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Social Distancing: wenn physische Distanz zu psychischer Distanz wird

Social Distancing: wenn physische Distanz zu psychischer Distanz wird
Image by Tim Mossholder from Pexels

Lesezeit 5′ Minuten // Ein Beitrag von Katharina Neumann

Eine repräsentative Studie des Instituts für Kommunikation und Marketing IKM der Hochschule Luzern untersucht, wie sich das Konsum- und Freizeitverhalten der Schweizer Bevölkerung durch die Coronakrise langfristig verändert. In den ersten beiden Befragungsrunden konnte das Forschungsteam um Dominik Georgi, Marcel Zbinden, Carmen Grebmer und  Larissa Dahinden einen klaren Trend zu mehr regionalem Konsum ausmachen. Einen Einblick in weitere Ergebnisse der ersten beiden Messungen erhalten Sie unserem Blogbeitrag mit dem Titel „Swissness: Wie Corona regionalen Konsum fördert“.

Ergebnisse der dritten Messung

Die dritte Messung, welche vom 21. Oktober bis 03. November lanciert wurde, gibt nun Aufschluss darüber wie sich das Zusammenleben der Schweizer Bevölkerung seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie verändert hat. 

Die Ergebnisse zeigen: Physische Distanz führt zu psychischer Distanz, denn die Bevölkerung spürt seit dem Lockdown ein Auseinanderdriften. Aufgrund weitgreifender Veränderungen in den gesellschaftlichen Alltag wie beispielsweise Home Office, Home Schooling und diverser abgesagter Veranstaltungen und die damit einhergehende Einschränkung sozialer Kontakte, stimmen drei von vier Befragten der Aussage zu, dass die zwischenmenschliche Distanz grösser geworden ist. Das Wohlbefinden der Bevölkerung sei stark von sozialen Interaktionen abhängig, so Marcel Zbinden, Co-Autor der Studie und Wirtschaftspsychologe an der Hochschule Luzern. Die Transformation von analog zu digital ist zwar nicht gänzlich neu, jedoch lassen sich bestimmte Gemeinschaftserlebnisse, wie beispielsweise Geburtstag oder Kinobesuche, nur schwer in die digitale Welt überführen. 

Ergebnisse der dritten Messung: Einfluss der Coronakrise auf das Zusammenleben der Gesellschaft

Das Auseinanderdriften der Gesellschaft wird besonders stark von selbständig Erwerbenden, Nichterwerbstätigen und Personen, die sich Sorgen um ihre finanzielle Situation machen, wahrgenommen. Obwohl regionale Unterschiede der Massnahmen zur Eindämmung des Corona Virus bestehen, zeigen die Studienresultate ein überraschend einheitliches Bild zwischen den Regionen: eine vergrösserte zwischenmenschliche Distanz wird von zwischen 79 Prozent der Befragten in der Nordwestschweiz bis 69 Prozent der Befragten in der Zentralschweiz in der ganzen Schweiz ausgeprägt wahrgenommen.

Aus den Augen, aus dem Sinn? 

Wie wirkt sich die soziale Distanz auf unsere Kommunikation, das Vertrauen zu unseren Mitmenschen und unser Zusammenleben aus? Rund die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Menschen während der Corona-Pandemie generell weniger miteinander kommunizieren als zuvor. Ebenso glauben rund 50% der Studienteilnehmenden, dass die gegenseitige Toleranz und das Vertrauen zueinander abgenommen haben. Viele Menschen fühlen sich zunehmend verunsichert, hinsichtlich der Auswirkungen und Gefahr des Virus und der damit zusammenhängenden Notwendigkeit der Maßnahmen. Laut Dominik Georgi, Mitverfasser der Studie, führt dies dazu, dass sich Menschen unterschiedlichen Meinungslagern anschliessen und das Verständnis für Angehörige einer anderen Meinungsgruppe immer weiter abnimmt.

Gerade auf Social Media bewegen sich die Menschen noch viel stärker in Filterblasen als in der analogen Welt

Prof. Dr. Dominik Georgi, Co-Studienautor

Doch nicht nur unsere Kommunikationsfrequenz hat sich durch Corona verändert. Auch soziale Medien erhalten durch den vermehrten Aufenthalt in den eigenen vier Wänden, ein stärkeres Gewicht. «Gerade auf Social Media bewegen sich die Menschen noch viel stärker in Filterblasen als in der analogen Welt», so Dominik Georgi.

Wie erleben Sie die aktuelle Situation? Haben Sie das Gefühl, dass wir einander gegenüber misstrauischer geworden sind? Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar.

Neben Veränderungen im gesellschaftlichen Zusammenhalt wurden im Rahmen der Studie weitere Aspekte der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit betrachtet. So beispielsweise wie sich das Gesundheitsbewusstsein der Gesellschaft entwickelt hat. Alle Ergebnisse erhalten Sie im Studienbericht auf unserer Website.


Referenzen


Informationen zur Autorin

Katharina Neumann

Master-Assistenz für den Studiengang Business Psychology und Studentin MSc Business Administration in der Vertiefung Online Business & Marketing an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

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