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Digital Health: kompetent handeln in einer zunehmend digital vernetzten Pflege

Digital Health ist ein wichtiges Zukunftsthema im Gesundheitswesen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Telemedizin oder Wearables wird die medizinische Versorgung transformiert. Für Pflegefachpersonen bedeutet Digital Health einen fundamentalen Wandel ihres Arbeitsalltags, der nach zusätzlichen Kompetenzen verlangt. Das Modul Digital Health im Rahmen des Bachelors in Pflege an der Hochschule Luzern macht die Studierenden fit für diese Anforderungen.

Digital Health: kompetent handeln in einer zunehmend digital vernetzten Pflege
Stephan Vorburger und Daniel Stauffer im Unterricht vom Digital Health Modul

Auf dem Dashboard von Spitex-Pflegefachfrau Sabine Müller leuchten die Vitalparameter von Herrn Meier grün. Der 74-Jährige leidet unter einer schweren Herzinsuffizienz. Trotzdem lebt er selbstständig in einem abgelegenen Dorf im Luzerner Hinterland. Dies ist möglich dank dem Telemonitoring, der medizinischen Überwachung aus der Ferne.

Morgens tritt Herr Meier auf seine smarte Waage und legt die Manschette des Bluetooth-Blutdruckmessers an – die Daten fliessen direkt auf Sabine Müllers Bildschirm. Das Dashboard ist für die Pflegefachfrau wie ein Navi, auf dem sie auf einen Blick den aktuellen Vitalzeichen-Zustand sieht und wo möglicherweise Zustandsveränderungen vorliegen. Für Herrn Meier bedeutet das Telemonitoring mehr Lebensqualität, da er nicht für jede Routinekontrolle einen weiten Anfahrtsweg auf sich nehmen muss. Die digitale Überwachung gibt ihm die nötige Sicherheit, während er in seinen eigenen vier Wänden möglichst selbstständig leben kann.

Digital Health: von der App bis zur Tumorerkennung durch KI

Telemonitoring und Telepflege sind nur ein kleiner Bereich des grossen Zukunftsthemas Digital Health. Dazu gehören sowohl Smartwatches, die den Puls oder Schlaf aufzeichnen, wie auch Blutzuckermessgeräte, die Menschen mit Diabetes Mellitus kontinuierlich als Wearables bei sich tragen, oder Apps mit ärztlich verordneten digitalen Verhaltenstherapien, etwa für Tinnitus oder Adipositas. Aber auch das elektronische Patientendossier – eine digitale Akte, in der von Impfausweis bis Röntgenbild alles zentral abgespeichert ist, was den Datenaustausch zwischen verschiedenen Leistungsträgern und den administrativen Aufwand reduziert – gehört in den Bereich Digital Health. Längst keine Utopie mehr ist auch Künstliche Intelligenz in der Diagnostik, die etwa MRI-Bilder auf Tumore analysiert.

Fit für die digitale Transformation

«Digital Health zählt zu den zentralen Zukunftsthemen der Pflege. Deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Studierenden – die Pflegefachpersonen von morgen – gezielt auf diese Entwicklungen vorzubereiten und ihnen dafür die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln», sagt Sever Draganescu, Studiengangleiter und Dozent im Bachelor in Pflege für dipl. Pflegefachpersonen.

Sever Draganescu ist Studiengangleiter und Dozent im Bachelor in Pflege der Hochschule Luzern
Sever Draganescu ist Studiengangleiter und Dozent im Bachelor in Pflege der Hochschule Luzern

Das neu entwickelte Modul Digital Health wird im letzten Semester des verkürzten Bachelor-Studiums für diplomierte Pflegefachpersonen unterrichtet und führt in die zentralen Themen der Digitalisierung im Gesundheitswesen ein. Die Studierenden befassen sich mit aktuellen Technologien wie beispielsweise Robotik in der Pflege und der digitalen Transformation von Strukturen und Prozessen wie etwa dem Einsatz von KI in der Pflege. Der Leistungsnachweis im Modul ist als Gruppenarbeit konzipiert und ermöglicht es den Studierenden, digitale Transformationsprozesse im Gesundheitswesen anwendungsbezogen zu analysieren und kritisch zu reflektieren. «Dabei stärken die Studierenden zentrale fachliche sowie auch überfachliche Kompetenzen, insbesondere in den Bereichen Kollaboration, Konfliktlösung, kritisches Denken und Kreativität», erklärt Sever Draganescu.

