Sozialmanagement und Sozialpolitik,

Studium

«Die Soziale Arbeit ist ein notwendiger Beitrag zur Gesellschaft»

«Die Soziale Arbeit ist ein notwendiger Beitrag zur Gesellschaft»

Dorothee Guggisberg kennt die Soziale Arbeit von Grund auf. Als ausgebildete Sozialarbeiterin war sie in verschiedenen fachlichen und leitenden Positionen im Sozialbereich tätig. Wir haben sie in ihrer heutigen Funktion als Direktorin der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit gefragt, was sie am Berufsfeld fasziniert, wie sie die Schweizer Sozialpolitik einschätzt und welche Herausforderungen auf ihr Departement zukommen.

Was waren die Gründe für Ihre damalige Entscheidung, Soziale Arbeit zu studieren?

Schon damals war es mir wichtig, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Als junge Frau war ich sozial engagiert und kam dabei ins Gespräch mit Sozialarbeiterinnen.

Soziologie fanden meine Eltern brotlos (lacht), also entschied ich mich für ein Studium der Sozialen Arbeit.

Wem empfehlen Sie ein solches Studium?

Wer Freude an interdisziplinären und komplexen Fragestellungen zur Gesellschaft hat, ist bei der Sozialen Arbeit genau richtig. Es ist wohl eine der vielfältigsten Ausbildungen, die es gibt.

Was bietet die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit im Unterschied zu anderen Fachhochschulen?

Mit unseren drei Vertiefungsrichtungen Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Soziokultur bieten wir im Bachelor als einzige Fachhochschule fokussierte Studienrichtungen an und kein generalistisches Studium. Dazu haben wir hervorragende Dozentinnen und Dozenten und zeichnen uns durch Praxisnähe und Anwendungsorientierung aus.

Die Schweizer Sozialpolitik

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen in der Schweizer Sozialpolitik?

Sozialpolitik steckt immer voller Herausforderungen. Der Sozialstaat ist nie fertig gebaut, denn wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen stellen immer wieder neue Fragen und Anforderungen.

Der Kernauftrag der Sozialen Arbeit ist Integration. Gerade aktuell wirft der Ukraine-Krieg viele Fragen auf. Wie können die ukrainischen Flüchtlinge begleitet werden? Wie kann die berufliche und soziale Integration funktionieren? Wie können wir grundsätzlich Flüchtlinge und Menschen am Rande der Gesellschaft gut und nachhaltig am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen?

Aktuell beschäftigt auch die zunehmende Zahl an psychischen Erkrankungen, besonders von jungen Menschen. Nicht nur das Versorgungssystem ist gefordert, sondern wir als Gesellschaft insgesamt.

Gefordert ist die Soziale Arbeit auch mit der digitalen und der demographischen Entwicklung. All diese Herausforderungen können wir nur gemeinsam und interdisziplinär lösen. In der Sozialen Arbeit müssen wir konkret unterstützen, aber auch vorausschauend handeln.

Welche Lösungsansätze wären aus Ihrer Sicht möglich?

In der Sozialpolitik sind die Ressourcen immer knapp. Zum Vergleich: Das Militärbudget ist jetzt, im Zuge der Ukraine-Krise, sehr schnell und stark aufgestockt worden, während sozialpolitische Anliegen jeweils grosse Hürden überwinden müssen. Wir diskutieren zum Beispiel seit Jahren über die Elternzeit, um Familie und Berufsleben besser zu vereinbaren. Soziale Investitionen tragen zum Wohlergehen der ganzen Gesellschaft bei. Was ein stabiler Sozialstaat leisten kann, hat sich gerade auch in der Corona-Krise gezeigt.

Nur wenn wir das grosse Ganze betrachten und langfristig planen, können wir die aktuellen und zukünftigen Probleme lösen.

Die Schweiz ist grundsätzlich solid unterwegs, aber die Herausforderungen werden nicht weniger. Deshalb ist es wichtig, dass wir die einzelnen Politikfelder nicht isoliert betrachten. Finanz-, Bildungs- und Sozialpolitik sind eng miteinander verzahnt. Nur wenn wir das grosse Ganze betrachten und langfristig planen, können wir die aktuellen und zukünftigen Probleme lösen.

