5. Januar 2026
Automatisierter Content wächst explosionsartig und verschiebt die Balance zwischen echter Qualität und blosser Geschwindigkeit und Masse. Kurz scheint AI ihre Nutzenden auf ein vermeintlich höheres Niveau zu heben, doch tatsächlich verstärkt sie bestehende Unterschiede: Gute Arbeit gewinnt, belanglose entlarvt sich auf Dauer schneller. Mit Agentischer AI beginnt dann die nächste Stufe – ein Produktivitätssprung, der Chancen, Risiken und auch Kompetenzverhältnisse neu ordnet. Die entscheidende Frage lautet: Wer beherrscht und orchestriert die Technologie – und wer wird von ihr überholt?
Automatisierter Content wächst explosionsartig und verschiebt die Balance zwischen echter Qualität und blosser Geschwindigkeit und Masse. Kurz scheint AI ihre Nutzenden auf ein vermeintlich höheres Niveau zu heben, doch tatsächlich verstärkt sie bestehende Unterschiede: Gute Arbeit gewinnt, belanglose entlarvt sich auf Dauer schneller. Mit Agentischer AI beginnt dann die nächste Stufe – ein Produktivitätssprung, der Chancen, Risiken und auch Kompetenzverhältnisse neu ordnet. Die entscheidende Frage lautet: Wer beherrscht und orchestriert die Technologie – und wer wird von ihr überholt?
Ein Artikel von: Mark Gille-Sepehri und Markus Schmidiger
Der englische Begriff „Slop“ klingt harmlos, meint aber alles andere als das: Schlamm, Matsch, Schlabber. Etwas, das von minderer Qualität, lieblos zusammengeworfen oder schlicht schlecht gemacht ist. In der Medienwelt hat sich die Bedeutung entsprechend weiterentwickelt. Heute steht „Slop“ dort für nachlässige Arbeit, für Inhalte, die mehr nach Masse als Klasse aussehen.
Im digitalen Medien- und Internetkontext hat sich daraus der Begriff „Workslop“ etabliert: Inhalte, die schnell, oberflächlich und ohne echte Sorgfalt produziert werden. Meist geht es darum, Lücken zu füllen – für Klicks, Reichweite, oder einfach nur, weil der Algorithmus Futter verlangt.
Doch heute stammt dieser Workslop nicht mehr nur von überforderten Praktikanten oder lieblosen Content-Fabriken. AI ermöglicht Mitarbeitenden mit bisher eher schwachen Ergebnissen, scheinbar hochwertige Inhalte zu produzieren, die bei genauer Betrachtung aber denselben Kern wie jeder Slop besitzen: Sie sind wertlos, leer und wenig relevant.
Eine Untersuchung von [Graphite 2024] zeigt, dass der Anteil automatisch generierter Beiträge im Internet inzwischen auf dem gleichen Niveau liegt wie menschlich erstellter Content.
Das heisst: Die Hälfte dessen, was wir online lesen, wurde nicht mehr von Menschenhand geschrieben.

Dieser Effekt – dass schwächere Leistungen durch AI kurzfristig scheinbar aufgewertet werden – ist real, aber nicht nachhaltig. Der Grund ist einfach:
Alle, insbesondere die ohnehin leistungsstärkeren Mitarbeitenden, passen sich schnell an die neuen Werkzeuge an und heben ihr eigenes Produktionsniveau massiv an. Sie nutzen Chatbots nicht nur zur Beschleunigung einzelner Arbeitsschritte, sondern zur systematischen Qualitätssteigerung, indem sie bessere Fragen stellen, komplexe Konzepte veredeln, Varianten vergleichen, Entwürfe iterativ verbessern lassen, Wissen schneller abrufen und ihre eigenen Ideen durch AI spiegeln, testen und weiterentwickeln.
[Brynjolfsson et al 2018] haben solche temporären Effekte bereits früh untersucht und den Begriff einer «J-Kurve» der Produktivität geprägt.

So entsteht eine neue Gleichung: Wer zuvor Gold produzierte, produziert nun sogar mehr Gold.
Lange fokussierten Studien auf diesen Effekt und schlussfolgerten entsprechend, dass KI Einkommensunterschiede überwiegend verstärken wird. Eine neue Studie von Brynjolfsson et al. (2025) fokussiert nun auf den Aufholeffekt unerfahrener Servicemitarbeiter. Sie kommt zum Schluss, dass die relativen Produktivitätsgewinne bei unerfahrenen Mitarbeitern mit Routineaufgaben grösser sind, als der Verstärkungseffekt in der „Goldproduktion“. Diese Ergebnisse sind erste Anzeichen dafür, dass die Produktivität insgesamt mit KI stark zunehmen kann, aufgrund von „Skill-Levelling“ ohne den zunächst befürchteten Effekt der wachsenden Einkommensungleichheit. Oder mit anderen Worten: Wir haben mit hoher Wahrscheinlichkeit das Tal der J-Curve durchschritten.
