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Diversity unter Druck

In unserer globalisierten Welt gilt Diversity seit einiger Zeit als ein Schlüssel zum Erfolg. Doch diese Errungenschaft ist aktuell bedroht, da sich der Widerstand gegen Gleichstellungsaktivitäten immer besser organisiert und lauter wird. Wie man sich dem widersetzt und welche Chancen Vielfalt für die verschiedensten Zielgruppen bietet, will eine HSLU-Tagung am 2. Juni aufzeigen. Die Veranstaltung, die sich an Fachpersonen aus Wissenschaft und Praxis im Raum Zentralschweiz richtet, wird von den Expertinnen Sabine Witt, Stefanie Boulila und Vidya Ravi durchgeführt.

Diversity unter Druck

Diversity, Equity & Inclusion (DEI) gelten richtigerweise zunehmend als Schlüsselfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass diverse Teams langfristig erfolgreicher sind. Denn unterschiedliche Perspektiven fördern Kreativität, stärken Lösungskompetenzen und helfen, komplexe Herausforderungen besser zu bewältigen. Natürlich passiert dies nicht von allein, sondern hat viel mit der vorherrschenden Kultur zu tun. Kommunikationsspezialistin Sabine Witt weiss: «Nur wenn Menschen gehört und ernstgenommen werden, fühlen sie sich dazugehörig, sind motiviert und engagieren sich.» Sind diese Voraussetzungen einmal geschaffen, gilt es sie sorgsam zu bewahren.

Gefährdung der Gleichstellung

Aktuell ist allerdings weltweit ein ernstzunehmender Backlash zu beobachten. Überwunden geglaubte Vorurteile und Stereotypen kehren zurück, während mühsam erkämpfte Gleichstellungsrechte unter Druck geraten. Es sind Politiken zu beobachten, die sich systematisch gegen gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt richten und die Teilhabe von Menschen aufgrund bestimmter persönlicher Merkmale einschränken, teils in einem bereits demokratiegefährdenden Ausmass.

Insbesondere wendet sich die Ausgrenzung und Feindseligkeit gegen Frauen, queere Menschen und Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Gleichstellungsexpertin Stefanie Boulila, die diese Entwicklung im Rahmen einer EU-Studie erforscht hat sagt: «Wir erkennen transnationale Muster, die sich trotz lokaler Unterschiede über verschiedene Länder hinweg wiederholen; auch in der Schweiz. So werden Feminismus und Rechte für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten als Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dargestellt, anstatt als das, was sie sind: erkämpfte Menschenrechte und Teilhabe.»

Gründe und Lösungsansätze

Wie solche Entwicklungen zu erklären sind, weiss Kommunikationsexpertin Vidya Ravi: «Diskriminierungsdiskurse sind vor allem deshalb erfolgreich, weil sie Verlustängste ansprechen – insbesondere die Angst, Einfluss oder Sicherheit zu verlieren. Das macht sie oft wirkmächtiger als Botschaften, die künftige Gewinne durch Inklusion in Aussicht stellen.» Und Sabine Witt ergänzt: «Wir wissen aus der Psychologie, dass die Angst vor Verlusten viel mehr ins Gewicht fällt als die Aussicht auf Gewinn. Die Sorge, einen privilegierten Status zu verlieren – wie der Frauenhass in den sozialen Medien deutlich macht – wiegt in solchen Kreisen offenbar schwerer als die Aussicht, durch Teilhabe von Frauen auf Augenhöhe zu profitieren.»

Auch auf Organisationsebene, seien es Firmen oder Behörden, gilt es achtsam zu sein. Laut einer aktuellen Studie aus der Schweiz wünschen sich 67 Prozent, dass ihr Unternehmen mehr für DEI täte (Gender Intelligence Report 2025). Zu beachten ist zudem, dass auch Organisationen eine wichtige Rolle dabei spielen, wie sich gesamtgesellschaftliche Debatten entwickeln. Stefanie Boulila: «Wenn Organisationen unter politischem Druck DEI-Aktivitäten aufgeben, verschiebt sich das, was in der Gesellschaft denk- und sagbar ist. Es kann signalisieren, dass Gleichstellung verzichtbar ist und kann dadurch Diskriminierung salonfähig machen.»

