Die Ukraine – bald Teil der Europäischen Staatengemeinschaft?

Die Ukraine – bald Teil der Europäischen Staatengemeinschaft?

Kein Tag vergeht an dem wir nicht mit den tragischen Ereignissen, die sich zurzeit in der Ukraine abspielen, konfrontiert werden. Mit Michael Derrer, Dozent für Wirtschaftssoziologie am Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern, haben wir über die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine gesprochen und in die Zukunft geschaut. Michael Derrer spezialisiert sich seit dreissig Jahren auf die Länder Osteuropas und ist als Projektleiter und Unternehmensberater regelmässig in der Ukraine tätig. Seine in Kürze erscheinende Dissertation trägt den Titel «Korruption, Erpressung und Macht in Russland und in der Ukraine»

Der Management & Law Blog im Interview mit Michael Derrer

Unser Interviewpartner
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Michael Derrer
Osteuropa-Experte und Initiator der Konferenz «Social Change in Ukraine – Obstacles & Opportunities», 16./17. November 2022 an der Hochschule Luzern

Die Ukraine will sich so rasch wie möglich in die europäischen Strukturen integrieren. Die Erklärungen der ukrainischen Führung und der Politiker der EU sind sich über dieses Ziel einig. Wie realistisch erachten Sie dies?

M.D.: Ja, die Ukraine sieht sich auf ihrem Entwicklungsweg auf der Schwelle hin zu einem europäischen Modell. In der Veränderung weg von einem post-sowjetischen zu einem europäischen Staat gibt es jedoch noch viele Hürden zu überwinden. Zwischen politischen Absichtserklärungen und deren Realisierung besteht oftmals eine Kluft – nicht nur in der Ukraine. Die Funktionsweise gesellschaftlicher Institutionen – Marktwirtschaft, Verwaltung, Demokratie, Medien – entspricht noch nicht derjenigen der westlichen Vorbilder. Unsere Konferenz lässt Fachleute aus Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu Wort kommen, welche die ukrainische Realität seit vielen Jahren untersuchen. Nur wenn man die Hürden kennt und als solche benennt, kann man sie zweckmässig angehen.

Sie sind ja auch Initiator und Organisator der bald in Luzern stattfindenden Konferenz zum Thema «Social Change in Ukraine – Obstacles and Opportunities». Es scheint, Ihnen sind vertiefte Analysen wichtig, weshalb Sie auch renommierte Experten aus Osteuropa zur Konferenz eingeladen haben. Was versprechen Sie sich von dieser Konferenz?

M.D.: In der Presse wurde in den vergangenen Monaten sehr viel über die Ukraine geschrieben – zum Teil von Personen, die noch nie einen Fuss in dieses Land gesetzt haben. Tiefergehende Analysen der gesellschaftlichen Strukturen sind hingegen selten. Die Veranstaltung in Luzern soll einen qualitativ hochwertigen Beitrag liefern, um die Verhältnisse in der Ukraine besser zu verstehen.

In der Ukraine herrscht seit Monaten Krieg. Ist es der richtige Zeitpunkt, um Fragen zur Struktur der ukrainischen Gesellschaft und deren Veränderung zu stellen?

M.D.: Das Thema der Konferenz ist nicht der aktuelle Krieg, auch wenn dieser die Rahmenbedingungen stark mitprägt. Die teilnehmenden Fachleute stellen ihre gesellschaftskritischen Analysen vor und treten in Dialog miteinander, mit dem Ziel des Erkenntnisgewinns. Da spezifisches Wissen eine Voraussetzung für zweckmässiges Handeln darstellt, ist unsere Absicht eine humanistische. Die Veranstalter sind sich aber bewusst, dass die Realisierung dieser Zielsetzung angesichts der aktuellen Umstände eine Herausforderung darstellt.

Wissenschaftliche Konferenz, 16.-17. November 2022, Luzern

Gesellschaftlicher Wandel in der Ukraine – Chancen und Hürden

An der Konferenz werden die Strukturen der ukrainischen Gesellschaft, Wirtschaft und staatlichen Institutionen analysiert. Der Schwerpunkt liegt auf den Hürden, die zu überwinden sind, damit sich das Land nachhaltig in die europäische Staatengemeinschaft integrieren kann. Die Konferenz lässt renommierte Fachleute zu Wort kommen, die sich schon viele Jahre mit der Ukraine befassen.

Der Zweck der Konferenz ist wissenschaftlich. Das Thema der Konferenz ist nicht der gegenwärtige Krieg, auch wenn der Konflikt natürlich die Rahmenbedingungen für Veränderungen stark mitbestimmt.


Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten.

Konferenzsprache ist Englisch

Kosten (inkl. Verpflegung): Fr. 50/Tag, Studierende Fr. 25/Tag

Die Veranstaltung findet am 16. und 17. November 2022 im Gebäude der HSLU-Wirtschaft an der Zentralstrasse 9 in Luzern statt.

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