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Weiterbildung

Zwischen Hürden und Chancen: Wie geflüchtete Jugendliche ihren Weg in die Berufsbildung finden

Wie gelingt der Einstieg in die Berufsbildung für junge Menschen mit Fluchterfahrung – und woran scheitert er? Katja Blust, Fachspezialistin Integration bei der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen des Kantons Luzern, hat sich im CAS «Zukunftsorientierte Arbeitsintegration und Inklusion» intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt.

Zwischen Hürden und Chancen: Wie geflüchtete Jugendliche ihren Weg in die Berufsbildung finden

1. Katja Blust, wie unterstützen Sie junge Menschen mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg in die Berufsbildung?

Wir begleiten geflüchtete Menschen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt – vor allem koordinierend und steuernd. Sobald sie ein gewisses Deutschniveau erreicht haben, wechseln sie ins Fachressort Integration. Dort erarbeiten wir gemeinsam einen Integrationsplan und klären das fachliche und persönliche Potenzial. Wir koordinieren diesen Prozess und arbeiten eng mit dem Sozialdienst der DAF und verschiedenen Partnerorganisationen zusammen. Gerade bei jüngeren Personen ist das Ziel oft eine Lehre. Doch wenn das nicht möglich ist, gibt es auch andere Wege. Wichtig ist, dass am Ende eine nachhaltige Perspektive entsteht.

Profilbild Katja Blust

Katja Blust

Katja Blust ist Fachspezialistin Integration bei der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen des Kantons Luzern. In dieser Funktion koordiniert und steuert sie die berufliche Integration von Menschen mit Fluchterfahrung. Sie ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für Englisch und Spanisch und war während neun Jahren bei der Gewerkschaft Syna als Gewerkschaftssekretärin tätig.

2. Im CAS haben Sie sich spezifisch mit Ausbildungsabbrüchen unter afghanischen Jugendlichen beschäftigt. Warum haben Sie dieses Thema gewählt?

Das Thema hat sich direkt aus meiner Praxis ergeben. Wir sehen bei afghanischen Jugendlichen vergleichsweise viele Ausbildungsabbrüche. Mich hat interessiert, woran das liegt. Ein häufiger Grund sind finanzielle Verpflichtungen gegenüber der Familie. Oft haben Familien im Herkunftsland hohe Schulden aufgenommen, um die Flucht zu finanzieren. Mit der Volljährigkeit steigt der Druck auf die Jugendlichen, Geld zu verdienen und diese Schulden zurückzuzahlen. In solchen Situationen wird eine Ausbildung schnell als zu lang oder nicht zielführend wahrgenommen. Das führt dazu, dass Jugendliche den Bildungsweg abbrechen, obwohl sie eigentlich motiviert wären.

3. Was hilft aus Ihrer Sicht, damit junge Geflüchtete in der Ausbildung dranbleiben?

Das Umfeld ist entscheidend. Wenn die Familie hinter dem Bildungsweg steht, gibt das enormen Halt. Umgekehrt wird es schwierig, wenn das Verständnis fehlt – etwa weil unser Bildungssystem mit einer mehrjährigen Lehre vielen Familien nicht bekannt ist. Dann ist es schwer nachzuvollziehen, warum jemand mehrere Jahre «noch nicht richtig verdient».

Was ebenfalls hilft, sind Strukturen und Ausgleich im Alltag. Sport spielt dabei eine überraschend grosse Rolle – sei es im Fitness oder beim Cricket, das viele aus ihrer Heimat kennen. Das schafft Gemeinschaft und gibt Stabilität. Was mich in den Interviews besonders überrascht hat: Die Jugendlichen sind grundsätzlich sehr motiviert und stehen der Schule positiv gegenüber. Viele erleben die Angebote als Chance – und auch die Lehrpersonen als wichtige Bezugspersonen, die sie unterstützen und Orientierung geben.

4. Inwiefern hat der CAS Ihre Perspektive auf diese Jugendlichen und Ihre Arbeit verändert?

Ich habe mich im Rahmen des CAS intensiv mit Afghanistan auseinandergesetzt – mit der Kultur, der Geschichte, der politischen Situation und den Lebensrealitäten vor Ort. Das hat meine Sensibilität im Umgang mit den Jugendlichen deutlich erhöht.