Gesundheit als transversale Kompetenz

Gleich zwei Departemente der Hochschule Luzern – nämlich Informatik und Soziale Arbeit, an dem das Institut für Pflege und Interprofessionalität angesiedelt ist – haben das Modul in Zusammenarbeit konzipiert und bieten es gemeinsam an. Für das Modul verantwortlich ist Daniel Stauffer, Themenfeldverantwortlicher, Programmleiter und Dozent am Departement Informatik. Er sagt: «An der HSLU sehen wir Gesundheit als transversale Kompetenz: Wissen, Kompetenz und Fähigkeiten sind nicht an einen spezifischen Beruf oder ein bestimmtes Fach gebunden. Es unterrichten Expert:innen unterschiedlicher Departemente sowie Fachpersonen aus der Praxis.»

Auch in der Praxis verändern digitale Technologien Arbeitsprozesse und Zusammenarbeit. Diese Erfahrung macht Stephan Vorburger, Chirurg am Spital Emmental sowie Co-Programmleiter am Department Informatik und Dozent im Modul Digital Health, in seiner täglichen Arbeit: «Wer beispielsweise die Alarmschwelle eines Überwachungssystems festlegt, trifft eine Entscheidung über die Sicherheit der Patient:innen. Diese Entscheidung gehört in klinische Hände – nicht allein in die IT-Abteilung.» Der Modulverantwortliche Daniel Stauffer erkennt darin neue Chancen und Verantwortlichkeiten für die Pflegefachpersonen: «Diese können als Brückenfunktion eine entscheidende Rolle übernehmen, weil sie klinisches praktisches Wissen mit Systemverständnis verbinden.» Denn Pflegefachpersonen, die digitale Fragen einordnen könnten, ermöglichten es auch Informatikfachpersonen, klinische Probleme besser zu verstehen. Und das mache oft den Unterschied zwischen einem Digitalisierungsprojekt, das über die Pilotphase hinauskomme, und einem, das diesen Schritt nicht schaffe, betonen Stauffer und Vorburger.

Daniel Stauffer
Daniel Stauffer – Programmleiter und Dozent
Stephan Vorburger
Stephan Vorburger – Programmleiter und Dozent
Daniel Stauffer
Daniel Stauffer – Programmleiter und Dozent
Stephan Vorburger
Stephan Vorburger – Programmleiter und Dozent

Innovationen transformieren das Gesundheitssystem

Auch Dominik Schürmann, Dozent im Modul Digital Health, hebt hervor, dass Pflegefachpersonen mit ihren Beratungsfähigkeiten und dem Verständnis für digitale Lösungen einen wichtigen Beitrag für einen bestmöglichen Versorgungspfad von Patient:innen leisten. «Sie schlagen dank ihrem Know-how rund um die Arbeit mit digital vernetzten Systemen eine Brücke zwischen Spital und Nachbetreuung zuhause», erklärt Schürmann.

Dass sich die Tätigkeiten von Pflegefachpersonen weiterentwickeln, betont auch Sever Draganescu: «Neben der unmittelbaren professionellen Beziehungsgestaltung und Versorgung von Patient:innen gewinnen digitale Kompetenzen, Interaktionsfähigkeit in digitalen und hybriden Kontexten sowie Daten- und Analysefähigkeit zunehmend an Bedeutung. Damit verbunden sind auch ethische Fragen – etwa zu Datenschutz, Verantwortung, Teilhabe und professioneller Urteilsbildung –, die in der Ausbildung gezielt aufgegriffen werden müssen.»

Für Austausch und Inspiration unter den diversen Stakeholdern der Digitalisierung in der Pflege hat Dominik Schürmann die Digital Health Community Schweiz gegründet. «Die Idee entstand im Dialog zwischen Pflegefachpersonen, Start-up-Gründer:innen und mir. Wir erkannten, dass der Weg von marktreifen Digital-Health-Lösungen bis zu deren Etablierung im Gesundheitssystem lang sein kann. Deshalb haben wir mit Unterstützung der HSLU-Alumni ein unabhängiges Forum lanciert, wo sich Pflegefachpersonen und Innovator:innen austauschen können, um den Pflegealltag mit Innovationen für eine bessere Gesundheitsversorgung zu verbinden.»

