Sozialmanagement und Sozialpolitik,

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Demokratie in der Krise – warum sie gerade jetzt unseren Einsatz braucht

Demokratie gilt oft als selbstverständlich – bis sie zu bröckeln beginnt. Politische Gleichgültigkeit und autoritäre Tendenzen zeigen sich nicht nur global, sondern auch im Alltag, besonders dort, wo Beteiligung fehlt und Menschen sich nicht gehört fühlen. Dieser Beitrag zeigt, warum Demokratie gerade jetzt gefährdet ist und weshalb die Soziale Arbeit eine zentrale Rolle bei ihrem Erhalt spielt.

Demokratie in der Krise – warum sie gerade jetzt unseren Einsatz braucht

Beitrag aus der Internationalen Studienwoche: Von Nadine Broch und Cynthia Glauser, Bachelor-Studentinnen im 6. Semester.

Eine jugendliche Person sitzt im Jugendtreff und meint: «Politik interessiert mich nicht. Die machen sowieso alle, was sie wollen.» Solche Sätze hören viele Fachpersonen der Sozialen Arbeit. Solche Aussagen sind mehr als persönliche Meinungen, sie sind ein Warnsignal.

Demokratie stirbt heute nicht laut, sondern leise und schleichend. Obwohl Demokratie im ersten Moment weit weg scheint, ist sie direkt mit dem Alltag der Sozialen Arbeit verbunden. Die Soziale Arbeit entscheidet nämlich mit, ob die Demokratie geschwächt oder gestärkt wird.

Internationalen Studienwoche der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit

Der Beitrag ist im Rahmen der Internationalen Studienwoche entstanden. In diesem internationalen und interdisziplinären Kontext setzten sich Studierende und Fachpersonen mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander – darunter der weltweite Zustand der Demokratie und die Verantwortung professioneller Akteur:innen.

Aus dieser Auseinandersetzung heraus verbindet der Text globale demokratische Entwicklungen mit der Praxis der Sozialen Arbeit und fragt danach, wie Fachpersonen im Alltag zur Stärkung demokratischer Werte, Beteiligung und sozialem Zusammenhalt beitragen können.

Demokratie stirbt nicht laut – sondern im Alltag

Wer an das Ende der Demokratie denkt, verbindet damit schnell Bilder von Putschen, Panzern oder brennenden Parlamenten. Stattdessen wird sie heute häufig von innen ausgehöhlt. Menschen ziehen sich zurück und Entscheidungen werden von oben getroffen. Anzeichen dafür, dass die Demokratie unter Druck steht.

Oft geschieht dieser Rückgang durch demokratisch gewählte Regierungen. Typischerweise werden zuerst Gerichte geschwächt. Danach geraten Medien unter Druck, bis schliesslich Gesetze zwar legal, aber nicht mehr legitim verändert werden.

Weltweit leben immer mehr Menschen in einem autoritären System. Laut dem Varieties of Democracy (V-Dem) Project befinden wir uns in der dritten Autokratisierungswelle. Auch Länder, die lange als «stabile Demokratien» galten, konnten sich nicht dagegen wehren. Demokratie ist nun mal kein Zustand, sondern ein Prozess.

Unser Alltag lebt von Demokratie

Wer an Demokratie denkt, verbindet diesen Begriff früher oder später mit Wahlen und Abstimmungen. Doch er geht weit darüber hinaus. Demokratie lässt Menschen mitreden, gibt ihnen Rechte und faire Regeln für das alltägliche Zusammenleben.

Im Alltag geht es vor allem darum, ob sich Menschen ernst genommen fühlen und ob sie effektiv mitreden können. Genau hier wird Demokratie zur Lebensform und damit zum Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit. Diese arbeitet dort, wo Menschen Unterstützung brauchen, wo Vertrauen oft fehlt und wo Machtungleichheiten spürbar sind.

Wenn Soziale Arbeit politisch wird

Ob in der Kinder- und Jugendarbeit, der Quartierarbeit oder im Beratungskontext: Demokratisches Handeln wird dadurch gestärkt, dass zugehört wird, Beteiligung erwünscht ist und gemeinsame Lösungen gesucht werden. Demokratie beginnt nicht im Parlament, sondern im Alltag der Menschen zum Beispiel durch ein Jugendparlament, Mitbestimmung im Jugendtreff oder das Aushandeln von Regeln in einer Wohngruppe.

Es darf also nicht vergessen werden, dass jede Beteiligungspraxis auch eine demokratische Praxis ist. Die Soziale Arbeit ist daher nie unpolitisch, was Fachpersonen vor ethische und professionelle Herausforderungen stellt. Die Zunahme des rechts-autoritären Denkens stellt Fachpersonen vor einen Konflikt: Neutral bleiben oder Haltung zeigen?