Darüber hinaus hat mir der CAS generell neue Perspektiven eröffnet. Der Austausch mit Fachpersonen aus unterschiedlichen Bereichen hat meinen Blick erweitert, und ich habe neue Ansätze kennengelernt – etwa in der Gesprächsführung oder im Umgang mit komplexen Fragestellungen.

5. Was nehmen Sie aus dem CAS für Ihren Berufsalltag mit und wem würden Sie diese Weiterbildung empfehlen?

Ich nehme vor allem mit, dass ich meinen eigenen Blick immer wieder hinterfrage und erweitere. Der Austausch mit anderen Fachpersonen und die unterschiedlichen Perspektiven haben mir gezeigt, wie vielfältig das Feld Integration ist und dass es oft mehr als einen Lösungsansatz gibt.

Ich würde den CAS allen empfehlen, die im Bereich Arbeitsintegration, Inklusion oder angrenzenden Feldern tätig sind. Gerade im Berufsalltag entwickelt man schnell einen gewissen Tunnelblick. Der CAS hilft, diesen zu öffnen und neue Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen.

Von Ismail Osman
Bild: Adobe Stock
Veröffentlicht: 9. Juni 2026

CAS Zukunftsorientierte Arbeitsintegration und Inklusion

Das CAS vermittelt Fachpersonen einen Überblick über Akteure, Netzwerke, Konzepte sowie rechtliche und sozialstaatliche Rahmenbedingungen in der Arbeitsintegration. Das Programm kombiniert Grundlagenblöcke, individuelle Vertiefungen, Praxiseinblicke sowie eine Studienreise und richtet sich an Fachpersonen, die im Bereich Arbeitsintegration, Inklusion oder in angrenzenden Systemen tätig sind.

Infoveranstaltung: 17. Juni 2026 (Hier anmelden)

CAS-Start: 19. September 2026

Mehr Infos zum CAS: hslu.ch/cas-arbeitsintegration

Kommentare

1 Kommentare

Margit Bartl-Frank

Grüezi, ich bin freischaffende Künstlerin (MA-HSLU) und habe vor ein paar Jahren ein Foto-Kunstprojekt mit Asylbewerber:innen hier in der Ostschweiz gemacht. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, wenn die Asylbewerber:innen "einen Patin, einen Paten" zugeteilt bekämen, der sich mit ihnen auf den Weg in die Selbständigkeit macht. Bei der Bearbeitung des Kunstprojektes fiel mir die junge Afghanin auf und ich begann sie zu unterstützen, wenn sie Fragen hatte, sowohl beruflich als auch privat. Hilfreich war, dass sie unbedinge "wolllte", sie hatte ein Ziel und lernte die Sprache schnell und fleissig. Obwohl man ihr im Asylzentrum immer wieder sagte, sie schaffe die EFZ Lehre nicht, sie solle eine EBA Lehre machen, schaffte sie es doch und schloss letztes Jahr mit EFZ als Köchin ab. Die Lehrbetriebe musste sie 3 x wechseln, zum einen wegen Umzug, zum anderen weil der Betrieb eine Umstrukturierung vornahm. Dies gelang auch dank den Lehrpersonen in der Berufschule die bemerkten, dass die Frau fleissig war und weiterkommen wollte. Als "Anker" konnte sie mich immer anrufen und treffen. Den Fahrausweis hat sie mit dem kleinen Lohn als Lernende bezahlt, auch hierzu "warnte" man sie seitens des Asylheimes, sie werde es nicht schaffen. Mir scheint, es ist sehr wichtig, positiv auf die Geflüchteten zu wirken! Heute arbeitet sie ausserdem als Übersetzerin für Neuankömmlinge aus Afghanistan, sie spricht auch Farsi. Ihre aktuelle Stelle als gelernte Köchin möchte sie mit einer weitere Ausbildung als Diätköchin im Kantonsspital St. Gallen ergänzen. Ich denke, mit Unterstützung von Einheimischen, mit einer Bezugsperson, wird den Menschen sehr viel geholfen. Diese hier kurz aufgezeigte erfolgreiche Integration solle kein Einzelfall bleiben! Falls Sie mehr darüber erfahren wollen, können Sie sich gerne mir mir in Verbindung setzen! Freundliche Grüsse Margit Bartl-Frank

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