AI wird damit zunehmend nicht nur zu einem Verstärkungsfaktor bisheriger individueller Leistung, sondern kann in einzelnen Aufgabengebieten mit Routineaufgaben auch zu Angleichungen führen und unerfahrene Mitarbeiter schneller auf ein höheres Niveau bringen. In welche Richtung sich die Verteilung von Arbeitsleistung bewegt, ist letztlich eine Frage der individuellen Geschäftsentwicklung: Talentierte Mitarbeitende werden durch AI grundsätzlich noch sichtbarer, da sie die Werkzeuge individuell gezielter, reflektierter und strategischer einsetzen. Sollen alle Mitarbeitende von KI profitieren, müssen hingegen auch die Routine-Prozesse neu gedacht und die Kultur neu gelebt werden. Das ist aber ein langsamer Prozess und deshalb dürfte vorerst weiterhin gelten:
«Wer viel hineingibt, bekommt multiplikativ mehr heraus.»
Während klassische Chatbots also primär einzelne Mitarbeitende unterstützen und deren Leistung verstärken, eröffnet der Einsatz systematischer agentischer KI eine völlig neue Dimension zur Produktivitätssteigerung insgesamt: KI-Agenten können autonom planen, handeln und sich untereinander koordinieren. Moderne Chatbots – auch jene, die wir heute bereits nutzen – sind in Wirklichkeit vorkonfigurierte agentische Systeme, die genau auf solchen Mechanismen basieren.
Die Fähigkeiten dieser Agenten lassen sich kompakt zusammenfassen:
Diese Fähigkeiten machen agentische KI nicht nur zu einem Werkzeug für Einzelpersonen, sondern zu einer skalierbaren Ressource, die im und spezifisch für das gesamte Unternehmen eingesetzt werden kann.
Eine solche unternehmensspezifische und -weite agentische KI wirkt auf zwei Ebenen:
Das kann – wie grundsätzlich bei der Einführung wohldefinierter, nachverfolgbarer Prozessabläufe – bedeuten:
mit inhaltlichen Auswirkungen wie
Agentische AI ist damit nicht nur ein Werkzeug, sondern vor allem ein strategisches Instrument, aber nur, wenn man die Risiken beherrscht:
Agentische Systeme können nämlich – wie moderne Chatbots allgemein
Die Mechanismen für Kontrolle und Steuerung entstehen erst jetzt – Forschung und Praxis entwickeln sich parallel. Auch wir im Projekt AI im Real Estate (AI@RE) forschen zu diesen Themen.
Bekannt Ansätze zur Eindämmung von Fehlern und Risiken sind hierbei etwa:
Ergebnisse in frühen Einsatzfeldern wie Softwareentwicklung, Legal und Compliance zeigen jedoch bereits, welches Potenzial für andere Branchen existieren kann.
Insgesamt kann man also Produktivitätsbeiträge für zwei wesentliche Werkzeuge und Methoden moderner AI,
wie folgt kategorisieren und qualitativ abschätzen:
| AI Werkzeug/Verfahren | Individueller Produktitätsgewinn | Produktivitätsgewinn Unternehmen |
| Chatbot mit darunterliegendem LLM und ggf. generischer Agententechnologie (z.B. zur Internetrecherche) | Positive bis signifikante Beiträge trotz Workslop | Nur durch die Summe der Individualbeiträge |
| Unternehmensspezifische agentische AI (mit Retrieval Augmented Generation (RAG), Orchestrierung, Dokumentenverarbeitung, Evaluation, Anbindung von Unternehmenswerkzeugen wie ERP etc.) | Beiträge zusätzlich zu den Beiträgen aus der (effektiven) Nutzung von Chatbots | Durch Strukturierung und Automatisierung von bisher manuell und individuell ausgeführten Unternehmensprozessen |
Ganz sicher.
So wie AI-Nutzung auf individueller Ebene einen Karriereschub erzeugen kann, wird die beherrschte Nutzung agentischer AI im Unternehmen selbst zu einem Kompetenz- und Führungsinstrument.
Wer einen Unternehmensbereich verantwortet und zeigt, dass er Prozesse
kann, positioniert sich automatisch stärker in der Organisation.
Agentische AI wird damit zu einem Treiber
Das Projekt AI in Real Estate (AI@RE) des Kompetenzzentrums Immobilienwirtschaft am IFZ hat ein umfangreiches Programm konzipiert, um Unternehmen bei dieser Transition und bei der AI-Wertschöpfung zu unterstützen, darunter
und natürlich der nachhaltigen Ausbildung unserer Studierenden in diesen Themen.
Weiter Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.
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