Neutralität wird wohl keine Demokratie schützen. Haltung zu zeigen, muss jedoch nicht heissen, parteiisch zu werden. Es geht darum, Menschenrechte ernst zu nehmen, Beteiligung zu ermöglichen und der Ausgrenzung zu widersprechen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die gute Nachricht ist, dass Demokratie stets zurückkommen kann. Die Hälfte aller autokratischen Länder schafft es, zur Demokratie zurückzufinden. Entscheidend hierfür sind unter anderem der Zusammenhalt sowie das politische System und die internationale Unterstützung. Die Soziale Arbeit kann genau hier ansetzen, denn sie schafft Räume, in welchen beispielsweise Konflikte nicht unterdrückt, sondern besprochen werden oder fördert auch das Gemeinschaftsgefühl.

Demokratie ist nicht, was man hat, sondern etwas, was man lernt. Sie braucht also Menschen, die sie leben. Wenn Demokratie nicht gelebt wird, verblasst sie. Deshalb braucht es jede Beteiligung, jeden Dialog und jedes Ernstnehmen, um diesem leisen Verschwinden entgegenzuwirken. Gerade in der Sozialen Arbeit beginnt Demokratie dort, wo Menschen ernst genommen werden – jeden Tag, in kleinen Entscheidungen. Wer Beteiligung ermöglicht, schützt Demokratie.

FAQ: Häufige Fragen zu Demokratie und Sozialer Arbeit

Warum betrifft das Thema Demokratie die Soziale Arbeit?

Soziale Arbeit findet dort statt, wo Menschen Unterstützung, Orientierung oder Beteiligungsmöglichkeiten brauchen. Fachpersonen arbeiten häufig mit Menschen, die wenig politische Mitsprache erleben. Indem sie Beteiligung ermöglichen, Konflikte moderieren und Menschen ernst nehmen, tragen sie dazu bei, demokratische Werte im Alltag zu stärken.

Muss Soziale Arbeit politisch sein?

Soziale Arbeit kann nicht vollständig unpolitisch sein, weil sie immer mit gesellschaftlichen Strukturen, Machtverhältnissen und sozialen Rechten zu tun hat. Politisch zu sein bedeutet jedoch nicht, parteipolitisch zu handeln. Es geht vielmehr darum, demokratische Grundwerte wie Menschenrechte, Teilhabe und Gleichbehandlung zu fördern.

Wie kann Demokratie im Alltag der Sozialen Arbeit gestärkt werden?

Demokratische Praxis zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Situationen: wenn Jugendliche bei Entscheidungen im Jugendtreff mitreden können, wenn Regeln in einer Wohngruppe gemeinsam ausgehandelt werden oder wenn unterschiedliche Perspektiven in Beratungsprozessen ernst genommen werden.

Gibt es trotz der aktuellen Entwicklungen Grund zur Hoffnung?

Ja. Demokratische Entwicklungen verlaufen nicht nur in eine Richtung. Viele Länder schaffen es, demokratische Strukturen zu erhalten oder wieder aufzubauen. Entscheidend sind gesellschaftlicher Zusammenhalt, funktionierende Institutionen und Menschen, die demokratische Werte im Alltag leben.

Warum ist Beteiligung so wichtig für eine funktionierende Demokratie?

Beteiligung stärkt das Vertrauen in demokratische Prozesse. Wenn Menschen erleben, dass ihre Stimme gehört wird und ihre Anliegen Wirkung haben können, fühlen sie sich eher als Teil der Gesellschaft. Diese Erfahrung ist ein zentraler Bestandteil demokratischer Kultur.

Beitrag von: Nadine Broch und Cynthia Glauser
Bild: Jon Tyson auf Unsplash
Veröffentlicht: 10. März 2026

Soziale Arbeit studieren – Vielfalt, Innovation und Perspektiven

Das Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Luzern bietet drei Vertiefungsrichtungen:

  • Sozialarbeit – Beratung und Unterstützung in herausfordernden Lebenssituationen
  • Sozialpädagogik – Begleitung und Förderung in pädagogischen Einrichtungen
  • Soziokultur – Gestaltung von Räumen für Teilhabe, Begegnung und kulturelles Leben

Neu gibt es zusätzlich den Bachelor in Sozialer Arbeit – neue Konzepte und Innovation. Hier gestalten die Studierenden ihr Studium aktiv mit und bestimmen ihren Weg zur Berufsbefähigung stärker selbst.

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