Was kann die Soziale Arbeit zur nachhaltigen Entwicklung beitragen? Sehr vieles! Das zeigen die Arbeiten, die Studierende im Modul «Kreative Ansätze für Nachhaltige Entwicklung in der Sozialen Arbeit» erarbeitet und in einer Ausstellung präsentiert haben. Das Modul ist Teil des Minors Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit, der das Transformationspotenzial der Sozialen Arbeit erkundet.
Die Ausstellungsbesucher:innen sitzen im Kreis am Boden. Sie sehen sich die «Performance über Geschwindigkeit» an, in der drei Frauen tänzerisch die Frage reflektieren, was Stress, Druck und die stetig steigende Geschwindigkeit des Lebens mit uns Menschen machen. Daneben steht ein Tisch voller sorgfältig gestalteter Karten mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen sowie Tipps, wie man diese im Alltag umsetzen kann – alleine, in Projekten oder Institutionen. Etwas weiter hinten lädt das «nachhaltige Kochbuch» zum Schmökern ein. Darin finden sich viele Tipps zur Verwertung von Lebensmittelresten. Mal mit liegengebliebenen Hamburger-Buns knusprige Mini-Pizze backen oder mit überzähligen Pommes frites einen leckeren Gratin zaubern? Die alltagstauglichen Rezepte zeigen, wie es ganz einfach geht.
Diese und weitere kreative Projekte konnten sich die Besucher:innen an der Ausstellung «Nachhaltig in die Zukunft» ansehen. Sie wurde von Studierenden des Moduls «Kreative Ansätze für Nachhaltige Entwicklung in der Sozialen Arbeit» konzipiert. Das Modul ist Teil des Minors Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit. Dieser richtet sich an Studierende der Bachelor-Ausbildungen in Sozialer Arbeit und versteht sich als zusätzliche Nebenvertiefung zu den Vertiefungsrichtungen Sozialarbeit, Soziokultur und Sozialpädagogik respektive Neue Konzepte und Innovation.
Die beiden Co-Leiterinnen Beatrice Durrer und Annina Friz haben den Minor entwickelt: «Wir wollten damit Mut machen und aufzeigen, dass wir angesichts der grossen globalen Herausforderungen nicht in Hoffnungslosigkeit versinken sollten, sondern ins Handeln kommen können. Die Soziale Arbeit bietet dafür viele Möglichkeiten.»
Minor Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit
Nachhaltige Entwicklung bedeutet Veränderung auf vielen Ebenen: in der Gesellschaft, in Organisationen und im persönlichen Handeln. Die Soziale Arbeit spielt dabei eine wichtige Rolle, denn sie kann aktiv zu gesellschaftlichem Wandel beitragen.
Im Minor lernen Studierende, wie ökologische, wirtschaftliche und soziale Themen zusammenhängen und was das für die Praxis der Sozialen Arbeit bedeutet. Ziel ist es, Nachhaltigkeit nicht nur zu verstehen, sondern auch konkret umzusetzen.
Der Minor vermittelt dafür drei zentrale Kompetenzbereiche:
Der Minor umfasst 12 ECTS-Punkte und besteht aus drei Modulen. Diese können auch einzeln belegt werden. Mehr Infos: Minor Nachhaltige Entwicklung.
Der Minor Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit vermittelt nicht nur Wissen über ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge, sondern stellt auch die Frage nach den Rollen, die die Soziale Arbeit in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen einnehmen kann. «Um die Ziele der Nachhaltigen Entwicklung nicht nur zu verstehen, sondern als Professionelle der Sozialen Arbeit entsprechende Massnahmen umsetzen zu können, braucht es vielfältige Kompetenzen», erklären die beiden Dozentinnen. «Diese ordnen wir im Minor den Dimensionen Wissen, professionelle Haltung und Können/Umsetzung zu.»
Der Minor Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit bildet diese drei Dimensionen in den drei Modulen «Grundlagen der Nachhaltigen Entwicklung und Soziale Arbeit», der «Blockwoche Nachhaltige Entwicklung und Achtsamkeit: Perspektiven erweitern» und «Kreative Ansätze für Nachhaltige Entwicklung in der Sozialen Arbeit» ab. Die drei Module sind als Modulgruppe mit 12 ECTS-Punkten konzipiert und können in beliebiger Reihenfolge absolviert werden. Es ist jedoch auch möglich, nur ein Modul zu besuchen. Im Grundlagen-Modul, das als Blended-Learning-Kurs organisiert ist, definieren und analysieren die Teilnehmenden im angeleiteten Selbststudium Problemfelder und eignen sich die Grundlagen zu den Sustainable Development Goals (SGDs), den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, an. Im Präsenzunterricht diskutieren und reflektieren die Studierenden Positionen für die Profession der Sozialen Arbeit.
In der Blockwoche beschäftigen sich die Teilnehmenden mit den Inner Development Goals (IDGs). Sie beschreiben die inneren Fähigkeiten wie Selbstreflexion oder Empathie, die wir Menschen benötigen, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dazu gehört auch, sich bewusst zu machen, wie der Umgang, den jeder Mensch mit sich selbst pflegt, seinen Umgang mit der Mitwelt beeinflusst.
