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Was bedeutet Innovation in der Sozialen Arbeit wirklich?

Innovation wird oft mit neuen Ideen oder technischen Entwicklungen verbunden. In der Sozialen Arbeit zeigt sie sich jedoch häufig anders: Sie entsteht dort, wo Menschen bestehende Strukturen hinterfragen, neue Lern- und Arbeitsformen ausprobieren und gemeinsam Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln. Genau dieser Frage widmete sich der NKI-Netzwerkanlass des Bachelor-Studiengangs «Neue Konzepte und Innovation» (NKI) am 20. Mai 2026 im Treibhaus Luzern.

Was bedeutet Innovation in der Sozialen Arbeit wirklich?

Einen wichtigen Denkanstoss lieferte Johannes Küng, Soziokultureller Animator und Dozent an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit mit seinem Impulsreferat. Er machte deutlich, dass Innovation in der Sozialen Arbeit oft nicht aus spontanen Geistesblitzen entsteht, sondern aus langfristigen gesellschaftlichen und professionellen Entwicklungen.

Anhand der Helpline 142 der Opferhilfe Schweiz zeigte er, dass Innovation in der Sozialen Arbeit in gesellschaftliche Entwicklungen eingebettet ist. Wer Veränderungen anstossen will, braucht Visionen, gleichzeitig aber auch Geduld, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, mit Unsicherheiten umzugehen. Seine Formel dafür brachte er mit einem treffenden Bild auf den Punkt: «Kopf in den Wolken, Füsse im Dreck.» Innovation entsteht dort, wo mutige Ideen auf die Realität treffen und Schritt für Schritt weiterentwickelt werden. Entscheidend sei dabei, dass Innovation nie Selbstzweck werde, sondern immer dazu beitrage, gesellschaftliche Probleme besser zu lösen.

NKI Netzwerkevent im Treibhaus
NKI Netzwerkevent im Treibhaus
Wo steht das Studium - Thomas Steiner
Wo steht das Studium – Thomas Steiner
Impulsvortrag von Johannes Küng
Impulsvortrag von Johannes Küng
Begrüssung durch Anette Dietrich
Begrüssung durch Anette Dietrich
NKI Netzwerkevent im Treibhaus
NKI Netzwerkevent im Treibhaus
Wo steht das Studium - Thomas Steiner
Wo steht das Studium – Thomas Steiner
Impulsvortrag von Johannes Küng
Impulsvortrag von Johannes Küng
Begrüssung durch Anette Dietrich
Begrüssung durch Anette Dietrich

Innovation beginnt beim Lernen

Diese Haltung prägt auch den Bachelor-Studiengang «Neue Konzepte und Innovation». Der Studiengang versteht Innovation nicht in erster Linie als Unterrichtsinhalt, sondern als Lernprinzip. Studierende erhalten Freiräume, eigene Themen zu verfolgen, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen und gemeinsam neue Lernformate zu entwickeln.

Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Lerngemeinschaften. Dabei gestalten Studierende eigene Lerngefässe zu Themen, die sie besonders interessieren. Die Hochschule schafft den Rahmen, begleitet die Prozesse und unterstützt fachlich, die inhaltliche Ausgestaltung liegt jedoch weitgehend bei den Studierenden.

Am Netzwerkanlass zeigten verschiedene Workshops, wie unterschiedlich diese Lerngemeinschaften aussehen können. Eine Gruppe organisierte beispielsweise eine Studienreise nach Berlin, andere entwickelten Lernprojekte zu eigenen Fragestellungen oder diskutierten, wie neue Lerngemeinschaften überhaupt entstehen. Deutlich wurde dabei: Innovation entsteht häufig dort, wo Studierende Gestaltungsspielraum erhalten und ihre Interessen mit gesellschaftlich relevanten Themen verbinden können.

