15. Juni 2026
Während vielerorts noch über Künstliche Intelligenz diskutiert wird, entstehen in der Immobilienwirtschaft bereits die ersten skalierbaren Anwendungen mit messbarem Nutzen. Die Finalisten des AI@RE Best Use Case Award 2026 zeigen, wie AI Prozesse automatisiert, Entscheidungen verbessert und ganze Geschäftsmodelle verändert. Vor allem aber zeigen sie, wohin sich die Branche in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Ein Artikel von: Markus Schmidiger
Noch vor wenigen Jahren wurde Künstliche Intelligenz in der Immobilienwirtschaft vor allem als Zukunftsthema diskutiert. Heute hat sich die Perspektive verändert: AI wird vermehrt produktiv eingrsetzt. Prozesse werden automatisiert, Daten intelligent ausgewertet, Entscheidungen unterstützt und Kundeninteraktionen neu gestaltet. Die Technologie verlässt die Innovationsabteilungen und erreicht die Wertschöpfung.
Damit verschiebt sich auch die zentrale Frage.
Es geht nicht mehr darum, ob AI relevant wird. Darüber besteht inzwischen weitgehend Einigkeit.
Die eigentliche Frage lautet: Wo entsteht echter Mehrwert und wie verändert sich dadurch das Geschäftsmodell?
Genau dieser Frage ging der erste AI@RE Best Use Case Award 2026 nach, den die Hochschule Luzern gemeinsam mit der Immobilien Zeitung und dem ImmobilienBusiness vergeben hat. Aus zahlreichen Einreichungen wurden fünf Finalisten ausgewählt, die exemplarisch zeigen, wie unterschiedlich AI heute bereits eingesetzt wird und welche Entwicklungspfade sich für die Branche abzeichnen.
Die fünf Finalisten stehen nicht nur für fünf erfolgreiche Anwendungen. Sie stehen für fünf Entwicklungen, die in den kommenden Jahren grosse Teile der Immobilienwirtschaft prägen werden.
Die fünf Finalisten zeigen fünf Entwicklungspfade der Immobilienwirtschaft
| Unternehmen | Entwicklungsrichtung |
| Avendo | AI transformiert das Maklergeschäft |
| Bewy | Agentische AI automatisiert die Bewirtschaftung |
| Flint | Gebäudedaten werden automatisiert erfasst und strukturiert |
| Scandens | Asset Management wird datengetriebener und präziser |
| Vyzn | Projektentwicklung wird simulativ und AI-gestützt optimiert |
Gemeinsame Erkenntnis
Die spannendsten Anwendungen entstehen durch die intelligente Verbindung von Daten, Prozessen und AI.

Bewy zeigt, wie operative Prozesse in der Bewirtschaftung durch AI-Agenten, Voice Bots und intelligente Workflows neu organisiert werden können. Die Frage lautet hier nicht mehr, wie einzelne Tätigkeiten effizienter werden, sondern welche Aufgaben künftig überhaupt noch manuell ausgeführt werden müssen. Effizienzsteigerungen von über 50 Prozent in einzelnen Prozessbereichen zeigen das Potenzial dieses Ansatzes.

Flint adressiert eine Herausforderung, die viele Unternehmen kennen: fehlende oder unstrukturierte Gebäudedaten. Mittels Computer Vision und AI werden Dokumente, Pläne, Bilder und Videos automatisiert analysiert und in strukturierte Daten überführt. Was heute oft wochenlange Bestandesaufnahmen erfordert, kann künftig weitgehend automatisiert erfolgen.

Scandens demonstriert die zunehmende Bedeutung datenbasierter Entscheidungen im Asset Management. Die Plattform verbindet technische, energetische und wirtschaftliche Informationen und unterstützt Eigentümer bei der Priorisierung von Investitionen und Sanierungen. Damit wird sichtbar, wie AI die Qualität strategischer Entscheidungen verbessern kann.

Vyzn zeigt eindrücklich, wie AI und BIM zusammenwachsen. Entwicklungs- und Sanierungsprojekte können hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und technischer Machbarkeit automatisiert analysiert und optimiert werden. Varianten, deren Bewertung früher Wochen dauerte, lassen sich heute innerhalb von Minuten simulieren.
Gemeinsam zeigen diese Beispiele: AI betrifft nicht einen einzelnen Bereich der Immobilienwirtschaft. Sie verändert die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung über das Asset Management bis hin zur Bewirtschaftung.

