12. Oktober 2026

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Zwischen Ressourcenknappheit und Wohnraummangel: Wie entwickeln wir die Stadt von morgen?

Knappes Bauland, steigende Baukosten und uneinheitliche Vorschriften stellen die Schweizer Immobilien- und Wohnungswirtschaft vor grosse Herausforderungen. Das Schweizer Bau- und Immobilienforum der Hochschule Luzern und die Schweizer Wohntage 2026 zeigen, welche Ansätze für eine zukunftsfähige Stadt- und Wohnraumentwicklung diskutiert werden.

Zwischen Ressourcenknappheit und Wohnraummangel: Wie entwickeln wir die Stadt von morgen?

Ein Artikel von: Christian Kraft und Sara Koller


Stadtentwicklung unter Druck

Wie lassen sich Städte weiterentwickeln, wenn Geld, Material und Land knapp sind? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Schweizer Bau- und Immobilienforum der Hochschule Luzern am 11. November 2026 in Rotkreuz. Im Rahmen der Schweizer Wohntage 2026 treffen sich Fachpersonen aus Planung, Bau, Immobilienwirtschaft und Verwaltung, um aktuelle Herausforderungen der nachhaltigen Stadt- und Immobilienentwicklung zu diskutieren.

Der Workshop «Stadtentwicklung ohne Geld?» ist einer von drei Workshops im Zentrum der Veranstaltung. Dabei geht es um die Bedeutung privater und institutioneller Investitionen für die Entwicklung Schweizer Städte, um die Finanzierbarkeit von Projekten durch Banken und um die Frage, welche Rolle Unternehmen grundsätzlich für die Wertschöpfung in Städten spielen. Dieser Workshop greift die wichtige Frage auf, welche Rolle Kapital zukünftig in Städten spielen kann, muss oder soll. Denn rund 50 Milliarden CHF werden jedes Jahr in den Bau von Gebäuden investiert, ohne Land und Unterhalt (BFS). Der Grossteil davon von Unternehmern, Vorsorgeeinrichtungen, Banken und Privatpersonen in Städten. Finanziert sind Gebäude mit grundpfandgesicherten Hypotheken im Umfang von 1.24 Billionen CHF (SNB). Gebäude entstehen nicht nur für Wohnungen, sondern auch für Arbeitsplätze von Unternehmen. Die wirtschaftliche Dynamik prägt somit Städte einerseits. Andererseits gerät privates und institutionelles Kapital zur Förderung dieser Dynamik immer stärker in die Kritik.

Gemeinsam wird diskutiert, in welchen Bereichen die Stadtentwicklung auch künftig auf unternehmerisches Kapital angewiesen ist und unter welchen Bedingungen Investitionen für private und institutionelle Akteure attraktiv bleiben. Ebenso stellt sich die Frage, wie eine aktive Bodenpolitik oder veränderte Rahmenbedingungen für Grundeigentum die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen beeinflussen.

Zwei weitere Workshops widmen sich den Themen «Stadtentwicklung ohne Material?» und «Stadtentwicklung ohne Land?». Im Fokus stehen dabei ressourcenschonendes Bauen, die Weiterentwicklung des Gebäudebestands sowie die Frage, wie bestehende Liegenschaften und Portfolios langfristig strategisch genutzt werden können.

Die Ergebnisse der Workshops werden am Nachmittag an der Hochschule Luzern vorgestellt und durch Referate zur zukünftigen Rolle der Stadtplanung vertieft. Damit schafft das Forum eine Plattform, um gemeinsam über tragfähige Lösungen für eine Stadtentwicklung nachzudenken.


OECD warnt vor Herausforderungen am Immobilienmarkt

Auf die Bedeutung städtischer Wohnungsmärkte für die wirtschaftliche Entwicklung weist auch ein aktueller Bericht der OECD hin. Im Wirtschaftsländerbericht der Schweiz vom September 2026 kritisiert die OECD (S. 61) die schwache Reaktion des städtischen Wohnungsangebots und die begrenzten Möglichkeiten, Skaleneffekte zu erzielen, was in der Kombination Wohnen verknappt und verteuert:

«Vertikales statt horizontales Bauen, um dem revidierten Raumplanungsgesetz von 2014 zu entsprechen, dürfte die Komplexität und die Kosten des Bauens noch weiter erhöhen. Tatsächlich erfordert das Bauen in die Höhe eine verstärkte statische Abstützung, modernere Versorgungssysteme, spezialisierte Baumaschinen und oft teurere Materialien. Zudem haben sich zwar die meisten Kantone einem Konkordat zur Harmonisierung einiger Bauvorschriften angeschlossen, doch sind die Baunormen und Baugesetze zwischen den Kantonen und Gemeinden nach wie vor sehr uneinheitlich.»

Diese Aussenwahrnehmung verdeutlicht die spezielle Situation der Schweiz: Kapital und Geld ist grundsätzlich verfügbar. Jedoch wird es aufgrund komplizierter Verfahren, Einsprachen und Baulandknappheit immer schwieriger, daraus neue Wohnungen zu produzieren. Der Bestand profitiert dafür von mehr Investitionen, was jedoch auch die Preise steigen lässt. Die Bankensicht wird im Workshop am Bau- und Immobilienforum zudem aufzeigen, welche Bedingungen sich zusätzlich für die Finanzierung verändert haben, etwa durch die Umsetzung von Basel III Final in der Bankenregulierung.

Quelle: Bundesamt für Wohnungswesen (BWO), Schweizer Wohntage 2026

Schweizer Wohntage: Wohnraum gemeinsam weiterdenken

Der Dreiklang von Geld, Material und Land tangiert somit auch die diesjährigen Schweizer Wohntage, in deren Rahmenprogramm das Bau- und Immobilienforum stattfindet. Im Zentrum der Wohntage stehen aktuelle Fragen rund um Wohnraumförderung, Mietrecht und Wohnungsmarkt sowie zukunftsweisende und nachhaltige Formen des Wohnens. Fachpersonen aus Politik, Forschung und Praxis diskutieren dabei Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze für die Wohnraumentwicklung. Sie sind ein jährlicher Treffpunkt der Schweizer Wohnungs- und Immobilienfachwelt.

Das Bau- und Immobilienforum findet am 11. November am HSLU-Campus Zug-Rotkreuz statt. Die Schweizer Wohntage 2026 bieten insgesamt vom 31. Oktober bis zum 15. November in Luzern ein vielfältiges Programm. Die Plätze der Workshops am Bau- und Immobilienforum sind limitiert. Zur Anmeldung gelangen Sie hier.

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