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Cybermobbing und Zivilcourage in der Schule

Beleidigende Nachrichten, Ausgrenzung im Klassenchat oder verletzende Kommentare beschäftigen auch die Schulsozialarbeit. Wie lassen sich diese Themen mit Primarschulkindern aufgreifen? Im Minor Digitalisierung und Soziale Arbeit an der Hochschule Luzern entwickelte Schulsozialarbeiterin Flavia Flaviano drei Unterrichtsbausteine zu Cybermobbing, Hate Speech und digitaler Zivilcourage.

Cybermobbing und Zivilcourage in der Schule
Illustration aus den Unterrichtsmaterialien zu Cybermobbing (Flavia Flaviano, mit KI erstellt).

Der Konflikt beginnt im Chat und geht am nächsten Morgen im Schulhaus weiter. Diese Verbindung kennt Flavia Flaviano aus ihrer Arbeit als Schulsozialarbeiterin. Kinder berichten ihr von beleidigenden Nachrichten, Ausgrenzung und verletzenden Kommentaren. Vieles passiert in der Freizeit, wirkt sich aber unmittelbar auf den Schulalltag aus.

«Trotzdem endet das Problem nicht mit dem Ausschalten des Handys», sagt Flaviano. Am nächsten Tag begegnen sich die Beteiligten wieder in derselben Klasse oder im gleichen Schulhaus. Darin sieht sie eine der grössten Herausforderungen für Schulen.

Wie verbreitet solche Erfahrungen sind, zeigt die JAMES-Studie 2024: Fast ein Viertel der befragten 12- bis 19-Jährigen wurde innerhalb der letzten zwei Jahre mehrfach in privaten Nachrichten beschimpft oder beleidigt. Flaviano setzt mit ihrem Projekt bereits in der Primarschule an. Denn auch dort stellt sich für Lehrpersonen und Fachpersonen die Frage, wie sie digitale Konflikte altersgerecht thematisieren können.

Flavia Flaviano Profilbild

Flavia Flaviano

Flavia Flaviano (24) arbeitet seit 2024 als Schulsozialarbeiterin und hat im September 2026 ihr Bachelorstudium in Sozialer Arbeit abgeschlossen. Zuvor absolvierte sie die Ausbildungen zur Fachfrau Gesundheit EFZ und zur diplomierten Pflegefachfrau HF.
An der Arbeit mit Kindern begeistern sie deren Neugier, Offenheit und Unvoreingenommenheit. Sie begleitet sie gerne in ihrer Entwicklung, fördert ihre Stärken und entdeckt mit ihnen neue Perspektiven. Dabei lernt sie auch selbst immer wieder dazu.

Drei Unterrichtsbausteine für den Schulalltag

Im Abschlussmodul «Digitales Atelier» des Minors entwickelte Flaviano drei PowerPoint-Präsentationen für die 4. bis 6. Primarklasse. Je ein Baustein widmet sich Cybermobbing, Hate Speech und digitaler Zivilcourage. Kurze Theorieinputs wechseln sich mit spielerischen Übungen, Reflexionsfragen und Gesprächsanlässen ab.

Die Materialien sollen Kindern ermöglichen, sich mit verletzendem Verhalten im digitalen Raum und dem eigenen Umgang damit auseinanderzusetzen. Lehrpersonen sollen sie mit wenig Vorbereitung nutzen können. Deshalb enthalten die Präsentationen ausgeschriebene Spielanleitungen und Moderationshilfen. Die Bausteine lassen sich unabhängig voneinander einsetzen, je nachdem, welches Thema eine Klasse gerade beschäftigt.

Unterrichtsmaterialien

Flavia Flavianos Beitrag findest du auf dem Blog des Minors Digitalisierung und Soziale Arbeit. Dort stehen auch die drei PowerPoint-Präsentationen zu Cybermobbing, Hate Speech und digitaler Zivilcourage zur Verfügung.

Power Point zu Cybermobbing
Ausschnitte aus der Präsentation
Folie - Was passiert online 3.JPG
Folie - Was ist Cybermobbing
Folie - Wer macht was
Power Point zu Cybermobbing
Ausschnitte aus der Präsentation
Folie - Was passiert online 3.JPG
Folie - Was ist Cybermobbing
Folie - Wer macht was

Den Bedarf im Schulhaus klären

Bis diese Form feststand, brauchte es mehrere Anläufe. Zu Beginn suchte Flaviano im Internet nach Theorie, Spielen und Unterrichtsideen. Mit der wachsenden Materialsammlung verlor sie zunehmend den Überblick. Der Austausch mit Mitstudierenden und die Coachings mit Dozierenden im Rahmen des «Digitalen Ateliers» halfen ihr, zunächst das gewünschte Endprodukt zu klären.

