Sozialmanagement und Sozialpolitik,
Im CAS «Strategien und Ressourcen managen im Sozial- und Gesundheitsbereich» erwerben Führungskräfte betriebswirtschaftliches Know-how. Im Interview erklärt die diplomierte Wirtschaftsprüferin Nicole Rüttimann, warum Finanzverständnis für gute Führung unverzichtbar ist.
Ich komme aus dem Bereich Finanzen und war im Studium eher «die Exotin» unter den Teilnehmenden aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich. Mein Blick auf Finanzen und Controlling hat sich durch den Rollenwechsel nicht grundlegend verändert. Bestätigt hat sich für mich aber etwas anderes: Finanzthemen gelten oft als trocken oder abschreckend. In der Praxis zeigt sich jedoch: Die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen, ist gross. Die meisten erkennen deren Relevanz und gehen konstruktiv damit um.
Weil sie letztlich die Zahlen machen. Die Finanzabteilung stellt Zahlen zusammen, bereitet sie auf und macht sie verständlich – aber die Inhalte entstehen im Alltag: durch Entscheidungen, durch Führung und durch konkrete Umsetzung. Führungspersonen steuern die Organisation. Was sie entscheiden und wie sie handeln, spiegelt sich am Ende direkt in den Zahlen. Deshalb ist es entscheidend, dass sie diese verstehen und einordnen können.
Ein zentraler Grundsatz ist für mich: Gute Führung ist begründete Führung. Es geht nicht darum, Entscheidungen zu rechtfertigen, sondern Zusammenhänge aufzuzeigen und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Gerade im Sozial- und Gesundheitsbereich bewegen wir uns in komplexen Rahmenbedingungen – zwischen Leistungserbringung, gesetzlichen Vorgaben und Finanzierung. Dazu kommen oft Zielkonflikte: betriebswirtschaftliche Anforderungen auf der einen Seite, fachliche oder soziale Ziele auf der anderen. Diese lassen sich nicht auflösen. Entscheidend ist, sie zu benennen und bewusst damit umzugehen. In diesem Sinn ist Geld ein Mittel zum Zweck – entscheidend ist, dass man versteht, wie alles zusammenspielt.
Sie spielen eine zentrale Rolle. Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich wollen ihre Leistungen langfristig erbringen können. Dafür braucht es finanzielle Stabilität. Strategien müssen deshalb nicht nur fachlich, sondern auch finanziell tragfähig sein.
Gleichzeitig gilt: Finanzielle Stabilität schränkt nicht ein – sie schafft Spielraum. Wer seine Finanzen im Griff hat, kann Innovation zulassen, Neues ausprobieren und sich weiterentwickeln, ohne dass jede Entscheidung betriebswirtschaftlich betrachtet sofort aufgehen muss.
Eine wichtige Erkenntnis ist: Man steht mit seinen Herausforderungen nicht allein da. Vieles, was Führungspersonen im Alltag beschäftigt – gerade im Umgang mit Administration und Zahlen – ist im Kern überall ähnlich. Besonders wertvoll ist deshalb der Austausch mit anderen Teilnehmer:innen. Man bringt eigene Themen ein, sieht, wie andere damit umgehen, und merkt: Die Fragestellungen sind oft ähnlich – die Lösungen aber sehr unterschiedlich. Das erweitert den eigenen Blick enorm.
Der CAS bietet aber auch Raum für Reflexion und hilft, das eigene Führungsverständnis zu schärfen. Dabei wird deutlich, dass der grösste Hebel oft bei einem selbst liegt – nämlich darin, wie man mit den bestehenden Rahmenbedingungen umgeht.
Von Ismail Osman
Bild: Nicole Rüttimann
Veröffentlicht: 29. Juni 2026
CAS Strategien und Ressourcen managen im Sozial- und Gesundheitsbereich
Das CAS-Programm richtet sich an Führungskräfte im Sozial- und Gesundheitswesen und vermittelt die Grundlagen für eine effiziente Leitung von Organisationen. Die Teilnehmenden erhalten eine praxisnahe Einführung in die Methoden des Finanz- und Personalwesens sowie des strategischen Managements.
Während des gesamten CAS reflektieren sie ihre berufliche Praxis und arbeiten an eigenen Projekten und Fragestellungen. Die intensive Auseinandersetzung mit Managementprozessen befähigt sie, weitere Führungsaufgaben zu übernehmen.
Anmeldeschluss: 2. August 2026
Mehr Informationen: Webseite zum CAS
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