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Wissen verbinden: Über die Relevanz von transdisziplinärer Zusammenarbeit

Räumliche Entwicklung, ökologische Transformation, sozialer und gesellschaftlicher Wandel: Um viele dieser Herausforderungen zu verstehen und tragfähige Lösungen zu entwickeln, braucht es unterschiedliche Perspektiven und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis. Genau hier setzt Transdisziplinarität an. Welchen Mehrwert transdisziplinäre Zusammenarbeit bietet und wie sie gelingt, zeigt das Interview mit Selina Lutz. Sie leitet zusammen mit Stephanie Weiss den Kurs «Transdisziplinarität in Forschungs- und Entwicklungsprojekten» der HSLU.

Wissen verbinden: Über die Relevanz von transdisziplinärer Zusammenarbeit
Wie kann man einer Person Transdizisplinarität in einfachen Worten erklären, die davon noch nie etwas gehört hat?

Transdisziplinarität kann man sich so vorstellen: Es ist, wie wenn mehrere Personen blind die unterschiedlichen Teile eines Elefanten ertasten. Für eine Person fühlt sich der Rüssel wie eine Schlange an, das Bein für eine andere wie ein Baumstamm, das Ohr wie ein grosser Fächer, der Stosszahn wie ein Speer, die Seite wie eine Wand und der Schwanz wie ein Seil. Jede:r nimmt nur einen Teil wahr, aber wenn alle ihre verschiedenen Wahrnehmungen zusammenbringen, entsteht ein vollständigeres Bild – genauso werden in der transdisziplinären Arbeit unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen verbunden, um ein Problem gemeinsam besser zu verstehen und zu lösen.

Worin liegt der gesellschaftliche Nutzen von Transdisziplinarität?

Die Transdisziplinarität spielt eine zentrale Rolle in der Forschung und Entwicklung zu lebensweltlichen Problemen, weil diese Projekte sich mit hochkomplexen, dynamischen und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen befassen. Themen wie Raumentwicklung, ökologische Transformation oder sozialer Wandel verlangen diese Art der Zusammenarbeit, da sie nicht allein durch eine einzelne Disziplin oder wissenschaftliche Perspektive gelöst werden können.

Welchen Mehrwert bringt Transdisziplinarität gegenüber anderen Arbeitsformen (etwa disziplinäre oder interdisziplinäre)?

Der Mehrwert von Transdisziplinarität liegt darin, dass unterschiedliche Perspektiven und Wissensformen zusammengebracht werden: Forschung und Fachpersonen verbinden ihr Wissen mit dem Erfahrungs- und Praxiswissen von Unternehmen, Verwaltungen, Organisationen und der Zivilgesellschaft. Dadurch können Probleme umfassender verstanden und gemeinsam Lösungen entwickelt werden, die praxisnah, bedarfsgerecht und langfristig tragfähig sind.

Die Effekte transdisziplinärer Projekte wirken aber noch weit darüber hinaus: Denn Transdisziplinarität stärkt nicht nur den Austausch zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, sondern gleichzeitig die Akzeptanz von Lösungen sowie die gesellschaftliche Teilhabe. Das führt zu besseren und nachhaltigeren Ergebnissen.

Welche typischen Herausforderungen treten in transdisziplinären Projekten auf – und welchen Mehrwert kann die Weiterbildung der HSLU hierzu bieten? 

Inter- und transdisziplinäre Projekte erfordern den Umgang mit unterschiedlichen Fachrichtungen, Methoden und Formen der Zusammenarbeit – oft mit begrenzten Ressourcen. Die Weiterbildung der HSLU vermittelt dafür praxisnahe Methoden und fördert den Austausch mit anderen Teilnehmenden.

Welche Inhalte und Angebote umfasst die Weiterbildung allgemein und an welche Zielgruppen richtet sie sich?

Der Kurs vermittelt Grundlagen und praxisnahe Methoden für die Planung, Durchführung und Evaluation transdisziplinärer Projekte zu lebensweltlichen Themen. Die Teilnehmenden lernen, unterschiedliche Fachrichtungen und Praxispartner:innen einzubinden, Projekte gemeinsam zu gestalten und den Transfer der Ergebnisse in die Praxis sicherzustellen.

Der Kurs richtet sich an Forschende mit Projektleitungserfahrung, Mitarbeitende in transdisziplinären Projekten sowie Doktorierende. Transdisziplinarität lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven – die Weiterbildung schafft dafür Wissen, Methoden und Raum für gemeinsames Lernen.

Veröffentlicht am: 23. September 2026
Bild: Getty Images
Interview: Anette Eldevik

Transdisziplinarität in Forschungs- und Entwicklungsprojekten

Im Kurs, der am 2. und 23. November 2026 stattfindet, lernen die Teilnehmenden, transdisziplinäre Prozesse methodisch zu gestalten, Disziplinen und Praxispartner:innen in die Co-Entwicklung einzubinden, Projekte systematisch zu planen, zu begleiten und zu reflektieren.

Diese Weiterbildung wurde von den Interdisziplinären Netzwerken der HSLU (IDN) und dem Zentrum für Lernen, Lehren und Forschen (ZLLF) entwickelt, um die Komplexität transdisziplinären Arbeitens an der Schnittstelle von Praxis und Wissenschaft handhabbarer zu machen und das spezifische Methodenwissen zu aggregieren.

Interessiert? Hier mehr erfahren!

 

Selina Lutz

Selina Lutz

Selina Lutz ist Dozentin am Institut für Architektur der HSLU. Ihre Schwerpunkte liegen u. a. in den Bereichen Innovative Wohn- und Lebensformen, Gemeinschaft und gemeinschaftliches Wohnen, bedürfnisgerechte Planungs- und Bauprozesse sowie Architektur- und Wohnpsychologie.

Stephanie Weiss

Prof. Dr. Stephanie Weiss

Die Kulturwissenschaftlerin und Sozialgeographin Stephanie Weiss ist Professorin am Institut für Soziokulturelle Entwicklung der HSLU. Ihre Schwerpunkte liegen u. a. in den Bereichen Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung, Partizipation und lokale Demokratie sowie soziale Nachhaltigkeit in der räumlichen Entwicklung.

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