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Soziale Arbeit anderswo – das Austauschprogramm CIF verschafft Einblicke und Erfahrungen

Soziale Arbeit anderswo – das Austauschprogramm CIF verschafft Einblicke und Erfahrungen

Seit den 1950er-Jahren engagiert sich die Organisation CIF (Council of International Fellowship) weltweit für den Austausch von Fachkräften der Sozialen Arbeit. Ein Einblick in die Gründung der Organisation und in die Arbeit, Erfahrungen und das Programm von CIF Switzerland mit den Vorstandsmitgliedern Ursula Keller und Marisa Tejo.

Initiator der internationalen Austauschprogramme ist der nach Amerika ausgewanderte deutsche jüdische Anwalt Dr. B. Henry Ollendorf (1907–1979). Als er unter dem nationalsozialistischen Regime seine Arbeitsberechtigung verlor, immigrierte er 1938 nach Amerika und studierte in Cleveland Soziale Arbeit. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1956 gründete Ollendorf das «Council of International Programs for Youth Leaders and Social Workers». Es sollte als Austauschprogramm für deutsche Sozial- und Jugendarbeitende dienen, die im Rahmen der Reeducation Deutschlands einen sechsmonatigen Arbeitsaufenthalt in den USA machen wollten.

Als Überlebender des Holocaust war es dem Gründer Henry Ollendorf ein Anliegen und seine Grundmotivation, Friedensarbeit zu leisten und ein Forum für den internationalen Erfahrungsaustausch zu schaffen und damit den weltweiten Frieden zu fördern. Seit 1960 gibt es nun den weltweiten Verbund CIF International, dem 30 Landesvertretungen mit über 1000 Mitgliedern angehören. Sie alle setzen sich dafür ein, dass die internationalen Programme im Sinne des Gründers umgesetzt werden.

Als Gast(-familie) in andere Welten eintauchen

Die Organisation in der Schweiz wurde 1980 gegründet und hat rund 30 Mitglieder, die das Landesprogramm der Schweiz für den internationalen Fachkräfteaustausch organisieren und die Schweiz im Gremium von CIF International vertreten. Zielgruppe für das hiesige Programm sind Sozialarbeitende weltweit, die einen professionellen Austausch und Einblicke in das System der Sozialen Arbeit der Schweiz suchen.

Ursula Keller, seit rund zehn Jahren bei CIF Switzerland engagiert, bietet internationalen Gästen temporär ein Zuhause. Sie hat als Gastmutter wertvolle Erfahrungen gesammelt und schätzt die positiven und bereichernden Begegnungen. «Es ist so spannend, Gastmutter zu sein», erzählt sie. Mit fast allen Besucher*innen – aus Neuseeland, Finnland, der Türkei oder geflüchteten Syrern aus Schweden – pflegt sie bis heute noch Kontakt.

Marisa Tejo, aktuell Co-Präsidentin von CIF Switzerland, durfte umgekehrt 2022 als Teilnehmerin an einem Austauschprogramm nach Argentinien reisen. «Ich fühle mich immer noch beflügelt von den vielfältigen Einblicken in das System der Sozialen Arbeit in Argentinien, in die Arbeit der Familienhilfe und des Kindesschutzes», erzählt sie. So lernte sie den Berufsverband für Soziale Arbeit in Argentinien kennen, besuchte die Fakultät für Soziale Arbeit in Buenos Aires, nahm Einblicke in ein Zentrum für Familienarbeit, Kindesschutz und Krisenintervention in Tigre, tauschte sich mit Kolleg*innen der Schulsozialarbeit einer Primar- und Sekundarschule aus und machte eine gemeinsame Fallintervision zu einer Krisensituation in einem Krankenhaus. «Besonders beeindruckt haben mich der interdisziplinäre Austausch in Argentinien, die Zuversicht und der Humor, der in den Teams zu spüren war, trotz der zum Teil sehr schwierigen Situationen und Krisen in den Familien. Eindrücklich war auch der Glaube aller, dass es gut kommen wird», sagt Marisa Tejo.

CIF Switzerland öffnet seine Tore

Im Frühling 2023 bietet CIF Switzerland ein vierzehntägiges Austauschprogramm für internationale Teilnehmer*innen mit Einblicken in die Soziale Arbeit der Schweiz an. Untergebracht in Gastfamilien, setzen sich die Gäste aus aller Welt mit dem System Soziale Arbeit und soziale Sicherung, Schwerpunkt Kind Jugend und Familie, auseinander und besuchen Praxisorganisationen. Einen Schwerpunkt des Programms 2023 bildet der Austausch über Methoden und Ansätze der Sozialen Arbeit sowie über die eigenen Praxiserfahrungen. Ausserdem spielen die kulturellen, gesellschaftlichen Einblicke in das jeweilige Land und der Zusammenhalt in der gemeinsam reisenden Gruppe eine grosse Rolle.

Vision und Aussichten

Die beiden Vorstandsmitglieder Ursula Keller und Marisa Tejo wünschen sich für die Zukunft von CIF Switzerland vor allem eine umfassende Bekanntheit der Organisation und eine entsprechende Nutzung. Sie formulieren ihre Vision davon so, «dass noch viel mehr Fachkräfte der Sozialen Arbeit von unserer Organisation wissen, dass sie die Möglichkeit eines internationalen Austauschs kennen und nutzen, dass unsere Bekanntheit wächst und wir auf neue Mitglieder zählen können.» Eine verstärkte Kooperation mit den Fachhochschulen und Ausbildungsstätten der Sozialen Arbeit schweizweit könnte viel dazu beitragen in Zukunft.

Von Annette Dietrich
Bild: Pixabay
Veröffentlicht: 21. November 2022

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Annette Dietrich

Annette Dietrich ist Dozentin und Projektleiterin im Bereich der Ausbildung. Sie ist verantwortlich für die Praxisausbildung und den internationalen Austausch für Studierende und Forschende.

Wie funktioniert die Soziale Arbeit in anderen Ländern? Falls du interessiert bist an einem internationalen Austausch, findest du in den Programmen von CIF spannende und vielseitige Möglichkeiten in über 20 Ländern. Teilnahmebedingung sind eine Ausbildung in Sozialer Arbeit und zwei Jahre Berufserfahrung.

Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit unterstützt neben dem Austauschprogramm auch Praktika im Ausland und unterhält Partnerschaften mit anderen Hochschulen. Informiere dich über deine Möglichkeiten für einen internationalen Austausch.

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