Das Modul «Kreative Ansätze» verbindet die Themen nachhaltige Entwicklung und kreative Ausdrucksformen in der Sozialen Arbeit. Im Fokus stehen kreative und künstlerische Methoden, um Menschen zu sensibilisieren, Veränderungen anzustossen und gemeinschaftliche Projekte zu konzipieren sowie umzusetzen. Die Studierenden entwickeln Handlungsansätze, die sowohl in klassischen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit wie Schulsozialarbeit, Jugend- und Quartierarbeit, im Kontext von Heimen als auch in neuen Praxisfeldern anwendbar sind. «Wir legen grossen Wert auf das problemorientierte Lernen, bei dem die Studierenden weitgehend selbstständig Lösungen für vorgegebene Probleme finden», erklären Friz und Durrer. Die Ausstellung ist der krönende Abschluss dieses Moduls.
Die beiden Dozentinnen sind begeistert davon, was die Studierenden in knapp zwei Monaten auf die Beine gestellt haben: «Es ist ihnen in ihren Gruppenarbeiten sehr gut gelungen, nachhaltige Entwicklung aus sozialer Perspektive zu beleuchten. Sie haben gezeigt, dass die Soziale Arbeit viel Potenzial für die gesellschaftliche Transformation hat.» Das Einzige, was die beiden Dozentinnen bedauern, ist, dass die Projektarbeiten nur einen Abend lang ausgestellt werden können: «Wir hoffen, dass wir die Ausstellung in Zukunft länger zeigen können, wenn wir ins neue Gebäude einziehen. Denn auch hier möchten wir nachhaltig sein und die tollen Ideen der Studierenden möglichst weit streuen.»
Beitrag: Eva Schümperli-Keller
Veröffentlicht: 2. Februar 2026
Studierenden-Projekte aus dem Minor Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit
«Symptomverwalter*in»: Der Kurzfilm von Philipp Schaub und Victor Felder stellt die Frage in den Raum, ob Soziale Arbeit Menschen langfristig hilft oder nur Probleme verwaltet, während die Ursachen von Armut und Ungleichheit bestehen bleiben. Er regt zum Nachdenken an und fordert dazu auf, Verantwortung in der Sozialen Arbeit neu zu denken.
«Das gute Leben für Alle Werk»: Medea Gnes, Rachel Bösch, Samira Zweifel fragten sich: Was bedeutet ein gutes Leben für alle? Sie luden Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Fähigkeiten zum gemeinsamen Malen ein. Diese drückten künstlerisch aus, was für sie «ein gutes Leben» bedeutet. Die wichtigsten Anliegen aller Beteiligen: Frieden und eine intakte Umwelt.
«Duara – Geschichten des Wandels»: Ireos Schmid, Guillaume Vogel und Michelle Frey haben das Rollenspiel «Duara» entwickelt. Die Spielenden erleben in einer Fantasiewelt Abenteuer und treffen dabei auf soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme, für die sie gemeinsam Lösungen suchen müssen. So lernen sie spielerisch, wie gemeinsames und verantwortungsvolles Handeln zu positivem Wandel beitragen kann.
«Der SINNvolle Spaziergang»: Jasmine Heinzer und Gregor Bühlmann haben einen Fächer mit körperlichen Übungen sowie Anleitungen zu Sinneswahrnehmungen und Selbstreflexion konzipiert. Er begleitet Spaziergänge und hilft dabei, achtsam mit sich selbst und der Natur umzugehen. Der Fächer kann von Einzelpersonen, aber auch in Gruppensettings oder als fixe Installation an einem Ort benutzt werden.
«Gemeinsam Wandel gestalten: Nachhaltige Praxis im Quartiertreff»: Die Broschüre «Gemeinsam Wandel gestalten» von Eliane Nora Giger und Lena Schneider richtet sich an Fachpersonen der Soziokulturellen Animation und bietet praxisnahe Ideen, wie Nachhaltigkeit im Quartier-Treff kreativ umgesetzt werden kann.
«Eine Performance über Geschwindigkeit»: Sonia Guerreiro Alvarez, Deborah Hurni und Noemi Mehring gehen in ihrer Performance der Frage nach, was die Geschwindigkeit unseres modernen Lebens mit uns Menschen macht und wie wir wieder zu einem langsameren, naturverbundeneren und gesünderen Leben zurückfinden können.
«SDG-Toolbox – Ein Kartenset für Fachleute, Kund:innen und soziale Organisationen»: Die von Jarina Lochmann, Amira Ishteiwy und Corinne Vischer gestalteten Karten bieten kreative, partizipative und wirkungsorientierte Ideen, um die UN-Nachhaltigkeitsziele im Alltag umzusetzen. Die Toolbox verbindet Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft und zeigt, dass nachhaltige Entwicklung Beteiligung, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit braucht.
«Nachhaltiges Kochbuch»: Die Rezepte, die Nico Azzarito, Alex Stojanovic und Pascal Segmüller in ihrem Kochbuch für die Jugendarbeit präsentieren, sind einfach und alltagstauglich, orientieren sich an saisonalen und regionalen Lebensmitteln und dienen der Resteverwertung. Das Kochbuch lädt dazu ein, über den eigenen Umgang mit Lebensmitteln nachzudenken und sorgsam mit Ressourcen umzugehen.
Kommentare
1 Kommentare
Simone
Wenn das Leben immer so wäre wie an diesem Abend! Diese Vielfalt! Diese Kreativität! Diese vielfältigen Kompetenzen, von einem wunderbaren Buffet über kunstvollen Film zu Spiel, Tanzperformance und dem Gespräch zu Nachhaltigkeitsthemen - und wie Fachpersonen der Sozialen Arbeit dazu ins Handeln, ins Machen, ins Umsetzen und Realisieren kommen. Mich haben die Produktionen und Projekte der Studierenden, die sie frei, in kleinen Gruppen oder individuell, entwickelt haben, sehr beeindruckt und richtig stolz gemacht.
Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.