Sozialmanagement und Sozialpolitik,

Weiterbildung

Führung im Sozialbereich: Zahlen sind keine Nebensache

Im CAS «Strategien und Ressourcen managen im Sozial- und Gesundheitsbereich» erwerben Führungskräfte betriebswirtschaftliches Know-how. Im Interview erklärt die diplomierte Wirtschaftsprüferin Nicole Rüttimann, warum Finanzverständnis für gute Führung unverzichtbar ist.

Führung im Sozialbereich: Zahlen sind keine Nebensache

1. Nicole Rüttimann, Sie haben den MAS Management im Sozial- und Gesundheitsbereich absolviert und unterrichten heute im CAS Strategien und Ressourcen managen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Hat sich Ihr Blick auf Finanzen und Controlling dadurch eher verändert oder bestätigt?

Ich komme aus dem Bereich Finanzen und war im Studium eher «die Exotin» unter den Teilnehmenden aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich. Mein Blick auf Finanzen und Controlling hat sich durch den Rollenwechsel nicht grundlegend verändert. Bestätigt hat sich für mich aber etwas anderes: Finanzthemen gelten oft als trocken oder abschreckend. In der Praxis zeigt sich jedoch: Die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen, ist gross. Die meisten erkennen deren Relevanz und gehen konstruktiv damit um.

Nicole Rüttimann

Nicole Rüttimann ist Leiterin Finanzen und Administration bei der Stiftung zur Palme in Pfäffikon (ZH). Die Stiftung begleitet Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und bietet ihnen Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsplätze. Rüttimann ist diplomierte Betriebsökonomin FH und eidgenössisch diplomierte Wirtschaftsprüferin. Sie hat den MAS Management im Sozial- und Gesundheitsbereich absolviert und unterrichtet heute im CAS «Strategien und Ressourcen managen im Sozial- und Gesundheitsbereich» zum Thema Controlling.

2. Und das, obwohl viele Führungspersonen im Sozial- und Gesundheitsbereich nicht aus der Finanz-Welt kommen. Warum ist es dennoch entscheidend, dass sie Zahlen lesen und einordnen können?

Weil sie letztlich die Zahlen machen. Die Finanzabteilung stellt Zahlen zusammen, bereitet sie auf und macht sie verständlich – aber die Inhalte entstehen im Alltag: durch Entscheidungen, durch Führung und durch konkrete Umsetzung. Führungspersonen steuern die Organisation. Was sie entscheiden und wie sie handeln, spiegelt sich am Ende direkt in den Zahlen. Deshalb ist es entscheidend, dass sie diese verstehen und einordnen können.

3. In welchen Situationen zeigt sich im Führungsalltag besonders deutlich, wie wichtig ein gutes Finanzverständnis ist?

Ein zentraler Grundsatz ist für mich: Gute Führung ist begründete Führung. Es geht nicht darum, Entscheidungen zu rechtfertigen, sondern Zusammenhänge aufzuzeigen und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Gerade im Sozial- und Gesundheitsbereich bewegen wir uns in komplexen Rahmenbedingungen – zwischen Leistungserbringung, gesetzlichen Vorgaben und Finanzierung. Dazu kommen oft Zielkonflikte: betriebswirtschaftliche Anforderungen auf der einen Seite, fachliche oder soziale Ziele auf der anderen. Diese lassen sich nicht auflösen. Entscheidend ist, sie zu benennen und bewusst damit umzugehen. In diesem Sinn ist Geld ein Mittel zum Zweck – entscheidend ist, dass man versteht, wie alles zusammenspielt.

4. Welche Rolle spielen finanzielle Überlegungen bei der Gestaltung der Zukunft einer Organisation?

Sie spielen eine zentrale Rolle. Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich wollen ihre Leistungen langfristig erbringen können. Dafür braucht es finanzielle Stabilität. Strategien müssen deshalb nicht nur fachlich, sondern auch finanziell tragfähig sein.

Gleichzeitig gilt: Finanzielle Stabilität schränkt nicht ein – sie schafft Spielraum. Wer seine Finanzen im Griff hat, kann Innovation zulassen, Neues ausprobieren und sich weiterentwickeln, ohne dass jede Entscheidung betriebswirtschaftlich betrachtet sofort aufgehen muss.

5. Was nehmen Führungspersonen aus dem CAS für ihren Berufsalltag mit?

Eine wichtige Erkenntnis ist: Man steht mit seinen Herausforderungen nicht allein da. Vieles, was Führungspersonen im Alltag beschäftigt – gerade im Umgang mit Administration und Zahlen – ist im Kern überall ähnlich. Besonders wertvoll ist deshalb der Austausch mit anderen Teilnehmer:innen. Man bringt eigene Themen ein, sieht, wie andere damit umgehen, und merkt: Die Fragestellungen sind oft ähnlich – die Lösungen aber sehr unterschiedlich. Das erweitert den eigenen Blick enorm.

Der CAS bietet aber auch Raum für Reflexion und hilft, das eigene Führungsverständnis zu schärfen. Dabei wird deutlich, dass der grösste Hebel oft bei einem selbst liegt – nämlich darin, wie man mit den bestehenden Rahmenbedingungen umgeht.

Von Ismail Osman
Bild: Nicole Rüttimann
Veröffentlicht: 29. Juni 2026

CAS Strategien und Ressourcen managen im Sozial- und Gesundheitsbereich

Das CAS-Programm richtet sich an Führungskräfte im Sozial- und Gesundheitswesen und vermittelt die Grundlagen für eine effiziente Leitung von Organisationen. Die Teilnehmenden erhalten eine praxisnahe Einführung in die Methoden des Finanz- und Personalwesens sowie des strategischen Managements.

Während des gesamten CAS reflektieren sie ihre berufliche Praxis und arbeiten an eigenen Projekten und Fragestellungen. Die intensive Auseinandersetzung mit Managementprozessen befähigt sie, weitere Führungsaufgaben zu übernehmen.

Anmeldeschluss: 2. August 2026

Mehr Informationen: Webseite zum CAS

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