Grundlage der Workshops boten diese Fallbeispiele der Studierenden:

  1. Was erwartet die Praxis von einer innovativen Bachelorausbildung? Andi Müller (Sentitreff), Victor Felder (Student im 4. Semester)
  2. Lerngemeinschaft Studienreise Berlin von Enkhtsetseg Baatar-Neisser, Sophia Bernasconi, Sandro Bissig (Studierende im 2. Semester)
  3. Lerngemeinschaften als innovative Lerngelegenheiten: «Lerngemeinschaft ‘Utopien in einer Community in Portugal’» Noemi Mehring (Studentin im 6. Semester)
  4. Was benötigt es, um eine Lerngemeinschaft als innovatives Lernsetting zu gründen? Jamil Koller (Student im 4. Semester)
Workshops Fallbeispiel der Studierenden
Workshops: Fallbeispiel der Studierenden
Workshops Fallbeispiel der Studierenden
Workshops: Fallbeispiel der Studierenden

Was erwartet die Praxis?

Doch innovative Ausbildung allein genügt nicht. Sie muss auch den Anforderungen der Praxis gerecht werden. Deshalb stand am Netzwerkanlass immer wieder die Frage im Raum, welche Kompetenzen Berufseinsteiger:innen heute tatsächlich benötigen.

Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild. Natürlich braucht es fachliches Wissen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Praxis vor allem Menschen sucht, die komplexe Situationen analysieren, ihr eigenes Handeln reflektieren und sich in neue Themen einarbeiten können. Gerade in einem Berufsfeld, das sich ständig verändert, sind diese Fähigkeiten oft wichtiger als möglichst vollständiges Faktenwissen.

Aus den Gesprächen wurde aber auch sichtbar, dass neue Ausbildungsformen Fragen aufwerfen. Praxisorganisationen möchten besser verstehen, welche Erfahrungen und Kompetenzen NKI-Studierende mitbringen. Gleichzeitig eröffnet der Studiengang neue Möglichkeiten: Viele Studierende erschliessen eigenständig neue Praktikumsorte und bauen damit Brücken zwischen Hochschule und Praxis.

Innovation bleibt eine gemeinsame Aufgabe

Im abschliessenden Podium wurde deutlich, dass Innovation kein Zustand ist, den man irgendwann erreicht. Sie muss immer wieder neu ausgehandelt und weiterentwickelt werden. Studierende beschrieben die grosse Freiheit des selbstorganisierten Lernens als Chance, betonten aber ebenso die Verantwortung, die damit verbunden ist.

Auch aus Sicht der Hochschule bleibt die Weiterentwicklung eine Daueraufgabe. Neue Konzepte müssen regelmässig hinterfragt, Erfahrungen aufgenommen und gemeinsam mit Studierenden sowie Praxispartner:innen weiterentwickelt werden. Gerade dieser kontinuierliche Dialog scheint eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür zu sein, dass Innovation langfristig lebendig bleibt.

Der Netzwerkanlass machte damit deutlich: Innovation in der Sozialen Arbeit entsteht nicht durch möglichst viele neue Ideen. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, wo experimentiert werden darf und wo Hochschule, Praxis und Studierende bereit sind, voneinander zu lernen. Genau dieses Zusammenspiel macht Innovation zu einem Werkzeug für die Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit und nicht zu einem Selbstzweck.

Podium zu Innovation im Studium
Podium zu Innovation im Studium
Abschluss im Treibhaus Garten
Apero im Treibhaus Garten
Apero im Treibhaus Garten
Podium zu Innovation im Studium
Podium zu Innovation im Studium
Abschluss im Treibhaus Garten
Apero im Treibhaus Garten
Apero im Treibhaus Garten

Von: Tom SteinerRoger Ettlin
Bilder: Judith Wolf
Veröffentlicht: 28. Juli 2026

Bachelor in Sozialer Arbeit mit Schwerpunkt neue Konzepte und Innovation

Die Zukunft der Sozialen Arbeit braucht Fachpersonen, die selbstorganisiert neue Konzepte entwickeln und Wissen effizient und zielgerichtet erschliessen. Der Studiengang führt zum anerkannten und berufsbefähigenden Bachelor in Sozialer Arbeit. Er lädt ausdrücklich zu individuellen Ausprägungen und dem Setzen persönlicher Schwerpunkte ein. Die Studierenden entscheiden in der Lerngruppe und individuell, gemeinsam mit Lernbegleiter*innen aus Hochschule und Praxis, wie sie ihr Studium gestalten möchten.

Infoveranstaltung: Dienstag 28. August von 18:00 bis 19:30 in Luzern

Zur Webseite: Bachelor in Sozialer Arbeit neue Konzepte und Innovation

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