Was kann die Soziokulturelle Animation zu einem wirksamen Betrieblichen Gesundheitsmanagement beitragen? Die Bachelorarbeit von Maurice Kuchen zeigt, wie Unternehmen Gesundheitsförderung partizipativ gestalten und Mitarbeitende stärker einbeziehen können.
Ein Unternehmen organisiert einen Workshop zum Umgang mit Stress. Er wird gut besucht und kommt bei den Mitarbeitenden an. Doch einige Wochen später ist der Zeitdruck noch immer hoch, und an den belastenden Arbeitsabläufen hat sich nichts geändert.
Das Beispiel macht deutlich: Einzelne Angebote reichen für ein wirksames Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) selten aus. Die Bachelorarbeit von Maurice Kuchen zeigt, dass es Strukturen braucht, in denen Mitarbeitende ihre Arbeitsbedingungen mitgestalten können. Sie untersucht, welchen Beitrag die Ansätze und Methoden der Soziokulturellen Animation (SKA) dazu leisten können.
Die Bachelorarbeit von Maurice Kuchen «Soziokulturelle Animation im Betrieblichen Gesundheitsmanagement – Soziale Arbeit als Impulsgeberin für ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement» kann in der Soziothek heruntergeladen werden.
Viele Unternehmen investieren in Bewegungsangebote, Workshops oder Resilienztrainings. Solche Massnahmen sind sinnvoll. Entscheidend ist jedoch, ob Gesundheitsförderung im Arbeitsalltag spürbar wird und Mitarbeitende sie aktiv mitgestalten können. Mitarbeitende wissen meist am besten, welche Abläufe sie belasten und wo Veränderungen im Alltag ansetzen müssten.
Maurice Kuchen verbindet dabei gesundheitliche und soziale Perspektiven. Nach seiner Ausbildung zum Fachmann Gesundheit studierte er Soziokulturelle Animation. «Das Betriebliche Gesundheitsmanagement fasziniert mich schon seit längerer Zeit», sagt er. «Für mich stellt es die ideale Verbindung zwischen der Förderung der Gesundheit von Menschen und dem wirtschaftlichen Nutzen für Unternehmen dar.»
«Es sollte nicht Partizipation versprochen werden, obwohl schon alles entschieden ist.»
Partizipation gehört mittlerweile zum Vokabular vieler Organisationen. In der Praxis beschränkt sie sich jedoch häufig auf Mitarbeitendenbefragungen oder einzelne Workshops. Eine grosse Stärke der Soziokulturellen Animation liegt für Kuchen in der Erfahrung mit partizipativen Prozessen.
«Entscheidet sich ein Betrieb für Partizipation, muss von Anfang an transparent sein, wie weit die Beteiligung reicht», erklärt er. Werden Mitarbeitende lediglich informiert oder angehört? Oder können sie tatsächlich mitgestalten und mitentscheiden? «Es sollte nicht Partizipation versprochen werden, obwohl am Schluss eigentlich schon alles entschieden ist.»
Bei einer neuen Schichtplanung könnten Mitarbeitende beispielsweise frühzeitig einbezogen werden, statt erst ein fertiges Modell beurteilen zu dürfen. Gemeinsam könnten sie prüfen, welche Lösung den betrieblichen Anforderungen und ihren Bedürfnissen möglichst gut entspricht.
Methoden der Soziokulturellen Animation helfen dabei, das Wissen und die Erfahrungen der Mitarbeitenden nutzbar zu machen:
Partizipative Methoden allein garantieren noch kein erfolgreiches BGM. «Betriebliches Gesundheitsmanagement muss langfristig gedacht sein», betont Kuchen. Entscheidend sei, dass die Geschäftsleitung die Gesundheit der Mitarbeitenden als Führungsaufgabe verstehe und dies im Alltag vorlebe.
BGM sollte deshalb strukturell im Betrieb verankert sein: mit klaren Zuständigkeiten, nachvollziehbaren Zielen und aufeinander abgestimmten Massnahmen. Wichtig ist Kuchen zudem, dass auch kleinere Unternehmen Zugang zu umsetzbaren und finanzierbaren Angeboten erhalten.
Im Alltag treffen wirtschaftliche Ziele und das Bedürfnis nach gesunden Arbeitsbedingungen aufeinander. Fachpersonen der SKA können dafür sorgen, dass Geschäftsleitung, Führungskräfte und Mitarbeitende miteinander ins Gespräch kommen. Sie moderieren den Austausch, machen unterschiedliche Interessen sichtbar und unterstützen die Beteiligten dabei, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Sie können beispielsweise gemeinsam mit Mitarbeitenden Belastungen analysieren, Workshops moderieren oder bei der Entwicklung neuer Arbeitsabläufe mitwirken. Wichtig ist, den vorhandenen Handlungsspielraum von Anfang an offenzulegen.
Ein wirksames BGM setzt bei den konkreten Belastungen im Betrieb an. Mitarbeitende sollten an den Lösungen mitarbeiten können, während die Verantwortung für deren Umsetzung klar geregelt bleibt. Entscheidend ist zudem, regelmässig zu prüfen, ob sich im Arbeitsalltag tatsächlich etwas verbessert hat.
Die Bachelorarbeit von Maurice Kuchen zeigt, wie die Ansätze und Methoden der Soziokulturellen Animation das Betriebliche Gesundheitsmanagement bereichern können. Ihre Stärke liegt darin, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und Beteiligungsprozesse glaubwürdig zu gestalten.
Beitrag von: Roger Ettlin
Bild: GettyImages von Maskot
Veröffentlicht: 15. September 2026
CAS Gesundheitsförderung und BGM in Organisationen
Der CAS richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die sich mit Gesundheitsförderung und betrieblichem Gesundheitsmanagement in ihren Organisationen befassen. Der Studiengang vermittelt praxisnahe Methoden zur Analyse und Verbesserung gesundheitsrelevanter Arbeitsbedingungen. Schwerpunkte sind unter anderem die Identifikation physischer und psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, die Entwicklung von Präventionsstrategien sowie die Implementierung nachhaltiger BGM-Konzepte.
Mehr Infos: Webseite CAS Gesundheitsförderung und BGM in Organisationen
Infoveranstaltung: Mittwoch 25. November um 17 Uhr (Online)
Programmstart: 29. April 2027
Bachelor in Sozialer Arbeit, Studienrichtung Soziokultur
Das Bachelor-Studium vermittelt das Basiswissen für alle Bereiche der Sozialen Arbeit und fokussiert dann auf die drei Studienrichtungen Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Soziokultur. Soziokulturelle Animatorinnen und Animatoren ermutigen und motivieren unterschiedliche Menschen oder Gruppen von Menschen zur aktiven Gestaltung von Lebensräumen in Bildung, Sozialem, Politik und Kultur.
Weitere Informationen: Webseite zum Bachelor in Sozialer Arbeit
Infoveranstaltung: Hier anmelden
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