Behinderung und Lebensqualität,
Sozialmanagement und Sozialpolitik,
In einer globalisierten Welt gilt Diversity als ein Schlüssel zum Erfolg. Doch diese Errungenschaft ist aktuell bedroht, da sich der Widerstand gegen Gleichstellungsaktivitäten immer besser organisiert. Welche Chancen Vielfalt bietet, zeigen die nachfolgenden Ausführungen.
Diversity, Equity & Inclusion (DEI) gelten richtigerweise zunehmend als Schlüsselfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit von Organisationen. Studien und Praxiserfahrungen zeigen, dass diverse Teams langfristig erfolgreicher sind. Denn unterschiedliche Perspektiven fördern Kreativität, stärken Lösungskompetenzen und helfen, komplexe Herausforderungen besser zu bewältigen. Natürlich passiert dies nicht von allein, sondern hat viel mit der vorherrschenden Kultur zu tun. Diversity-Expertin Sabine Witt weiss: «Nur wenn Menschen gehört und ernstgenommen werden, fühlen sie sich dazugehörig, sind motiviert und engagieren sich.» Sind diese Voraussetzungen einmal geschaffen, gilt es sie sorgsam zu bewahren.
Aktuell ist allerdings weltweit ein ernstzunehmender Backlash zu beobachten. Überwunden geglaubte Vorurteile und Stereotypen kehren zurück, während Gleichstellungsrechte unter Druck geraten. Es sind Politiken zu beobachten, die sich systematisch gegen gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt richten und die Teilhabe von Menschen aufgrund bestimmter persönlicher Merkmale einschränken, teils in einem bereits demokratiegefährdenden Ausmass.
Insbesondere wendet sich die Ausgrenzung und Feindseligkeit gegen Frauen, queere Menschen und Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Gleichstellungsexpertin Stefanie Boulila, die diese Entwicklung im Rahmen einer EU-Studie erforscht hat sagt: «Wir erkennen transnationale Muster, die sich trotz lokaler Unterschiede über verschiedene Länder hinweg wiederholen; auch in der Schweiz. So werden Feminismus und Rechte für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten als Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt dargestellt, anstatt als das, was sie sind: erkämpfte Menschenrechte und Teilhabe.»
Wie solche Entwicklungen zu erklären sind, weiss DEI-Fachfrau Vidya Ravi: «Diskriminierungsdiskurse sind vor allem deshalb erfolgreich, weil sie Verlustängste ansprechen – insbesondere die Angst, Einfluss oder Sicherheit zu verlieren. Das macht sie oft wirkmächtiger als Botschaften, die künftige Gewinne durch Inklusion in Aussicht stellen.» Und Sabine Witt ergänzt: «Wir wissen aus der Psychologie, dass die Angst vor Verlusten viel mehr ins Gewicht fällt als die Aussicht auf Gewinn. Die Sorge, einen privilegierten Status zu verlieren – wie der Frauenhass in den sozialen Medien deutlich macht – wiegt in solchen Kreisen offenbar schwerer als die Aussicht, durch Teilhabe von Frauen auf Augenhöhe zu profitieren.»
Auch auf Organisationsebene, seien es Firmen oder Behörden, gilt es achtsam zu sein. Laut einer aktuellen Studie aus der Schweiz wünschen sich 67 Prozent, dass ihr Unternehmen mehr für DEI täte (Gender Intelligence Report 2025). Zu beachten ist zudem, dass auch Organisationen eine wichtige Rolle dabei spielen, wie sich gesamtgesellschaftliche Debatten entwickeln. Stefanie Boulila: «Wenn Organisationen unter politischem Druck DEI-Aktivitäten aufgeben, verschiebt sich das, was in der Gesellschaft denk- und sagbar ist. Es kann signalisieren, dass Gleichstellung verzichtbar ist und kann dadurch Diskriminierung salonfähig machen.»
Zivilgesellschaftliche Organisationen warnen daher Politik, Wirtschaft und Medien vor den Folgen des Backlashs. Aber wie kann man generell dieser Entwicklung entgegenwirken? Gemäss Kommunikationsexpertin Vidya Ravi hilft das Einbeziehen der Beteiligten. «Man sollte weniger auf moralische Konfrontation setzen und stärker auf gemeinsame Interessen. Botschaften sind wirksamer, wenn sie zeigen, dass DEI niemandem etwas wegnimmt, sondern Teamarbeit, Fairness und den Zugang zu Talenten verbessert.»
Von: Anette Eldevik
Bild: Justine Klaiber, Team Tumult
Dienstleistungen der HSLU im Bereich DEI
Sabine Witt, Stefanie Boulila und Vidya Ravi leiten gemeinsam die Netzwerk-Plattform Diversity und Chancengleichheit der Departemente Wirtschaft und Soziale Arbeit. Ziel der Plattform ist es, Institutionen, Unternehmen, Gemeinden und Kantone mit Forschung und Dienstleistungen dabei zu unterstützen, einen auf Chancengerechtigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten ausgerichteten Umgang mit Vielfalt zu finden. Weitere Informationen finden sich hier.
Fachstelle HSLU
Die Fachstelle Diversity der HSLU unter der Leitung von Gesche Gerdes ist verantwortlich für die Auseinandersetzung der Hochschule mit den Fragen der Vielfalt, der Chancengleichheit und des respektvollen Umgangs untereinander. Sie setzt die Diversity-Policy um, koordiniert verschiedene Projekte und Veranstaltungen und erbringt ausgewählte Dienstleistungen.
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