26. Mai 2026
Wie reagieren institutionelle Investoren auf Anlagenotstand, geopolitische Spannungen und strukturelle Veränderungen im Immobilienmarkt? Diese Fragen standen im Zentrum der Fachkonferenz «Real Estate Investment und Asset Management 2026» an der Hochschule Luzern. Unter dem Leitthema «Erfolgreiche Investitionsstrategien in Zeiten von Anlagenotstand und geopolitischen Herausforderungen» diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Investment, Asset Management, Forschung und institutioneller Anlagepraxis über aktuelle Marktentwicklungen, neue Opportunitäten und strategische Herausforderungen.
Ein Artikel von: Jonas Haab
Bereits in seiner Begrüssung machte Prof. Dr. Michael Trübestein (HSLU) deutlich, dass sich die Immobilienbranche zunehmend in einem Spannungsfeld zwischen hohem Kapitaldruck, geopolitischer Unsicherheit und regulatorischen Eingriffen bewegt. Gleichzeitig bleibe die Schweiz aufgrund ihrer Stabilität und der weiterhin tiefen Zinsen ein attraktiver Markt für institutionelle Investoren.
Den Auftakt machte Tim Menzel von der Baloise Asset Management AG mit seinem Vortrag über den Anlagenotstand bei Schweizer Investoren. Er zeigte auf, dass weiterhin enorme Mengen Kapital auf der Suche nach geeigneten Immobilienanlagen seien. Besonders Wohnimmobilien stünden stark im Fokus institutioneller Anleger. Gleichzeitig nehme das Angebot ab, wodurch sich der Wettbewerb zusätzlich verschärfe.
Gleichzeitig bleiben laut Menzel die fundamentalen Treiber intakt: starkes Bevölkerungswachstum, Migration, tiefe Leerstände und rückläufige Neubautätigkeit stützen den Schweizer Wohnimmobilienmarkt weiterhin nachhaltig.

Im Anschluss präsentierten Prof. Dr. Michael Trübestein und Alina Kassl (HSLU) die Ergebnisse der aktuellen Fachstudie «Real Estate Investment und Asset Management 2026». Die Studie basiert auf den Antworten von 140 Institutionen aus dem DACH-Raum mit einem Kapitalanlagevolumen von CHF 1’522 Milliarden und einem Immobilienvermögen von CHF 557 Milliarden. Der Fokus lag dabei klar auf Schweizer Institutionen und Pensionskassen.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass direkte Immobilienanlagen in der Schweiz weiterhin bevorzugt werden. Der sogenannte «Home Bias» bleibt stark ausgeprägt. Institutionelle Investoren erhöhen insbesondere ihre Allokationen in direkte Schweizer Immobilien, während Auslandsinvestitionen teilweise zurückhaltender beurteilt werden.
Als wichtigste Einflussfaktoren auf die Immobilienstrategie nannten die Studienteilnehmenden die Zinsentwicklung, regulatorische Eingriffe, politische Unsicherheiten sowie ESG-Anforderungen.

In der anschliessenden Paneldiskussion diskutierten Romano Gruber (PPCmetrics), Dr. Fabian Steiner (Zuger Pensionskasse), Ivo Vögtli (comPlan – Pensionskasse Swisscom) sowie Prof. Dr. Michael Trübestein über die Folgen der aktuellen Marktentwicklung für institutionelle Investoren.
Im Zentrum standen die steigende Regulierung, der enorme Wettbewerbsdruck und die Frage, wie Pensionskassen künftig noch attraktive Renditen erzielen können. Besonders hervorgehoben wurde die Herausforderung, trotz hoher Bewertungen und begrenztem Angebot langfristig stabile Erträge zu sichern.

