1. April 2026
Marketing- und Kommunikationsmanagement,
Elektroautos werden immer beliebter – doch bei gebrauchten Modellen zögern viele Käuferinnen und Käufer. Warum ist das so? Eine Masterarbeit an der Hochschule Luzern zeigt, welche Erwartungen potenzielle Käuferinnen und Käufer an Elektro-Occasionen haben, wo ihre grössten Unsicherheiten liegen und wie Händler Vertrauen aufbauen können.
Elektromobilität entwickelt sich rasant. Mit der steigenden Zahl neuer Elektroautos wächst auch der Markt für gebrauchte Fahrzeuge. Für den Occasionshandel bringt diese Entwicklung jedoch neue Herausforderungen mit sich.
Elektroautos bleiben im Durchschnitt rund 85 Tage und damit am längsten aller Antriebsarten im Bestand (autovista24, 2025), bevor sie verkauft werden. Für Händler bedeutet dies gebundenes Kapital und steigenden Verkaufsdruck.
Gleichzeitig kehren immer mehr Fahrzeuge aus Leasingverträgen zurück in den Markt. Dadurch steigt das Angebot an Elektro-Occasionen kontinuierlich. Während neue Modelle technisch immer leistungsfähiger werden, verlieren ältere Fahrzeuge schneller an Attraktivität – etwa durch geringere Reichweite oder längere Ladezeiten. Doch die Nachfrage ist grundsätzlich vorhanden. Viele Menschen interessieren sich für Elektromobilität und sehen darin eine nachhaltige Alternative zum Verbrennungsmotor. Trotzdem fällt die Entscheidung für eine gebrauchte Variante oft schwer.
Im Rahmen der Masterarbeit wurden 525 Personen in einer Onlineumfrage befragt sowie Expertinnen und Experten aus der Automobilbranche interviewt. Die Ergebnisse zeigen, dass potenzielle Käuferinnen und Käufer von Elektro-Occasionen unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse haben. Die Ergebnisse der Masterarbeit zeigen, dass potenzielle Käuferinnen und Käufer von Elektro-Occasionen unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse haben.

Eine erste Gruppe steht der Elektromobilität grundsätzlich positiv gegenüber. Für diese Interessierten spielen emotionale Faktoren eine wichtige Rolle, etwa das innovative Fahrerlebnis, Fahrspass, Ruhe und Komfort. Eine zweite Gruppe zeigt zwar Interesse, bleibt jedoch deutlich skeptischer. Für diese Käuferinnen und Käufer stehen vor allem wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund, etwa ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie niedrige Wartungs- und Betriebskosten.
Es zeigen sich auch gemeinsame Vorbehalte, die einen Kauf bremsen können. Besonders häufig genannt wurden:
«Viele potenzielle Käuferinnen und Käufer sind zudem unsicher, wie zuverlässig gebrauchte Batterien sind oder wie sich ein Elektroauto im Alltag bewährt. Diese Unsicherheiten führen dazu, dass sich Interessierte intensiver informieren oder den Kauf aufschieben.»
Ein zentraler Faktor für mehr Vertrauen ist transparente Information. Besonders wichtig sind für Käuferinnen und Käufer:
Solche Informationen reduzieren wahrgenommene Risiken und erleichtern die Kaufentscheidung. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Interessierte ihren Informationsstand selbst als eher gering einschätzen.
Neben technischen Faktoren spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle. Die Ergebnisse zeigen, dass eine differenzierte Ansprache der Zielgruppen wichtig ist.
Digitale Kanäle spielen dabei eine zentrale Rolle. Viele potenzielle Käuferinnen und Käufer informieren sich zuerst online über Fahrzeuge, bevor sie ein Autohaus besuchen. Inhalte sollten deshalb entlang der Customer Journey aufgebaut sein. Entlang des See‑Think‑Do‑Care-Modells von Kaushik (2013) kann die Kommunikation von Inspiration über Information bis hin zur konkreten Kaufentscheidung aufgebaut werden.
Elektro-Occasionen wecken Interesse, doch Unsicherheiten zu Batterie, Reichweite und Wertverlust bremsen viele Käuferinnen und Käufer. Transparente Informationen, Zertifikate und Garantien sowie eine differenzierte Kommunikation entlang der verschiedenen Phasen der Customer Journey können Vertrauen schaffen. Emotional betonte Botschaften überzeugen Interessierte, sachliche Fakten Skeptiker. So lässt sich die Kaufentscheidung für gebrauchte Elektroautos gezielt unterstützen.
Quellen:
Autovista24 (2025, 1. April). Monthly Market Update: Used-car sales pick up speed in March. Abgerufen am 10.05.2025 von https://autovista24.autovistagroup.com/news/mmu-used-car-sales-pick-up-speed-in-mar
Kaushik, A. (2013, 22. Juli). See-Think-Do-Care: A Content, Marketing, Measurement Business Frame-work. Occam’s Razor by Avinash Kaushik. Abgerufen am 20.07.2025 von: https://www.kaus-hik.net/avinash/see-think-do-content-marketing-measurement-business-frame

Head of Brand & Product Management

Brand Manager VW PW, Skoda & VW NF
Am Institut für Kommunikation und Marketing (IKM) entstehen im Rahmen von Weiterbildungen regelmässig praxisnahe Arbeiten zu aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen.
Jasmin und Angela haben sich in ihrer Masterarbeit mit den Bedürfnissen, Erwartungen und Vorbehalten gegenüber Elektro-Occasionen beschäftigt und liefern damit spannende Einblicke in ein zunehmend relevantes Thema für Mobilität und Kommunikation.

Der «MAS Digital Marketing and Communication Management» vereint die Theorie des digitalen Marketing und deren praktische Anwendung. Sie lernen Tools und Strategien kennen, welche für effektive Online-Kommunikation nötig sind.
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