Die Vorteile der neuen digitalen Technologien liegen für Schürmann auf der Hand. Trotzdem betont er: «Die menschliche Urteilsfähigkeit bleibt die wichtigste Komponente. Digitale Tools nehmen keine Entscheidungen ab, sondern unterstützen sie bloss. Die Pflegefachperson bleibt die letzte Instanz.» Deshalb seien auch Fragen zur Ethik, zum Schutz der Würde der Patient:innen in einer hochtechnisierten Umgebung und zur Datensicherheit im Modul wichtige Themen.

Den Wandel aktiv mitgestalten

Michelle Lüdi findet die Verbindung zwischen Digitalisierung, Innovation und pflegerischer Praxis besonders spannend. Die diplomierte Pflegefachfrau HF arbeitet auf einer geriatrischen Akutrehabilitationsstation und besucht das Modul Digital Health im Rahmen ihres Bachelor-Studiums in Pflege für diplomierte Pflegefachpersonen.

«Das Modul zeigt praxisnah auf, wie digitale Technologien dazu beitragen können, Versorgungsprozesse effizienter, interprofessioneller und patient:innenzentrierter zu gestalten», sagt sie. «Dabei interessiert mich besonders, wie digitale Lösungen neue Versorgungsmodelle ermöglichen und die Gesundheitsversorgung langfristig weiterentwickeln können.»

Michelle Lüdi

«Digital Health hat das Potenzial, die Gesundheitsversorgung nachhaltig weiterzuentwickeln», bestätigt Studiengangleiter Sever Draganescu. «Der digitale Wandel verändert die Aufgaben, Rollen und Kompetenzanforderungen der Pflege grundlegend und erfordert eine evidenzbasierte Integration neuer Technologien in pflegerische Versorgungsprozesse. Zugleich darf der Kern professioneller Pflege – Beziehungsgestaltung, Nähe, Vertrauen, klinische Urteilsfähigkeit und personenzentrierte Begleitung – durch digitale Entwicklungen nicht geschwächt werden.» Entscheidend sei daher ein ethisch verantwortungsvoller Weg, der technologische Innovationen sinnvoll nutzt und die Profession Pflege im Sinne von Sicherheit, Autonomie, Würde und Versorgungsqualität weiterentwickelt.

Dem trägt die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit Rechnung: Mit dem Modul Digital Health werden Studierende darauf vorbereitet, digitale Entwicklungen in der Pflege fachlich fundiert einzuordnen, kritisch zu reflektieren und als künftige Pflegefachpersonen aktiv mitzugestalten.

Beitrag von: Eva Schümperli-Keller
Bilder: Ina Amenda
Veröffentlicht: 21. Juli 2026

Digital Health Community Schweiz

Die 2025 gegründete Digital Health Community Schweiz ist ein unabhängiges Netzwerk, das Pflegefachpersonen, Innovator:innen und Organisationen zusammenbringt, um den digitalen Wandel im Gesundheitswesen aktiv zu gestalten. Im Mittelpunkt steht der praxisnahe Austausch zu Innovationen, Technologien und Lösungen, die den Pflege- und Behandlungsalltag verbessern. Die Mitglieder erwartet eine Serie von spannenden Online-Referaten mit der Möglichkeit für Fragen und Diskussionen auf Augenhöhe. Das Angebot wird laufend erweitert und den Bedürfnissen der Community angepasst.

Neue Pflege-Studiengänge an der Hochschule Luzern

Die Hochschule Luzern trägt mit ihren innovativen Ausbildungen dazu bei, den Bedarf an hochqualifizierten Pflegefachpersonen in der Region zu decken. Der Bachelor of Science in Pflege bereitet Maturand:innen auf vielseitige Karrieren im Gesundheitswesen vor. Diplomierte Pflegefachpersonen bauen ihre Kenntnisse in Praxis und Wissenschaft mit einem berufsbegleitenden, verkürzten Bachelor in Pflege weiter aus. Der Master of Science in Pflege vertieft diese Kompetenzen weiter, um Pflegefachpersonen gezielt auf erweiterte und spezialisierte Rollen in der Gesundheitsversorgung vorzubereiten.

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