Sozialmanagement und Sozialpolitik,
Am diesjährigen Internationalen Tag der Sozialen Arbeit lud das Ressort Internationales der HSLU zu einem Abend ein. Unter dem Motto «Blick über den Tellerrand» wurde gemeinsam reflektiert: Was bedeutet Soziale Arbeit im globalen Kontext – und was hat das mit uns hier in der Schweiz zu tun?
Den Hauptinput des Abends gestaltete Priska Fleischlin, Sozialarbeiterin, Kantonsrätin und Geschäftsführerin der WoBe AG. Als UN-Kommissarin der International Federation of Social Work (IFSW) vertritt sie zusammen mit 25 Sozialarbeitenden aus 13 Nationen die Profession gegenüber den Vereinten Nationen – in Genf, New York, Bangkok, Nairobi und Santiago de Chile.
Fleischlin schilderte eindrücklich, wie unterschiedlich und doch wie ähnlich Soziale Arbeit rund um den Globus funktioniert. In Teheran etwa fahren Sozialarbeitende mit einem mobilen Fahrzeug in gefährliche Quartiere, weil ein stationäres Büro nicht sicher ist. Aus dem Wunsch der Bevölkerung heraus entstand schliesslich ein gemeinsam eröffnetes Quartierszentrum. In Afghanistan sucht der IFSW den Dialog mit den Taliban – nicht um deren Politik zu legitimieren, sondern weil der internationale Berufsverband seinem Vertreter vor Ort mehr Gewicht verleiht und konkrete Verbesserungen, etwa für Frauen, ermöglicht.
Diese Beispiele zeigen: Politisch arbeiten ist vor allem Beziehungsarbeit. Und der Dialog bleibt offen – auch dort, wo er schwierig ist.
Was Fleischlin besonders am Herzen liegt: Weltweit gibt es eine gemeinsame Definition Sozialer Arbeit, inklusive Berufskodex und der Anerkennung indigener Wissensformen.
«Social work is a practice-based profession and an academic discipline that promotes social change and development, social cohesion, and the empowerment and liberation of people. Principles of social justice, human rights, collective responsibility and respect for diversities are central to social work. Underpinned by theories of social work, social sciences, humanities and indigenous knowledges, social work engages people and structures to address life challenges and enhance wellbeing. The above definition may be amplified at national and/or regional levels.»
«Das ist fantastisch», sagte sie. «Fast keine andere Berufsbranche hat das.» Die IFSW vereint 154 nationale Berufsverbände und damit über fünf Millionen Sozialarbeitende. Soziale Arbeit ist eine Menschenrechtsprofession, und genau deshalb arbeitet das IFSW eng mit dem Hochkommissariat für Menschenrechte zusammen.
Fleischlin stellte eine unbequeme, aber wichtige Frage: Haben wir in der Schweiz den Kontext manchmal aus den Augen verloren? Stark auf Case Management und professionelle Dienstleistungen ausgerichtet? Unterschätzen wir die Bedeutung sozialer Kohäsion – das heisst, die Kraft des gegenseitigen Stützens im Alltag?
Internationale Beispiele könnten hier inspirieren: In Costa Rica etwa zeigte ein Projekt, dass der Schlüssel zur Armutsbekämpfung nicht einfach Jobschaffung ist, sondern zunächst das Zuhören. Was brauchen die Menschen wirklich? Sicherheit. Erst danach können Kinder zur Schule gehen, erst danach entfaltet jeder investierte Dollar dreifachen gesellschaftlichen Mehrwert.
Auch der westliche Blick auf Migration verdient eine Korrektur: Die meisten Migrationsbewegungen weltweit finden nicht Richtung Europa statt, sondern im Globalen Süden – ein Umstand, der in hiesigen Debatten kaum Beachtung findet.
Direktorin Dorothee Guggisberg erinnerte in ihrem Input daran, dass Soziale Arbeit am Ende immer lokal und konkret ist – ob auf einem Campingplatz in der Schweiz oder in einem Quartier in Afghanistan. Doch um sie lebendig zu halten, braucht es Inspiration von aussen. Für die HSLU bedeutet das: Austauschsemester und Auslandpraktikum-Möglichkeiten stärken, Kooperationen mit Hochschulen im Globalen Süden vertiefen und die oft künstliche Trennung zwischen Sozialer Arbeit und Entwicklungszusammenarbeit hinterfragen. Beide Felder könnten weit mehr voneinander lernen.
Der Abend endete mit einem Apéro und mit Gesprächen, die zeigten: Das Interesse an internationaler Vernetzung ist da. Was es braucht, sind Räume, in denen diese Neugier gepflegt und in konkrete Projekte übersetzt werden kann. Der Internationale Tag der Sozialen Arbeit ist ein solcher Raum und er erinnert uns jedes Jahr neu daran, dass die Herausforderungen unserer Profession global sind, auch wenn wir sie lokal angehen.
Von Roger Ettlin
Bilder: Adobe Stock & Roger Ettlin
Veröffentlicht: 28. April 2026
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