verlieren wir die Fähigkeit zu Reibung und Kritik. Eine Gesellschaft, die den Aufwand der Suche nach Antwort nicht mehr betreibt, verliert mittelfristig auch die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen.
Léa Steinacker: Wir schaffen eine Arbeitswelt der isolierten «Output-Maschinen“. Wenn der Prozess wegrationalisiert wird, stirbt das Handwerk und mit ihm die soziale Resonanz. Jobs verkommen zu einsamen Validierungs-Sprints, bei denen der Mensch nur noch als lästiger Flaschenhals fungiert, der das KI-Ergebnis abnickt. Das hat dann auch nichts mexhr mit «Human in the loop» zu tun.
«Wenn wir nur noch Ergebnisse konsumieren, verlieren wir die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen.»
Prof. Dr. Miriam Meckel
Miriam Meckel: In unserem Wahn, jede Sekunde messbar und nutzbar zu machen, opfern wir die „unproduktive“ Tiefe. Fähigkeiten wie Langeweile, aus der oft echte Kreativität entsteht, Empathie und das Aushalten von Ambivalenz sterben aus. Was wir verlieren? Unsere Seele und das Schöne am Leben.
Léa Steinacker: Wir sollten aufhören, die KI als Orakel zu behandeln und anfangen, sie als leistungsfähigen Zuarbeiter zu sehen. Verantwortung übernimmt man nicht durch blindes Vertrauen, sondern durch radikale Skepsis. Vielleicht werden wir in Zukunft durch Nudging Initialreize in die KI-Modelle einbauen, die uns dazu bringen, erst mal selbst zu denken, und dann ins Sparring mit KI zu gehen.
«Wir bewegen uns in Richtung einer Arbeitswelt aus isolierten Output-Maschinen.»
Dr. Léa Steinacker
Die Antworten von Miriam Meckel und Léa Steinacker machen deutlich, dass es im Umgang mit Künstlicher Intelligenz nicht nur um Effizienz oder technologische Möglichkeiten geht. Es geht um grundlegende Fragen, wie wir Wissen erwerben, wie wir Entscheidungen treffen und welche Rolle wir uns selbst dabei noch zuschreiben.
Was dabei auf dem Spiel steht, ist weniger offensichtlich als neue Tools oder schnellere Prozesse, aber weitreichender, nämlich unsere Fähigkeit zur Einordnung, zum Zweifel und zum eigenständigen Denken.
Diese Fragen lassen sich nicht abschliessend beantworten. Aber sie lassen sich stellen und gemeinsam weiterdenken. Genau dafür schaffen wir Raum.
Am Event «AIristoteles 4.0 – Artificial Intelligence meets Human Wisdom» greifen wir diese Fragen auf, führen sie weiter und bringen unterschiedliche Perspektiven ins Gespräch.
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Die im Interview aufgeworfenen Fragen zeigen, wie zentral ein reflektierter Umgang mit Künstlicher Intelligenz geworden ist – gerade im Spannungsfeld von Kommunikation, Marketing und Gesellschaft.
Am Institut für Kommunikation und Marketing (IKM) greifen wir diese Themen in unseren Weiterbildungsangeboten auf und verbinden technologische Entwicklungen mit kritischer Einordnung und praktischer Anwendung.
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