Effizienter üben? Mit diesen zehn Tipps gelingt es.

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Mach genügend Pausen, trink viel Wasser, übe nicht zu lange am Stück… Verdrehst du schon die Augen? Falls du dir genug Standard-Ratschläge anhören musstest, sind hier zehn Tipps für Übe-Profis, die das Beste aus ihrem Probealltag rausholen wollen.

1 Beginne mit einer Achtsamkeitsübung

Stelle dir einen Timer auf fünf Minuten. Beobachte während dieser Zeit deinen Atem: Spüre, wie sich deine Brust hebt und senkt. Nimm den Luftstrom wahr, der an deinen Nasenlöchern vorbeizieht. Behalte deinen natürlichen Atemrhythmus bei. Widme dich für fünf Minuten diesem Prozedere. Deine Aufmerksamkeit wird sich auf Gedanken, Emotionen oder Erinnerungen verschieben. Versuche, dich nicht dafür zu verurteilen, sondern richte deine Aufmerksamkeit einfach wieder zurück auf deinen Atem.

2 Übe auch mental

Du kannst Prüfungs-, Konzert- und Wettbewerbssituationen vorbereiten oder das mentale Üben einfach in deine tägliche Überoutine integrieren. Diese Art zu üben ist energieschonend und kann überall gemacht werden. Alles, was du dazu brauchst, ist deine Vorstellungskraft. Wenn du anfangs Schwierigkeiten hast, beginne mit kurzen Einheiten: Stelle dir einen Abschnitt mental vor, bevor du ihn spielst oder singst. Stelle dir vor, wie sich dein Körper beim Spielen oder Singen anfühlt. Stelle dir jedes kleinste Detail vor. Bleib dabei immer positiv – meistere schwierige Stellen in Gedanken mit Leichtigkeit. Spiele die Stelle erst, wenn du dich sicher fühlst. Sei geduldig – mit der Zeit wirst du immer längere Stellen und ganze Werke in deiner Vorstellung vorbereiten können.

Sich Ziele setzen, für Abwechslung sorgen und dabei immer kreativ und neugierig bleiben – so herrschen beste Voraussetzungen für ein effizientes Üben.

3 Setze dir Ziele

Überlege dir vor jeder Übesession, was du in dieser Zeit erreichen willst: Mach dir eine To-do-Liste. Wichtig dabei ist, dass deine Ziele genau formuliert und erreichbar sind. Präzise Aufgaben zwingen dich, eine genaue Standortbestimmung beim jeweiligen Stück zu machen. Die kleinen täglichen Erfolgserlebnisse helfen, deine Motivation aufrechtzuerhalten.

4 Bringe Struktur rein

Strukturiere dein Üben so, dass du zwar gründlich an Schwierigkeiten arbeitest, aber dabei die Motivation nicht verlierst. Beispielsweise kannst du dir vornehmen, die schwierige Stelle 20 Minuten zu üben und anschliessend zehn Minuten an deiner Lieblingsstelle zu feilen. So bleibt dir viel Frustration erspart und du übst insgesamt länger an der Schwierigkeit – nur in kleineren Mengen.

5 Setze musikalisches Zirkeltraining ein

Probiere ein musikalisches Zirkeltraining aus. Nimm dir drei Ziele für diese Übeeinheit vor. Beispielsweise. Erstens: Das Stück A ist neu – du willst nicht mehr an den Noten kleben müssen. Zweitens: Beim Stück B hat es einen technisch schwierigen Lauf, den du üben willst. Drittens: Stück C läuft technisch schon gut – du willst an der Interpretation feilen. Sobald du genau formuliert hast, woran du arbeiten willst, stellst du dir einen Timer auf zehn Minuten. Du richtest zehn Minuten deine ganze Konzentration auf deine erste Aufgabe. Nach zehn Minuten wechselst du zur zweiten, nach weiteren zehn zur dritten, anschliessend beginnst du wieder von vorne. Kleinere Einheiten helfen, konzentriert zu bleiben. Die Abwechslung unterstützt deine Ausdauer fürs Üben.

6 Setze bewusst Ablenkung ein

Bringe immer wieder aussermusikalische Aktivitäten in dein tägliches Üben. So stellst du schnell fest, welche technischen Abläufe du noch nicht verinnerlicht hast. Je nach Instrument kannst du zum Beispiel mit dem Fuss Kreise auf den Boden malen oder mit der Hand eine liegende Acht in die Luft zeichnen. Manche Musiker/innen üben sogar, während sie ganz andere Musik im Hintergrund laufen lassen. Du wirst merken, dass an manchen Stellen die zusätzliche Bewegung stockt. Hier heisst es hinschauen: Kannst du die Stelle isoliert? Wieso ist sie anstrengender als andere Stellen?

7 Schaue dir beim Üben zu

Wenn man sich nicht gewöhnt ist, sich im Spiegel oder auf Video zu sehen, mag das anfangs komisch wirken. Beobachte dich bewusst und versuche, deine persönlichen Muster zu entdecken. Ziehst du vielleicht eine Schulter immer wieder hoch? Verkrampfst du deine Kiefermuskeln? Machst du einen Buckel oder ein Hohlkreuz? Analysiere dich auf zwei Ebenen: Was stört beim Spielen? Was stört beim Zuschauen? Versuche dabei immer neutral zu bleiben. Es geht nicht darum, zu bewerten was gut und was schlecht ist.

8 Führe ein paar Wochen ein Übe-Tagebuch

Selbstreflexion ist eines der wichtigsten Werkzeuge für MusikerInnen. Um effizient zu üben, musst du herausfinden, welche Strategien für dich funktionieren. Stimme dein Tagebuch auf deine persönlichen Bedürfnisse ab. Analysiere deine Übeeinheiten: Lerne aus deinen Erfahrungen und plane zukünftiges Üben anhand deiner Erkenntnisse.

9 Mach clevere Pausen

Zehn Minuten auf sozialen Medien zu verbringen, mag verlockend sein. Du gibst deinem Gehirn so aber nicht die Auszeit, die es verdient hätte. Öffne die Fenster und verlasse den Überaum für ein paar Minuten. Mach einen kleinen Spaziergang, hol dir einen Kaffee und rede mit ein paar Mitstudierenden. Kurz: Bring dich auf andere Gedanken. Die Ablenkung hilft dir, dich später wieder mit voller Konzentration dem Üben zu widmen.

10 Sei kreativ und bleibe neugierig

Wir verbringen so viel Zeit mit Üben – da soll der Spass dabei nicht verloren gehen. Probiere verschiedene Übemethoden aus, experimentiere mit Einspielübungen, wage dich an spannende neue Literatur. Bleib offen für Neues und stell dich neuen Herausforderungen. So wird das Üben auch nie langweilig.

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  • Lara Liechti

    Lara Liechti studiert an der Hochschule Luzern – Musik klassischen Gesang. Die Mezzosopranistin ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des 2018 gegründeten Vereins «Schmelzpunkt». Der Verein hat zum Ziel, Schweizer Kulturschaffende zu vernetzen und die Produktion von jungen Kulturprojekten zu fördern. Neben dem Masterstudium in Pädagogik tritt Lara als Solistin auf, organisiert spartenübergreifende Projekte und ist Musikjournalistin.

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