Treffen Sie bessere Entscheidungen im Team

Treffen Sie bessere Entscheidungen im Team

Autor: Michelle Murri

Hochschule Luzern - W Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Alltäglich treffen wir Entscheidungen. Mal treffen wir diese an sonnigen Tagen, mal bei Nieselregen oder Sturm. Mal frühmorgens, mal erst gegen Mitternacht. Mal alleine, mal in der Gruppe.

Unsere Entscheidungen werden – wohl oder übel – von diesen und weiteren zufälligen und nicht vorhersehbaren Faktoren beeinflusst. Diese Verzerrungen unserer Urteile werden «Noise» genannt. In Folgendem werden wir auf Gruppenentscheidungen eingehen und wie diese künftig verbessert werden können.

1. Seien Sie auf der Hut

Der soziale Einfluss spielt bei Entscheidungen die wir als Gruppe treffen eine zentrale Rolle. Der landläufigen Meinung, dass Entscheidungen in Gruppen bessere Resultate liefern, hat die Forschung einiges entgegenzustellen. Zwar könnten Gruppen bessere Urteile fällen, viel wahrscheinlicher aber ist es, dass sie in eine von vielen Fallen tappen, welche zu einem schlechteren Entscheid führen.

2. Welche (unbewussten) Fehler machen Gruppen in ihren Entscheidungen

Ein altbekanntes Phänomen, dass durch viele Studien untermauert wird, ist, dass in Gruppen häufig ein sog. Gruppendenken stattfindet. Dies führt dazu, dass Meinungen oder Informationen (Hidden-Profile) häufig nicht geteilt/geäussert werden. Im extremen Fall tritt eine Polarisation der Einstellungen ein – d.h. die Positionen der Mitglieder werden immer extremer. In Diskussionen wird viel zu früh versucht einen Konsens zu erreichen, anstatt zunächst ein vollständiges Bild zu erhalten. Dies führt auch dazu, dass Meinungen die gleich zu Beginn einer Diskussion geäussert werden, einen grösseren Einfluss auf die Diskussion haben – ja sogar eher unterstützt werden, unabhängig von den tatsächlich vertretenen Meinungen (sog. Primacy-Effekt). So zeigen Studien, welche die Kommentare in Online-Foren untersuchten, dass ein «up-vote» gleich zu Beginn, auch über Monate hinweg beliebter bleibt als spätere Kommentare. Alles in allen führt dies zu einer (Gruppendruck-)Kaskade, was andere Meinungen zunehmend untergehen lässt. Dieser soziale Einfluss reduziert die Diversität von Meinungen in Gruppen, was wie oben genannt, zu schlechteren Entscheidungen führt.

3. Was tun?

Ein strukturiertes Vorgehen kann helfen, die oben erwähnten Fallen zu vermeiden. Bei ihren künftigen Diskussionen resp. Entscheidungen empfiehlt es sich nach dem von D. Kahneman et. al entwickelten Mediating Assessments Protocol vorzugehen:

  1. Im ersten Schritt geht es darum, entscheidungsrelevante (d.h. erfolgskritische) Faktoren zu identifizieren und zu definieren
  2. Führen Sie im zweiten Schritt eine faktenbasierte, unabhängige Bewertung der einzelnen Faktoren durch: Jedes Gruppenmitglied bewertet die einzelnen Faktoren allein (Vermeidung von Gruppendenken) und unabhängig voneinander, basierend auf den vorhandenen Fakten. Dabei geht es nicht die eigene Meinung zu verkaufen, sondern die Wahrheit abzulichten.
  3. Zum Abschluss empfiehlt sich, dass die Gruppe die Faktoren nacheinander diskutiert, bevor es zur letztendlichen Entscheidung kommt. Die «Estimate-talk-estimate» Methode hilft dabei, mögliches Gruppendenken zu vermeiden. Zunächst können die Teilnehmer anonym ihre Meinung teilen, dann ausführlich diskutieren. Dabei sollte der Diskussionsleiter/in die Gruppe ermutigen, ihre Meinung zu teilen. Zum Abschluss stimmen die Teilnehmer erneut ab. Das Ergebnis wird festgehalten.
  4. Zu guter Letzt, treffen Sie nun die Entscheidung in der Gruppe.

Weitere spannende Fakten und Tipps finden Sie im Buch “Noise: Was unsere Entscheidungen verzerrt – und wie wir sie verbessern können” von D. Kahneman, O. Sibony und C.R. Sunstein.

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