Umgang mit Backlash

Zivilgesellschaftliche Organisationen warnen daher Politik, Wirtschaft und Medien vor den Folgen des Backlashs.  Aber wie kann  man generell  dieser Entwicklung entgegenwirken? Gemäss Kommunikationsexpertin Vidya Ravi hilft das Einbeziehen der Beteiligten. «Man sollte weniger auf moralische Konfrontation setzen und stärker auf gemeinsame Interessen. Botschaften sind wirksamer, wenn sie zeigen, dass DEI niemandem etwas wegnimmt, sondern Teamarbeit, Fairness und den Zugang zu Talenten verbessert.»

HSLU-Tagung am 2. Juni 2026

Dass Vielfalt und Gleichstellungsaktivitäten unverzichtbar sind, will daher die HSLU-Tagung am 2. Juni aufzeigen. Die Veranstaltung der Dienstleistungs-Plattform Diversity und Chancengleichheit will hervorheben, was DEI im heutigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext bedeutet. Neben einem Podiumsgespräch mit Vertreter:innen aus Praxis und Wissenschaft ist auch ein breites Workshopangebot geplant, um die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen zu ermöglichen. Vor allem konkrete Ansätze sind den Veranstalterinnen ein Anliegen: «Wir möchten aktuelle DEI-Debatten mit praktischen Perspektiven zusammenbringen. Die Teilnehmenden sollen Erkenntnisse austauschen können und konkrete Anregungen erhalten, wie sie im Alltag mit Inklusion, Vielfalt und Backlash umgehen.»

Von: Anette Eldevik
Bild: Justine Klaiber, Team Tumult
Veröffentlicht am 17. April 2026

Tagung Diversity unter Druck: Globale Dynamiken, lokale Perspektiven

  1. Juni 2026, 13:00-19:30 Uhr, Hochschule Luzern

Die transdisziplinäre Fachveranstaltung richtet sich an Forschende und Studierende der HSLU, des Campus Luzerns sowie an Fachpersonen aus der Privatwirtschaft, der öffentlichen Verwaltung und der Wissenschaft in der Zentralschweiz. Die Fachveranstaltung verbindet praxisorientierte Workshops mit einer transdisziplinären Podiumsdiskussion. Im Zentrum steht die Leitfrage, wie sich aktuelle globale Dynamiken auf die lokale Diversity-Arbeit in unterschiedlichen Bereichen der Zentralschweiz auswirken.

Interessiert? Hier mehr erfahren

Veranstaltungsleitung

Prof. Dr. Stefanie Boulila
Stefanie Boulila ist Expertin für Gleichstellung und Forschungsverantwortliche am Institut für Soziokulturelle Entwicklung an der HSLU – Soziale Arbeit.

Dr. Sabine Witt
Sabine Witt ist Dozentin für Business Communication am Institut für Kommunikation und Marketing (IKM) und Diversity-Beauftragte an der HSLU – Wirtschaft.
 
Dr. Vidya Ravi
Vidya Ravi ist Kommunikationsspezialistin und Dozentin am Institut für Kommunikation und Marketing (IKM) an der HSLU – Wirtschaft.

Dienstleistungen der HSLU im Bereich DEI

Sabine Witt, Stefanie Boulila und Vidya Ravi leiten gemeinsam die Netzwerk-Plattform Diversity und Chancengleichheit der Departemente Wirtschaft und Soziale Arbeit. Ziel der Plattform ist es, Institutionen, Unternehmen, Gemeinden und Kantone mit Forschung und Dienstleistungen dabei zu unterstützen, einen auf Chancengerechtigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten ausgerichteten Umgang mit Vielfalt zu finden. Weitere Informationen finden sich hier.

Fachstelle HSLU

Die Fachstelle Diversity der HSLU ist verantwortlich für die Auseinandersetzung mit den Fragen der Vielfalt, der Chancengleichheit und des respektvollen Umgangs untereinander. Sie setzt die Diversity-Policy um, koordiniert verschiedene Projekte und Veranstaltungen und erbringt ausgewählte Dienstleistungen.

 

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