21. Oktober 2026
Die meisten Controlling-Abteilungen wissen sehr genau, wie gut ihre Zahlen sind, aber erstaunlich wenig darüber, wie gut ihre Controlling-Rollenprofile und Controlling-Kompetenzen zu den Aufgaben von morgen passen. Mit dem Projekt «Future Skills im Controlling» am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern machen wir diese Lücke messbar – nicht nur für die einzelne Controlling-Abteilung, sondern auch im Vergleich zu anderen Controlling-Abteilungen und zeigen Lösungswege auf. Dafür suchen wir noch weitere Unternehmen, die als Projektpartner mitwirken.
Das Controlling erlebt den grössten Umbruch seit der Einführung integrierter ERP-Systeme. Generative KI kommentiert Abweichungen, Machine Learning erstellt Forecasts, und Datenplattformen liefern Informationen in Echtzeit. Die Wertschöpfung verschiebt sich vom Aufbereiten von Zahlen hin zum Einordnen, Hinterfragen und Beraten. Wer nicht weiss, wo sein Team bei Daten, KI und Business Partnering steht, kann weder gezielt weiterbilden noch sinnvoll rekrutieren und riskiert, dass teure Technologie-Investitionen an fehlenden Fähigkeiten scheitern.
Fundament des Projekts ist unser Playbook «Future Skills im Controlling». Auf seinen Kompetenzbereichen basiert ein Kompetenz- und Rollen-Assessment, das wir am IFZ entwickelt und in Workshops mit der Praxis geschärft haben. Für die Controlling-Rollen eines zukunftsfähigen Controllings, vom Business Partner über datenorientierte Rollen bis hin zur Führung, ist ein forschungsbasiertes Soll-Profil hinterlegt. Die Erhebung ist schlank und verknüpft die Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden mit der Einschätzung ihrer Führungskraft. Daraus entsteht ein klares Bild, wie gut die Kompetenzen zur Rolle passen, wo Lücken liegen und wo Selbst- und Fremdbild auseinandergehen, übersetzt in einen konkreten Entwicklungsplan.
Um das greifbar zu machen, haben wir das Tool mit Daten der fiktiven Lindenfeld Industrie AG gefüllt, deren Controlling 17 Personen in vier Teams umfasst. Die erste Auswertung ordnet die Ergebnisse den 8 Kompetenzbereichen des Playbooks zu.

Mit einem Rollenfit von 84 Prozent ist das Team solide aufgestellt, im klassischen Controlling-Handwerk erreicht es sein Soll fast vollständig. Die grösste Lücke liegt bei den KI-Kompetenzen und gerade dort schätzen sich die Mitarbeitenden spürbar besser ein als ihre Vorgesetzten. Zudem zeigen sich zwei Welten: Die Datenspezialisten sind technisch stark, aber schwächer im Business-Verständnis, bei den klassischen Controllern ist es umgekehrt.
Auch einzelne Controlling-Rollen lassen sich gezielt auswerten. Die Leiterin Finance Transformation weist im Rollenprofil Change Agent einen Rollenfit von 87 Prozent auf; die Abbildung zeigt einen Ausschnitt mit den grössten Lücken.

Am deutlichsten fällt Human-AI Collaboration & Workflow Design ab. Wer Transformation heute treibt, muss gestalten können, welche Aufgaben künftig Menschen und welche KI-Assistenten übernehmen. Der Entwicklungsplan setzt genau hier an mit einem Piloten, in dem der Monatsabschluss neu aufgeteilt wird.
Ein Rollenfit von 84 Prozent sagt für sich allein wenig aus. Erst der Vergleich zeigt, ob ein Wert gut ist und ob eine Lücke branchenüblich ist oder ob die eigene Abteilung zurückfällt. Deshalb ist das Benchmarking der Kern des Projekts. Wie ein solcher Vergleich aussehen kann, zeigt die folgende Illustration mit fiktiven Daten von 24 Controlling-Abteilungen.

Der Vergleich verschiebt die Interpretation deutlich. Die KI-Lücke ist branchenüblich, Lindenfeld liegt hier sogar über dem Median. Der eigentliche Handlungsbedarf liegt im Business-Verständnis, in dem die Abteilung ins untere Quartil fällt. Ein Befund, der ohne Benchmark verborgen geblieben wäre und die Weiterbildungsprioritäten verändert hätte. Für CFOs liefert das ein belastbares Argument für Weiterbildungsbudgets, neue Rollen und Rekrutierungsprofile. Und je mehr Unternehmen teilnehmen, desto feiner werden die Vergleichsgruppen, etwa nach Branche oder Unternehmensgrösse.
Wir laden CFOs und Controlling-Verantwortliche ein, mit ihren Abteilungen zu Projektpartnern zu werden. Sie erhalten eine individuelle Auswertung, einen Vergleich mit dem anonymisierten Benchmark und einen Ergebnisworkshop, in dem wir gemeinsam die wichtigsten Entwicklungsfelder ableiten und Lernpfade für die Mitarbeitenden aufzeigen.
Wenn Sie wissen möchten, wie zukunftsfähig Ihre Controlling-Abteilung aufgestellt ist und wie sie sich im Vergleich zu anderen positioniert, freue ich mich auf Ihre Nachricht an ulrich.egle@hslu.ch. Gerne zeige ich Ihnen das Tool und das hier beschriebene Beispiel in einem kurzen Gespräch.
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