Nach der Kaffeepause sprach Andreas Dal Santo von der Swiss Finance & Property Group über Opportunitäten im Immobilieninvestment und -management. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, wie sich institutionelle Investoren im aktuellen Marktumfeld differenzieren können.
Dal Santo betonte, dass Struktur und professionelles Asset Management zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor würden. Der Markt sei geprägt von hohem Kapitaldruck, sinkendem Angebot und einer steigenden Kompromissbereitschaft der Investoren. Gleichzeitig erschweren Verdichtungsvorgaben, regulatorische Eingriffe und höhere Baukosten die Entwicklung neuer Projekte.
Seine zentrale Botschaft: Wer langfristig erfolgreich investieren wolle, müsse den gesamten Immobilienlebenszyklus strategisch steuern und operative Exzellenz stärker in den Mittelpunkt rücken.
Dr. Daniel Heine von Patrimonium AG widmete sich anschliessend dem Schweizer Hypothekarmarkt als Investment-Opportunität. Er zeigte auf, dass der Markt mit rund CHF 1.2 Billionen Volumen weiterhin stabil wachse und stark von Wohn- sowie Gewerblichen Immobilien geprägt sei.
Besonders spannend sei die Entwicklung bei institutionellen Investoren: Aufgrund steigender Eigenkapitalanforderungen würden Banken das Wachstum ihres Hypothekargeschäfts zunehmend drosseln. Dadurch entstünden langfristige Finanzierungslücken, die Pensionskassen, Versicherungen und alternative Kreditgeber verstärkt nutzen könnten.
Heine machte deutlich, dass Hypotheken für institutionelle Anleger zunehmend eine attraktive Alternative zu klassischen Immobilienanlagen darstellen, insbesondere aufgrund stabiler Cashflows und planbarer Renditen.
Daniel Tomaselli von Principal Asset Management analysierte anschliessend die Investmentmärkte rund um Data Center, Logistikimmobilien und Light Industrial. Diese Segmente profitieren weiterhin stark von Digitalisierung, E-Commerce und dem strukturellen Wandel globaler Lieferketten.
Besonders Data Center würden aufgrund der zunehmenden Bedeutung künstlicher Intelligenz und wachsender Datenmengen weiter an Relevanz gewinnen. Gleichzeitig bleibe urbane Logistik ein attraktiver Markt, da die Nachfrage nach schnellen und dezentralen Lieferstrukturen weiter steige.
Peter Karl von ERSTE Asset Management gab einen umfassenden Überblick über die Immobilienmärkte in Zentraleuropa. Dabei zeigte er auf, dass insbesondere Tschechien, Polen, Ungarn und die Slowakei weiterhin attraktive Wachstumsraten aufweisen.
Die Erste Asset Management verwaltet mittlerweile über EUR 6 Milliarden in Immobilienfonds in der Region und verfügt über eine starke lokale Präsenz. Karl betonte, dass lokales Marktverständnis gerade in volatilen Zeiten entscheidend sei.
Während Österreich weiterhin mit schwächerem Wachstum kämpfe, würden insbesondere Polen und Tschechien von robusten wirtschaftlichen Entwicklungen profitieren. Gleichzeitig bleibe die Region aufgrund attraktiver Bewertungen und langfristiger Fundamentaldaten für internationale Investoren interessant.

Am Nachmittag ordnete Prof. Dr. Stefan Kull die weltwirtschaftlichen Entwicklungen ein. Im Fokus standen die geopolitischen Spannungen zwischen den USA, China und Europa sowie deren Auswirkungen auf Finanzmärkte und Immobilieninvestitionen.
Kull machte deutlich, dass geopolitische Risiken mittlerweile einen ähnlich grossen Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben wie Zinspolitik oder Inflation. Gleichzeitig bleibe die Schweiz aufgrund ihrer Stabilität und Währungsstärke ein sicherer Hafen für Investoren.
Im letzten Konferenzblock diskutierten Severin Butz (Asia Green Real Estate AG), Zoltan Szelyes (Macro Real Estate AG), Christian Zoss (Avadis Vorsorge AG) sowie Prof. Dr. Wolfgang Speckhahn über erfolgreiche Immobilienstrategien im aktuellen Marktumfeld.
Die Diskussion zeigte deutlich, dass regionale Unterschiede künftig noch stärker berücksichtigt werden müssen. Während Asien und ausgewählte europäische Märkte weiterhin attraktive Opportunitäten bieten, stehen andere Regionen unter zunehmendem Druck. Gleichzeitig gewinnen alternative Nutzungsarten, Nischenmärkte und spezialisierte Immobiliensegmente weiter an Bedeutung.

Zum Abschluss fasste Prof. Dr. Michael Trübestein die zentralen Erkenntnisse der Konferenz zusammen. Deutlich wurde, dass institutionelle Investoren weiterhin vor grossen Herausforderungen stehen: hoher Kapitaldruck, geopolitische Unsicherheiten, zunehmende Regulierung und strukturelle Marktveränderungen prägen die Branche nachhaltig. Gleichzeitig eröffnen sich neue Opportunitäten in spezialisierten Immobiliensegmenten, alternativen Finanzierungsformen und internationalen Märkten.
Neben den Fachvorträgen stand auch 2026 der persönliche Austausch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Konferenz bot erneut eine wichtige Plattform für Diskussionen, Networking und die gemeinsame Analyse zukünftiger Entwicklungen im Immobilieninvestment und Asset Management.
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