Wir gründen eine Band: Drei Tipps.

Eine eigene Band – der Traum aller Instrumentalistinnen und Instrumentalisten. Was bei der allerersten Formation mit allerlei Visionen und Wünschen verbunden ist, verkommt bei der zweiten oder dritten Bandgründung immer mehr zur Normalität – und spätestens mit der zehnten Formation im schlimmsten Fall zum «Knurz» oder aber einer abgebrühten Solokarriere. Denn: Eine Band ist zwar eine kreative Aufgabe, aber zugleich auch administrative Büez. Die folgenden drei Tipps sollen deshalb eine Grundlage schaffen, die zumindest in der Anfangsphase Hilfe leisten kann.

Tipp 1: Was? Wie? Weshalb?

«Einfach mal machen» ist immer eine gute Faustregel. Mensch motiviert sich durch die Erfolge und lernt aus den Fehlern. Aber probieren wir mal einen anderen Ansatz aus. Stellt euch eure Band als ein Unternehmen, eine Firma vor (was sie im Falle einer erfolgreichen Karriere auch werden wird). Bei einer Firma wird nicht einfach kopflos darauf losgearbeitet. Am Anfang stehen ein Konzept, eine Strategie, ein Businessplan. Hier werden beispielsweise kurz-, mittel- und langfristige Ziele definiert, Leitbilder gestaltet, mit Zeitplänen gearbeitet und viele weitere Überlegungen gemacht. Natürlich muss eine frisch formierte Musikgruppe nicht gleich wie das Projekt von HSG-Absolventinnen oder -Absolventen daherkommen. Aber nur schon Fragen wie «Was machen wir? Wie machen wir das? Wieso machen wir das?» können helfen, eine Stossrichtung vorzugeben und diese im Idealfall später mit professionellen Strukturen wie Labels oder Agenturen auszuarbeiten – dazu gleich mehr bei Punkt zwei. Jene Art der Reflexion hilft weiter, eure Bedürfnisse abzuklären. Was, Wie und Wieso sind aber nicht nur Fragen, die intern gestellt werden können – extern ist es ebenfalls wichtig, zu hinterfragen. Je tiefer ihr in diese spannende Materie eintaucht, desto konkreter kann später gearbeitet werden. Ein weiterer essenzieller Faktor: Zeit lassen! Bis ein Projekt der Privatwirtschaft schwarze Zahlen schreibt, dauert es – wenn alles rund läuft – mindestens fünf Jahre.

Tipp 2: Von PartnerInnen und HelferInnen

So, die Band ist gegründet, die Ziele definiert, ihr zieht am selben Strang (im Idealfall). Was nun? Musik machen, natürlich! Nur: Musik ist nicht das Einzige, was zählt. Und die Aussage «Wenn die Musik stimmt, klappt es automatisch» eine der naivsten Unwahrheiten der Musikgeschichte. Hinter jeder erfolgreichen Band steckt irgendeine Person, die diese in irgendeiner Art und Weise gemanagt hat. Nun ist es natürlich so, dass kein Management und kein Label einfach mal rasch eine Newcomer-Band bei sich aufnimmt. Deshalb seid zuerst ihr euer Management. Strategie, Booking, Kreativarbeit: Das kann durchaus unter den Bandmitgliedern aufgeteilt werden. Schon immer war es so, dass Menschen verschiedene Talente haben – vielleicht ist jemand in eurer Band gut vernetzt in der Musikszene und jemand hat ein Gespür für gute Fotos oder eine gute Schreibe? Und die sensible Diva besitzt die grossen Songwriting-Skills! Erarbeitet man sich hier gut organisiert eine ordentliche Grundlage (eine gute Organisation ist das A&O einer jeden Musikgruppe), wird es auch mit Booking- und Promo-Agenturen und Managements klappen. Dann gilt wie folgt: Zu Beginn Konzerte geben, eingespielt die Songs aufnehmen, welche am besten ankommen und hinter denen ihr am ehesten steht, und mit diesen für weiterführende Strukturen arbeiten. Album um Album raus zu kicken ist übrigens seit der Ein-Song-Spotify-Kultur zumindest ohne Label oder Management im Hintergrund passé. Additional eine weitere wichtige Seitennotiz: Das Erste, was von eurer Band wahrgenommen ist, ist der Name. Ohne zu stark in die Kreativität eingreifen zu wollen, empfiehlt es sich, ruhig mehrere Vorschläge mit verschiedenen Parteien – Freundinnen, Familie, Musikschaffende – anzuschauen und nicht blindlings das erste Hirngespinst zu nutzen. Eine spätere Re-Branding-Kampagne macht keinen Spass. Es hilft das Netzwerk!

Tipp 3: Neugieriges Netzwerken

Netzwerken ist das Schlagwort der Stunde – eine Einführung hierzu findet ihr auf diesem Blog (siehe Linkbox). Dabei ist es wichtig, neugierig zu bleiben: Rausgehen, die Szene erkunden, sich austauschen und Inspiration durch andere Konzerte zu erlangen sind nebst der Probezeit ein essenzieller Bestandteil der Bandarbeit. Ebenfalls dazu gehört der Wille zum Lernen, welcher im Endeffekt auf die Karriere zurückfällt. Dabei schadet es nicht, einfach mal im Internet mit der Suchmaschine des Vertrauens die vermeintlich einfachsten Fragen zu erforschen – ihr wärt überrascht, was nicht schon alles an Wissen konserviert ist und bereitgestellt wird – allein schon zum Thema Bandgründung. Gerade diesbezüglich empfiehlt sich weiterführend an diesen Text die Lektüre des Rockproof: Rockproof 2.017 ist ein interaktives Manual für junge Bands, MusikerInnen sowie und junge EinsteigeInnen ins Musikgeschäft. Herausgegeben wird es vom RFV Basel – einer Institution für Popförderung und Musiknetzwerke der Region Basel. Dieses grossartige Dokument geht ungemein in die Tiefe, ohne allzu kopflastig zu werden, und kann praktisch bedingungslos empfohlen werden. Also durchlesen und loslegen: gut Start!

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  • Stoph Ruckli

    Stoph Ruckli ist ein austro-schweizerischer Musiker und Musikkritiker. Neben seinem Studium an der Hochschule Luzern – Musik (Elektro-Bass) wirkt er als Sideman/Co-Leader für verschiedene Bands und Projekte, hauptsächlich in den Bereichen Pop, World, Jazz und Freie Improvisation. Weiter schreibt Stoph für diverse Musikschaffende oder Kulturmedien (041 – Das Kulturmagazin, Züritipp, Saiten etc.), arbeitet bei der IG Kultur, rambazambat als Vorstands- resp. Beiratsmitglied für Other Music Luzern, Helvetiarockt, Sonart – Musikschaffende Schweiz und beschäftigt sich auch sonst permanent mit Musik in all ihren Formen, wobei er besonders Bassgitarren sowie Effektgeräte liebt.

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