Sollten Theoriepräsentationen und eine separate Sammlung von Übungen entstehen? Oder ein Gesamtpaket, das beides verbindet? Flaviano fragte Lehrpersonen und Fachpersonen aus ihrem Schulhaus. Gewünscht waren vollständige Unterrichtsbausteine, die sich ohne grosse Vorbereitung einsetzen lassen.

Flaviano begann nochmals neu und richtete ihre Recherche auf dieses Format aus. Viele bestehende Übungen waren jedoch für ältere Jugendliche gedacht oder benötigten zusätzliche technische Hilfsmittel. Anregungen fand sie im Buch «Die 50 besten Spiele gegen Cybermobbing» von Rossa und Rossa. Die Spielideen passte sie für die Primarschule an.

KI hilft beim Gestalten

Mit ersten Gestaltungsvorlagen war Flaviano noch nicht zufrieden. Deshalb setzte sie ChatGPT für die Entwicklung von Illustrationen ein. So konnte sie beispielsweise eine textbasierte Spielanleitung mithilfe eines gezielten Prompts bildlich umsetzen.

Die Auseinandersetzung mit Chancen und Grenzen von KI im Minor ermutigte sie dazu. Dabei merkte sie, wie genau sie ihre Vorstellungen formulieren musste, damit passende Bilder entstanden. Dafür musste sie die Ergebnisse prüfen und ihre Prompts immer wieder anpassen.

Auch im Berufsalltag sieht Flaviano Möglichkeiten für KI: beim Sammeln neuer Methoden, beim Weiterentwickeln von Ideen oder beim Visualisieren eigener Übungen. Entscheidend ist für sie, die Ergebnisse auf das Thema und die jeweiligen Kinder und Jugendlichen abzustimmen.

Rückmeldungen machen das Material praxistauglicher

Die fertigen Präsentationen legte Flaviano Schulsozialarbeitenden und Lehrpersonen zur Durchsicht vor. Diese schätzten die übersichtliche Gestaltung, die einfache Sprache und die kindgerechten Bilder. Zugleich wünschten sie sich zusätzliche schriftliche Anleitungen und Theorieinputs. Flaviano ergänzte deshalb weitere Moderationshilfen, Reflexionsfragen und optionale Erweiterungen.

Dieser Austausch war für sie wesentlich. Das gilt auch für die Rückmeldungen im Minor: «Ohne diesen Austausch würde mein Endprodukt heute wahrscheinlich ganz anders aussehen.» Die Überarbeitungen halfen ihr, die Materialien genauer auf die Bedürfnisse derjenigen auszurichten, die sie einsetzen sollen.

Offen für Technologien und kritisch im Umgang damit

Das Vorhaben hat Flaviano darin bestärkt, neue Technologien auszuprobieren und deren Ergebnisse sorgfältig zu prüfen. Bei KI fiel ihr auf, dass Bilder und andere Ausgaben bestehende Vorurteile oder einseitige Vorstellungen wiedergeben können. Deshalb hinterfragt sie, was die Ergebnisse darstellen und welche Botschaften sie vermitteln.

Der Weg zu den drei Unterrichtsbausteinen war anspruchsvoller als erwartet. Gerade die Unsicherheiten, Rückmeldungen und Überarbeitungen waren für Flaviano jedoch entscheidend, um aus einer breiten Ideensammlung Materialien für den Schulalltag zu entwickeln.

Beitrag von: Roger Ettlin
Bilder: Flavia Flaviano (mit KI erstellt)
Veröffentlichung: 3. November 2026

Minor Digitalisierung und Soziale Arbeit

Wie verändert die Digitalisierung die Soziale Arbeit? In dieser wählbaren Nebenvertiefung des Bachelorstudiums an der Hochschule Luzern erwerben Studierende Wissen und Kompetenzen, um die digitale Transformation in der Praxis mitzugestalten. Im Fokus stehen digitale Lebenswelten, Medienkompetenz, Online-Beratung sowie der kritische Umgang mit Daten und Künstlicher Intelligenz.

Umfang: 12 ECTS

Mehr Infos: Webseite Minor Digitalisierung

Soziale Arbeit studieren – Vielfalt, Innovation und Perspektiven

Das Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Luzern bietet drei Vertiefungsrichtungen:

  • Sozialarbeit – Beratung und Unterstützung in herausfordernden Lebenssituationen
  • Sozialpädagogik – Begleitung und Förderung in pädagogischen Einrichtungen
  • Soziokultur – Gestaltung von Räumen für Teilhabe, Begegnung und kulturelles Leben

Mehr Infos: Webseite Bachelor in Sozialer Arbeit

Infoveranstaltungen: Hier anmelden

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