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Finanzwissen am HSLU-Tag der offenen Tür: Gebühren als blinder Fleck

Wie gut ist das Finanzwissen der Schweizer Bevölkerung? Eine explorative Ad-hoc-Umfrage anlässlich des Tags der offenen Tür der Hochschule Luzern liefert interessante Einblicke: Bei zentralen Themen wie Diversifikation, Inflation und Zinseszins ist das Wissen erfreulich hoch. Deutlich Unsicherheiten bestehen jedoch hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von Kosten und Gebühren von Finanzanlagen.

Finanzwissen am HSLU-Tag der offenen Tür: Gebühren als blinder Fleck

Dr. Carlo Pugnetti und Dr. Brian Mattmann

Am 20. Juni 2026 öffnete die Hochschule Luzern anlässlich der Eröffnung des neuen Gebäudes «Perron» in Luzern ihre Türen für die Öffentlichkeit. Auch das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ war mit einem Stand vertreten und lud die Besucherinnen und Besucher dazu ein, ihr Finanzwissen in einer digitalen Umfrage zu testen. Die Teilnehmenden konnten zehn Finanzfragen beantworten. Direkt im Anschluss konnten sie sehen, wie sie im Vergleich zu den übrigen Besucherinnen und Besuchern abschnitten. Insgesamt nahmen 123 Personen an der Umfrage teil. Demografische Angaben wie Alter, Geschlecht oder weitere Merkmale wurden nicht erhoben. Die Umfrage ist daher weder als wissenschaftlich kontrollierte Studie konzipiert noch ist das Sample repräsentativ. Dennoch wagen wir einen deskriptiven Blick auf die Daten – denn dabei zeigen sich einige interessante Muster.

Gutes Know-how bei Kernthemen

Mehr als 90% der Befragten konnten drei Fragen zu zentralen Finanzthemen korrekt beantworten. Besonders die positiven Effekte einer Diversifizierung waren nahezu allen Teilnehmenden bekannt. Auch die Liquiditätsrisiken langfristiger Investments sowie die Bedeutung, das Portfolio auf den Zeithorizont der eigenen Verbindlichkeiten abzustimmen, sind gut verankert. Ebenso erkannten die Teilnehmenden weitgehend den positiven Effekt des Zinseszinses – also die Möglichkeit, Zinsen auf bereits erwirtschaftete Zinsen zu erzielen. Wir interpretieren die Ergebnisse dahingehend, dass die Besucherinnen und Besucher insgesamt über eine solide Basis an Finanzwissen verfügen. Zentrale Zusammenhänge rund um Diversifizierung, langfristiges Investieren und den Zinseszins waren einem grossen Teil der Teilnehmenden bekannt.

Leichte Unsicherheiten bei Systemfragen

Bei vier weiteren Themen lag der Anteil der korrekten Antworten bei über 80%. Dazu gehört der Einfluss der Inflation auf die Kaufkraft: Hier zeigt sich bei den Teilnehmenden eine relativ hohe Sensibilität für den damit verbundenen Kaufkraftverlust. Gut verstanden wird zudem ein wichtiger Aspekt von Anlageentscheidungen: Den optimalen Zeitpunkt für ein Investment zu bestimmen, ist schwierig; 87% der Befragten beantworteten diese Frage korrekt. Im Vergleich zu diesen beiden Themen scheint das Wissen über das Schweizer Vorsorgesystem leicht weniger ausgeprägt. Trotzdem konnten mehr als 80% der Befragten die beiden Fragen zur Anzahl der Säulen und deren Bezeichnungen richtig beantworten. Insgesamt deuten die Ergebnisse auch bei diesen Themen auf ein solides Grundverständnis hin – beim Vorsorgesystem zeigt sich im Quervergleich jedoch noch Potenzial zur Vertiefung des Wissens.

Das Wissen zu Finanzgebühren ist vergleichsweise tief

Bei drei Fragen zeigt sich deutliches Verbesserungspotenzial, sie wurden auffallend seltener korrekt beantwortet als die übrigen Fragen. Einerseits wussten lediglich 62% der Befragten, dass Personen, die besonders häufig handeln, nicht automatisch höhere Renditen erzielen. Ein Grund dafür könnte sein, dass häufiges Handeln teilweise mit höherer Expertise und damit auch mit höheren Renditen gleichgesetzt wird.

Andererseits – und das ist eine besonders interessante Erkenntnis –, wurden die Fragen zu den Kosten von Finanzanlagen deutlich seltener korrekt beantwortet. Nur 61% der Befragten waren sich der langfristig negativen Auswirkungen von Gebühren bewusst. Noch weniger konnten einschätzen, ob jährliche Gebühren von 1.5% für einen Aktienfonds im Branchenvergleich als hoch einzustufen sind: Lediglich die Hälfte der Befragten beantwortete diese Frage korrekt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass gerade bei Kosten und Gebühren noch deutliches Potenzial zur Vertiefung des Finanzwissens besteht. Insbesondere könnte das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass selbst scheinbar geringe Gebühren die langfristige Anlageperformance spürbar beeinflussen können.

Diese Erkenntnis deckt sich mit den Ergebnissen einer repräsentativen HSLU-Studie zu börsengehandelten Fonds (Exchange-Traded Funds, kurz ETFs): Diese zeigt, dass Schweizer Anlegende den Kosten von Finanzanlagen zwar eine hohe Bedeutung beimessen, rund zwei Drittel die Höhe von Finanzgebühren jedoch kaum einschätzen können. Ein möglicher Grund liegt in der Darstellung der Gebühren: Diese werden meist in Prozent angegeben, wodurch vielen Privatanlegenden eine konkrete Vergleichsbasis fehlt. Entsprechend fällt es ihnen schwer, die tatsächliche Höhe und die langfristigen Auswirkungen von Gebühren einzuordnen. Dies kann dazu führen, dass selbst hohe Produktgebühren die Anlagebereitschaft nur begrenzt beeinflussen.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmenden am Tag der offenen Tür der Hochschule Luzern bei grundlegenden Finanzthemen insgesamt gut aufgestellt sind. Besonders bei Diversifikation, Zinseszins und Inflation ist das Wissen vergleichsweise breit verankert, während beim Vorsorgesystem leichte Unsicherheiten bestehen. Deutlich grössere Wissenslücken zeigen sich hingegen bei den Kosten und Gebühren von Finanzanlagen sowie deren langfristigen Auswirkungen. Gerade hier besteht Potenzial, das Finanzwissen weiter zu stärken und Gebühren für Privatanlegende verständlicher und greifbarer zu machen.

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