Der diesjährige Gewinner des AI@RE Best Use Case Award heisst Avendo.
Bemerkenswert ist dabei weniger die eingesetzte Technologie als die Konsequenz, mit der das Unternehmen sein Geschäftsmodell neu gedacht hat.
Avendo denkt das Maklergeschäft neu und nutzt AI nicht punktuell, sondern entlang des gesamten Maklerprozesses: von der Akquisition über die Bewertung und Vermarktung bis hin zum Lead Management und Verkaufsabschluss. Datenquellen, Automatisierungslösungen und intelligente Agenten greifen dabei nahtlos ineinander.
Genau dieser End-to-End-Ansatz hat die Jury und offensichtlich auch das Publikum überzeugt.
Während viele Unternehmen einzelne Prozesse optimieren, gestaltet Avendo die gesamte Wertschöpfung neu. AI wird nicht als zusätzliches Werkzeug verstanden, sondern als integraler Bestandteil des Betriebsmodells.
Darin liegt eine wichtige Erkenntnis für die gesamte Branche: Die grössten Potenziale entstehen selten durch die Automatisierung einzelner Tätigkeiten. Sie entstehen dort, wo Unternehmen ihre Prozesse, Rollen und Arbeitsweisen grundlegend hinterfragen.

Die Bewertung der eingereichten Projekte hat drei zentrale Erkenntnisse hervorgebracht.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse der Jury
Die erfolgreichsten Projekte starten nicht mit AI sondernmit einem konkreten Problem.
Die grössten Effekte entstehen dort, wo ganze Wertschöpfungsprozesse neu gedacht werden.
Die spannendsten Projekte automatisieren nicht einfach bestehende Abläufe sondern verändern die Art, wie Unternehmen Wert schaffen.
Genau hier dürfte die eigentliche Transformation der Branche stattfinden.
Viele Unternehmen beschäftigen sich heute intensiv mit der Frage, welche AI-Lösungen eingeführt werden sollen. Die wichtigere Frage lautet jedoch: Welche Probleme wollen wir lösen?
Wer lediglich neue Technologien auf bestehende Strukturen aufsetzt, wird begrenzte Effekte erzielen. Wer hingegen Prozesse neu denkt und AI gezielt in seine Wertschöpfung integriert, kann erhebliche Wettbewerbsvorteile aufbauen.
Die grösste Gefahr besteht deshalb nicht darin, die falsche AI-Lösung einzuführen, sondern darin, keine Erfahrungen aufzubauen.
Denn während einige Unternehmen noch analysieren und diskutieren, sammeln andere bereits Wissen, entwickeln Kompetenzen und schaffen neue Standards.
Genau aus diesem Grund hat die Hochschule Luzern die Initiative AI@RE – AI in Real Estate ins Leben gerufen.
Viele Unternehmen wissen heute, dass sie handeln müssen. Gleichzeitig fehlt oft die Orientierung: Welche Anwendungsfälle sind relevant? Welche Technologien schaffen tatsächlich Nutzen? Welche Prioritäten sollten gesetzt werden?
AI@RE versteht sich als Plattform für Orientierung, Austausch und Umsetzung. Mit Forschung und Marktbeobachtung, dem Best Use Case Award, der jährlichen AI in Real Estate Conference und dem Transformation Circle unterstützt die Initiative Unternehmen dabei, AI erfolgreich in ihre Organisation zu integrieren.
Denn letztlich geht es nicht um Technologie sondern darum, die Immobilienwirtschaft fit für die nächste Entwicklungsstufe zu machen.
Die fünf Finalisten des AI@RE Best Use Case Award zeigen eindrücklich: AI ist in der Immobilienwirtschaft angekommen, als konkretes Werkzeug zur Veränderung von Prozessen, Entscheidungen und Geschäftsmodellen.
Die Frage lautet deshalb nicht mehr, ob sich die Branche verändern wird, sondern wie schnell. Und vor allem: Wer nutzt die Möglichkeiten, um sein Unternehmen aktiv weiterzuentwickeln – und wer wartet darauf, dass andere den Weg vorzeichnen?
Viele Unternehmen experimentieren mit AI. Nur wenige integrieren sie systematisch in ihre Wertschöpfung.
Der AI Transformation Circle bietet den strukturierten Rahmen dafür. Sie arbeiten gemeinsam mit anderen Unternehmen an:
Klare strategische Organisationsentwicklung. Und konkrete Umsetzung mit sofort nutzbaren Resultaten.
Der Circle hilft Ihnen, AI aus der Pilotphase zu führen und dauerhaft produktiv zu machen.
Unsere Webinarreihe beleuchtet regelmässig aktuelle Fragestellungen an der Schnittstelle von AI und Immobilienwirtschaft.
Nächstes Webinar:
1. Juli 2026
„Unternehmensübergreifende Prozesse“
In unseren Seminaren und Workshops vertiefen wir die Themen praxisnah und mit konkreter Transferunterstützung für Ihr Unternehmen.
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