Die Zukunft des Departements Soziale Arbeit

Was ist Ihre Vision für die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit?

Wir wollen eine inspirierende und innovative Hochschule sein, die bildet, forscht und wirkt. Denn wir leisten einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen Sozialsystem. Indem wir Menschen aus- und weiterbilden und Grundlagen für Praxis, Politik und Gesellschaft erforschen und entwickeln, sind wir am Puls der Zeit. Mit zukunftsfähigen Ansätzen und interdisziplinären Stärken ergänzen wir unsere bewährten Instrumente und Angebote.

Was braucht die Hochschule, um Ihre Vision umzusetzen?

Wir brauchen ein solides Fundament und einen vielfältigen, innovativen Überbau. Unser Fundament sind unsere Mitarbeitenden, die Strukturen und die Finanzen. Der Überbau – oder besser gesagt: unser Kern – ist unser Forschungs- und Lehrauftrag.

Vor welchen Herausforderungen steht das Departement Soziale Arbeit?

Eine grosse Herausforderung ist der finanzielle Rahmen. Die enge finanzielle Situation kann unsere Entwicklung beeinflussen, das kann für eine Hochschule keine Zukunft sein. Auch wenn wir als Departement gut unterwegs sind, besteht wenig Spielraum für Innovation und Weiterentwicklung. Aber wir geben alles, um im gesetzten Rahmen das Beste zu realisieren.

Ein zweiter Bachelor-Studiengang ist in Planung. Was sind die Beweggründe?

Aufgrund gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen haben wir im Sinne eines offenen und in die Zukunft gerichteten Entwicklungsprojekts einen zweiten Bachelor-Studiengang konzipiert. Der neue Studiengang orientiert sich einerseits an den künftigen Praxisanforderungen sowie den entsprechenden Professionsanforderungen und andererseits an den angehenden Studierenden sowie der Bildung der Zukunft. Der neue Bachelor wird von Studierenden, Fachleuten aus der Praxis und Dozierenden gemeinsam gestaltet und weiterentwickelt.

Es ist mir wichtig zu betonen: Der neue Studiengang ist ein komplementäres Angebot. Mit dem bereits bestehenden Bachelor in Sozialer Arbeit verfügt das Departement Soziale Arbeit über einen bewährten Studiengang mit derzeit 815 Studierenden, in welchem die Vertiefung in eines der drei klassischen Berufsfelder Sozialarbeit, Soziokultur und Sozialpädagogik möglich ist. Der bisherige Bachelor stösst aufgrund seiner Grösse und Komplexität aber an natürliche Grenzen, sodass wir uns für ein zusätzliches und neuartiges Angebot entschieden haben.

Zum Abschluss: In der Serie «Doppelleben» porträtieren wir Mitarbeitende abseits ihrer Arbeit am Departement. Was könnte man über Sie Spannendes erfahren?

Ich weiss nicht, ob ich für einen «Doppelleben»-Beitrag spannend genug bin. Ich bin unter anderem leidenschaftliche Berggängerin und gehe in die Berge, sooft ich kann.

Von Roger Ettlin
Veröffentlicht: 20. Juni 2022

Dorothee-Guggisberg-Profilbild

Prof. Dorothee Guggisberg

Dorothee Guggisberg ist seit 2016 Direktorin der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Zuvor war sie in verschiedenen Arbeitsfeldern und Positionen im Sozialwesen und der Entwicklungszusammenarbeit sowie als Dozentin und stellvertretende Abteilungsleiterin an der Berner Fachhochschule tätig. Mehrerer Jahre verantwortete sie zudem die Geschäftsführung der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe SKOS. Sie verfügt unter anderem über einen Executive Master of Public Administration der Universität Bern.

Bilden Sie sich aus und weiter: Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit bietet Bachelor- und Master-Studiengänge sowie Weiterbildungsangebote in den Richtungen Sozialpädagogik, Soziokultur und Soziale Arbeit.

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