Im Interview spricht Luzia Vetter über ihre neue Brückenprofessur an der Hochschule Luzern. In dieser Funktion arbeitet sie sowohl an der HSLU als auch am Luzerner Kantonsspital (LUKS) und verbindet Lehre, Forschung und klinische Praxis.
Luzia, du hast im September an der HSLU mit der Brückenprofessur angefangen. Wie ist diese Stelle aufgeteilt?
Ich arbeite zu 40 % an der HSLU und zu 40 % am LUKS in der klinischen Praxis in einer Advanced-Practice-Nurse (APN) Rolle. Dies beinhaltet klinische Tätigkeit und Praxisentwicklung, in meinem Fall in der Anästhesiepflege. Zusätzlich habe ich 10 % aus einer Kooperation zwischen der Universität Luzern und dem LUKS, für mein Doktorat in Gesundheitswissenschaften an der Universität Luzern abzuschliessen.
Was sind deine Aufgaben an der HSLU?
An der HSLU war ich am Aufbau des Masters in Pflege beteiligt, trage Co-Modulverantwortung im Studiengang und baue am Institut für Pflege die Forschung im Bereich Pflege auf.
Was bedeutet «Forschung aufbauen» konkret?
Einerseits Strukturen für Forschung im Institut für Pflege und Interprofessionalität schaffen, andererseits Projekte akquirieren. Der grosse Vorteil der Brückenprofessur ist mein direkter Zugang zum Spital. So konnte ich am LUKS bereits ein erstes Forschungsprojekt planen.
Was ist das für ein Forschungsprojekt?
Im Zentrum steht eine pflegegeleitete Beratung mit telemedizinischen Anteilen für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz, die nach einer akuten Phase im Spital mit der chronischen Herzerkrankung im Alltag leben müssen. Die Betroffenen erfassen zu Hause Gesundheitsdaten wie Gewicht oder Blutdruck. Pflegefachpersonen begleiten sie dabei, beurteilen die Daten und beraten gezielt. Untersucht wird, für wen dieses Versorgungsmodell geeignet ist, wie es genutzt wird und welche Rolle Pflegefachpersonen in diesem Versorgungsmodell übernehmen.
Welche Rolle spielt Pflegeforschung konkret?
Sie untersucht pflegerische Interventionen und Versorgungsmodelle: Was wirkt, für wen und warum? Pflege macht viel Präventionsarbeit – das ist zentral, aber oft unsichtbar. Gute Pflege fällt meist erst auf, wenn sie fehlt.
«Pflege ist mehr als Unterstützung – sie ist eine eigenständige Profession mit eigener Wissenschaft.»
Was macht die Brückenprofessur besonders?
Der Titel «Professorin» wirkt als Katalysator. Pflege leistet schon lange hochqualifizierte Arbeit, aber mit einer Professur öffnen sich neue Türen – in Forschung, Gremien und im interprofessionellen Dialog. Das stärkt die Sichtbarkeit der Pflege als eigenständige Profession mit eigener Wissenschaft.
Also weg vom Bild der ärztlichen Assistenz?
Genau. Das Schweizer Gesundheitssystem ist historisch stark ärztlich geprägt. Die Pflege macht sich aber zunehmend wieder als eigenes Berufsbild sichtbar– auch dank der Pflegewissenschaft.
Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Ärzten?
In der Anästhesiepflege sehr auf Augenhöhe. Dort ist Teamarbeit zwingend, die Tätigkeiten überschneiden sich stark. Trotzdem liegt die Endverantwortung rechtlich meist beim Arzt und das prägt Diskussionen bis heute.
Warum sollte man Pflege studieren?
Wenn man Menschen ganzheitlich begleiten will – nicht nur heilen, sondern das Leben mit Krankheit begleiten. Pflege ist personenzentriert, alltagsnah und sinnstiftend.
«Advanced Practice Nurses können angesichts einer alternden Gesellschaft und zunehmender chronischer Erkrankungen einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten.»
Was motiviert dich persönlich die Pflege mitzugestalten?
Ich bin überzeugt, dass Pflege ein erfüllender Beruf ist und einen zentralen Beitrag zur Zukunft des Gesundheitssystems leistet. Angesichts einer alternden Gesellschaft und einer Zunahme von Menschen mit chronischen Erkrankungen braucht es neue Versorgungsmodelle mit neuen Rollen – Advanced Practice Nurses können hier viel bewirken.
Was wünschst du dir für die Pflege?
Dass sie als eigenständige Profession mit eigener Wissenschaft wahrgenommen wird. Nicht als Hilfsberuf, sondern als gleichwertiger Partner. Und dass wir aufhören, Pflege nur über Belastung oder Opferrollen zu definieren.
Was machst du, wenn du nicht arbeitest?
Musik. Ich spiele Saxofon in einer Feldmusik. Das gibt mir Ausgleich und verbindet mich mit Menschen ausserhalb meines beruflichen Umfelds. Familie und Tanz gehören für mich genauso dazu.
Von: Roger Ettlin
Veröffentlicht: 24. Februar 2026
Master of Science in Pflege – Advanced Practice Nurse werden
Der Master of Science in Pflege an der Hochschule Luzern qualifiziert Pflegefachpersonen für erweiterte Rollen in der Gesundheitsversorgung. Das Studium verbindet klinische Praxis, Pflegewissenschaft und Digitalisierung und bereitet gezielt auf Tätigkeiten als Advanced Practice Nurse (APN) vor – etwa als Clinical Nurse Specialist (CNS) oder Nurse Practitioner (NP).
Advanced Practice Nurses übernehmen Verantwortung in der direkten Patient:innenversorgung, in Beratung, Forschung und Praxisentwicklung und leisten einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Gesundheitsversorgung. Nach dem Abschluss ist – unter definierten Qualitätskriterien – die Registrierung mit geschütztem Titel bei APN-CH möglich.
Weitere Informationen: hslu.ch/master-pflege
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