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Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen

Wir treffen Elke Brusa an ihrem letzten Arbeitstag an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Nach 22 Jahren schlägt die bisherige Programmleiterin des CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen ein neues Lebenskapitel auf. Im Gespräch blickt sie auf die Entwicklung der Weiterbildung zurück – und gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin Sandra Koller auch in die Zukunft.

Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen

Frau Brusa, was hat Sie in der Zeit als CAS-Programmleiterin am meisten geprägt?

Elke Brusa: Wir sind inzwischen bei der zehnten Durchführung und das CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen ist eine echte Erfolgsgeschichte ist. Es war von Anfang an sehr stark nachgefragt, praktisch immer ausgebucht, oft mit Warteliste. Das zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben.

Persönlich bleibt diese Zeit für mich mit vielen positiven Erinnerungen verbunden – aber vor allem auch mit Dankbarkeit und Zufriedenheit. Besonders prägend war die gute Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen im CAS-Team, der Administration und mit unseren Praxispartner:innen.

Von der Idee zur Erfolgsgeschichte

Sie sagen es: Dieses CAS ist eine Erfolgsgeschichte. Wie hat diese begonnen?

Elke Brusa: Die Idee reicht weit zurück. Ich hatte schon früh in meiner Karriere bei der HSLU den Auftrag erhalten, im Bachelorstudium ein entsprechendes Modul zu entwickeln. Dabei wurde schnell klar, dass auch in der Weiterbildung ein grosses Bedürfnis besteht. Bis zur konkreten Umsetzung hat es aber gedauert.

Was gab letztlich den entscheidenden Impuls?

Elke Brusa: Der kam aus der Zusammenarbeit mit der Psychiatrie, wo ich zuvor tätig war. Dort wurde deutlich, wie relevant das Thema ist – und dass ein konkreter Weiterbildungsbedarf besteht. In diesem Zusammenspiel ist die Idee dann gereift.

Wie hat sich die Weiterbildung inhaltlich über die Jahre verändert?

Elke Brusa: Interessanterweise ist die Grundstruktur bis heute sehr ähnlich geblieben. Sowohl bei den Grundlagen zu Diagnostik, Beziehungsgestaltung und Intervention als auch bei den ausgewählten relevanten Störungsbildern  arbeiten wir nach wie vor mit zwei Grundperspektiven: der psychiatrischen und der sozialarbeiterischen «Brille». Weiterentwickelt hat sich das CAS vor allem im Detail.

Inwiefern?

Elke Brusa:  Wir haben immer wieder neue Schwerpunkte gesetzt. So haben wir etwa rechtliche Themen stärker gewichtet – auch durch den zusätzlichen juristischen Hintergrund unserer Co-Programmleiterin Anna Wildrich-Sanchez. Gleichzeitig haben wir neue Perspektiven integriert, etwa durch die Einbindung von Betroffenen und Peers. In der Grundidee hat sich der CAS aber bewährt. Das ist sicher auch ein Grund, warum er heute noch so gut funktioniert.

Sandra Koller und Elke Brusa HSLU Campus
Sandra Koller und Elke Brusa beim neuen HSLU Campus
Elke Brusa (links) und Sandra Koller (rechts)
Elke Brusa (links) und Sandra Koller (rechts)
Sandra Koller und Elke Brusa HSLU Campus
Sandra Koller und Elke Brusa beim neuen HSLU Campus
Elke Brusa (links) und Sandra Koller (rechts)
Elke Brusa (links) und Sandra Koller (rechts)

Psychische Gesundheit im Wandel – wohin geht die Reise?

Sandra Koller, Sie übernehmen nun die Programmleitung. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Sandra Koller: Ich komme aus der Praxis und habe während rund 16 Jahren mit Menschen mit psychischen Erkrankungen gearbeitet. Dabei habe ich erlebt, dass Sozialarbeitende in ganz unterschiedlichen Arbeitsfeldern mit Betroffenen in Kontakt kommen. Umso wichtiger ist es, dass Fachpersonen über das nötige Wissen und die Handlungskompetenzen verfügen. Gleichzeitig spielt die Stigmatisierung nach wie vor eine grosse Rolle. Genau hier setzt das CAS an: Es vermittelt Wissen, stärkt die Handlungskompetenz und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken.

Was lernen die Teilnehmenden im CAS konkret für ihren Berufsalltag?

Elke Brusa: Alle Dozierenden bringen einen starken Praxisbezug mit. Sandra Koller ist das beste Beispiel hierfür. Gleichzeitig arbeiten wir konsequent mit Fallbeispielen und den Praxisfragen der Teilnehmenden. Wir möchten die Teilnehmenden befähigen, das störungsspezifische Wissen in ihre angestammten Handlungskompetenzen zu integrieren und Menschen mit psychischen Erkrankungen fachlich fundierter zu begegnen.

Sandra Koller: Und es geht stark um Reflexion. In der Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen entstehen oft intensive Reaktionen – sogenannte Gegenübertragungsprozesse. Man wird zum Beispiel selbst wütend oder zieht sich zurück. Diese eigenen Reaktionen wahrzunehmen und zu verstehen, ist zentral.

