2. Februar 2026
Im Rahmen der Studienwoche des MAS Immobilienmanagement und des CAS Real Estate Investment Management (REIM) ermöglichte der direkte Vergleich ausgewählter Quartiere in Zürich und London, aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Büro-, Retail- und Wohnimmobilien gemeinsam mit Investoren und Immobilienmanagern praxisnah einzuordnen. Die beiden Städte stehen exemplarisch für unterschiedliche Marktstrukturen, Preisniveaus und regulatorische Rahmenbedingungen, zeigen jedoch zugleich vergleichbare Transformationsprozesse in Nutzung, Nachfrage und Investorenverhalten.
Ein Artikel von: Prof. Dr. John Davidson und Jonas Haab
Die Studienwoche startete in Zürich mit einem starken Fokus auf Stadtentwicklung, Büro- und Hotelimmobilien. Bereits die Besichtigung des Stadtmodells Zürich mit dem Architekten Martin Fuchs machte deutlich, wie stark planerische Entscheidungen, Dichte und Nutzungsmischung die langfristige Wettbewerbsfähigkeit eines urbanen Raums prägen.

Diese Perspektive zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Zürcher Teil der Woche. Besonders augenfällig wurde dies bei der Auseinandersetzung mit der Bahnhofstrasse und der Europaallee. Während Zürich im internationalen Vergleich weiterhin als ausgesprochen stabiler, aber preislich moderater Büromarkt gilt, zeigen sich klare Nutzungstransformationen: In der Europaallee ist eine Verschiebung hin zu mehr Tech-Mietern und weniger Finanzunternehmen zu beobachten, ein Indiz für den strukturellen Wandel im CBD Zürich.
Ein zentraler Vergleichspunkt der Woche war der Office-Markt Zürich versus London. Die präsentierten Marktdaten von JLL unterstrichen eindrücklich die enormen Mietpreisunterschiede: Während Spitzenmieten im Zürcher CBD bei rund CHF 1’000 pro Quadratmeter liegen, übersteigen sie im Londoner West End die Marke von CHF 2’000 deutlich. Gleichzeitig ist das Angebot an neuen Büroflächen in beiden Städten begrenzt, was den Druck auf die Preise weiter erhöht. Trotz dieser Unterschiede bleibt Zürich aus internationaler Sicht „cheap“, insbesondere im Verhältnis zu seiner wirtschaftlichen Stabilität und Standortqualität.
Ein weiterer Schwerpunkt in Zürich lag auf neuen Arbeits- und Nutzungskonzepten. Die Führung durch die Westhive Coworking Spaces sowie die Präsentation zum Lab-Office-Segment in Schlieren zeigten, wie stark sich klassische Büroimmobilien weiterentwickeln. Das Projekt JED in Schlieren, unter anderem mit dem Co-Working-Ansatz von Superlab Suisse in Zusammenarbeit mit Eigentümer Swiss Prime Site, verdeutlicht das wachsende Bedürfnis nach flexiblen, forschungsnahen Flächen und dass in diesem Segment weiterhin Entwicklungspotenzial besteht.
Auch die Assetklasse Hotel spielte eine wichtige Rolle. Das citizenM Hotel Zürich überzeugte mit einer ausserordentlich hohen Auslastung und gilt als eines der erfolgreichsten Häuser innerhalb der gesamten citizenM-Gruppe. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die strategische Perspektive nach der Übernahme durch Marriott International: Synergien über das Treueprogramm Marriott Bonvoy werden die Marktposition von citizenM zusätzlich stärken.

Nach dem Wechsel nach London verlagerte sich der Fokus stärker auf grossmassstäbliche Mixed-Use- und Retail-Projekte sowie auf den Wohnungsmarkt. Der Besuch des Stratford Shopping Centre und insbesondere des Westfield Stratford City widerlegte eindrücklich die These „Retail is dead“. Mit rund einer Million Besucherinnen und Besuchern pro Woche stösst das Center an seine Kapazitätsgrenzen, während Retailer teils Schlange stehen. Auffällig ist dabei, dass selbst internationale Topmarken die Marktdynamik und Nachfrage offenbar unterschätzt haben.
Im Bereich Wohnen wurde deutlich, dass politische Risiken auch in London eine immer grössere Rolle spielen. Neue regulatorische Eingriffe erhöhen die Unsicherheit für Investoren. Gleichzeitig unterscheidet sich die Tragbarkeit von Wohnraum deutlich von Zürich: Während in London ein anderes Preis- und Einkommensniveau vorherrscht, ist in Zürich trotz politischer Zielsetzungen davon auszugehen, dass Angebotsmieten weiter steigen werden, nicht zuletzt aufgrund eines strukturellen Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage.
Abgerundet wurde die Woche durch Einblicke in grossvolumige Entwicklungsprojekte wie Olympia London sowie durch Diskussionen zu Alternativen ausserhalb der urbanen Zentren.

Insgesamt vermittelte die Studienwoche ein differenziertes Bild der aktuellen Immobilienmärkte: Zürich überzeugt durch Stabilität, moderate Preise und Transformationsfähigkeit, während London durch Grösse, Dynamik und Extreme geprägt ist. Sowohl bei Mieten als auch bei politischen Risiken. Der direkte Vergleich, kombiniert mit Präsentationen, Führungen und Diskussion mit Investoren, Entwicklern, Researchern, Managern, Mietern und Firmengründer und anderen Marktteilnehmern, machte die Woche besonders wertvoll und lieferte zahlreiche Denkanstösse für Investoren, Entwickler und Immobilienprofis.
Vielen Dank an folgende Personen und Organisationen für die inspirierenden und informativen Beiträge: citizenM hotels / Marriott International, Delancey, Fuchs Architekten, Get Living, JLL Switzerland, Superlab Suisse / Swiss Prime Site, Westhive Coworking Ecosystem, Halter AG, DEUTSCHE FINANCE INTERNATIONAL LLP, Unibail-Rodamco-Westfield, Macro Real Estate AG, BGO, UBS und Personen Chris Betts, Constantinos Christodoulou, Martin Fuchs, Carlos Gallardo, David Gysin, Rafael Keller, Daniel Stocker, Patrick Senn, Samuel Walser, CFA, Oliver Gardiner, Emma Foster, Adnan Ozair, Marius Spruck, Zoltan. Szelyes, CFA, CAIA, Andreas Widmer.
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