Elke Brusa: Genau. Es geht darum, nicht einfach impulsiv zu reagieren, sondern zu verstehen, was hinter einem Verhalten steht – und darauf aufbauend angemessen und professionell zu handeln. Wir sprechen hier auch von «korrigierenden Beziehungserfahrungen» – also davon, dass Fachpersonen durch ihr Verhalten neue, hilfreiche Beziehungserfahrungen ermöglichen können.

Komplexität, Stigma, Teilhabe – die grossen Themen bleiben

Frau Koller, wo sehen Sie Entwicklungsmöglichkeiten für das CAS?

Sandra Koller: Die Grundidee des CAS möchte ich unbedingt beibehalten. Gleichzeitig ist es mir wichtig, neue Entwicklungen aufzunehmen. Ein Beispiel dafür sind neue Modelle wie «Open Dialogue», die das soziale Umfeld von Betroffenen stärker einbeziehen. Solche Ansätze finde ich spannend – sie werden beispielsweise in der Luzerner Psychiatrie bereits in der Praxis angewendet. Gleichzeitig beschäftigen uns Themen wie KI und soziale Medien zunehmend.

Mit Blick nach vorne: Welche Themen werden noch wichtiger?

Elke Brusa: Grosse Themen sind sicher die Neurodivergenz sowie die weiterhin steigendeKomplexität der Fälle. Oft kommen mehrere Problemlagen zusammen – psychische Erkrankung, Sucht, soziale Schwierigkeiten. Das stellt hohe Anforderungen an die Fachpersonen und macht die interprofessionelle Zusammenarbeit umso wichtiger.

Sandra Koller: Gleichzeitig sehen wir auch neue Herausforderungen, etwa bei jungen Menschen oder im Umgang mit digitalen Angeboten. Auch das Thema Resilienz wird uns weiterhin beschäftigen.

Elke Brusa: Und nicht zuletzt geht es um gesellschaftliche Teilhabe. Bei der Barrierefreiheit für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind wir noch längst nicht dort, wo wir sein sollten.

FAQ: Fragen zum CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen

Was ist das Ziel des CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen?

Das CAS vermittelt Fachpersonen das nötige Wissen und die Handlungskompetenzen, um Menschen mit psychischen Erkrankungen professionell und fundiert zu begegnen. Es verbindet psychiatrisches und sozialarbeiterisches Wissen und stärkt gleichzeitig die Reflexionsfähigkeit im Berufsalltag.


Für wen ist das CAS geeignet?

Das CAS richtet sich an Sozialarbeitende und andere Fachpersonen, die in unterschiedlichen Arbeitsfeldern mit psychisch erkrankten Menschen in Kontakt kommen – ob in der Sozialhilfe, der Beratung, dem Gesundheitswesen oder anderen sozialen Einrichtungen.


Was lernen Teilnehmende konkret?

Neben störungsspezifischem Wissen zu relevanten psychischen Erkrankungen steht vor allem die praktische Anwendung im Fokus. Teilnehmende lernen, eigene Reaktionen im Umgang mit Betroffenen wahrzunehmen und zu reflektieren – sogenannte Gegenübertragungsprozesse – und darauf aufbauend professionell zu handeln.


Welche Themen werden im CAS künftig stärker gewichtet?

Zunehmend relevant werden Themen wie Neurodivergenz, die steigende Fallkomplexität sowie der Umgang mit digitalen Angeboten und sozialen Medien. Auch neue Behandlungsmodelle wie «Open Dialogue» und die Frage gesellschaftlicher Teilhabe für Menschen mit psychischen Erkrankungen gewinnen an Bedeutung.

Von Ismail Osman
Bilder: Daniel Schriber
Veröffentlicht: 12. Mai 2026

CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen

Das CAS-Programm Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen verbindet Wissen aus der Psychiatrie mit den Methoden der Sozialen Arbeit. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem professionellen Umgang mit typischen Herausforderungen wie fehlender Krankheitseinsicht, Selbstgefährdung und der interdisziplinären Kooperation.

Mehr Informationen: Webseite zum CAS

Elke Brusa Profilbild

Elke Brusa

Elke Brusa war während 22 Jahren als Dozentin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit tätig und leitete in der Co-Programmleitung den CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen seit dessen Aufbau. Zuvor arbeitete sie mehrere Jahre in der Luzerner Psychiatrie. Während ihrer Zeit an der HSLU führte sie zudem eine eigene Praxis für Coaching, Beratung und Supervision. Mit ihrer Pensionierung übergibt sie die Co-Programmleitung an Sandra Koller.
Sandra Koller Profilbild

Sandra Koller

Sandra Koller ist seit 2026 Dozentin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit und zusammen Anna Wildrich-Sanchez neue Co-Programmleiterin des CAS Soziale Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen. Zuvor war sie im Abklärungsdienst der KESB sowie über zehn Jahre in der Luzerner Psychiatrie tätig.

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