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Digitalisierung und Soziale Arbeit: Barrierefreies Surfen im Web

Digitalisierung und Soziale Arbeit: Barrierefreies Surfen im Web

Die Digitalisierung durchdringt unsere Lebenswelten. So auch das Umfeld der Soziale Arbeit. Wir möchten gern mit Hilfe unserer Absolventinnen und Absolventen einen kleinen Beitrag zur Bewältigung dieses Wandels leisten. Aktuelles Thema: Die barrierefreie Gestaltung von Webseiten.

Um mit der epochalen Veränderung der Digitalisierung Schritt zu halten, braucht es passende Kompetenzen. Sonst drohen Exklusionsrisiken.

Bei richtiger Handhabung kann die Digitalisierung aber auch entscheidende Vorteile bringen. Laut der Stiftung «Zugang für alle» nutzen Menschen mit einer Beeinträchtigung etwa das Internet deutlich häufiger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das stärkt ihre Autonomie und ihre Teilhabe, sagt die Organisation, die als Kompetenzzentrum zum Thema gilt und Webseiten hinsichtlich behindertengerechter Technologienutzung zertifiziert.

Damit dies gelingt, müssen die Webseiten jedoch barrierefrei gestaltet sein. Gerade das ist aber anforderungsreich, wie Lychen Cheah, Absolventin des Minors «Digitalisierung und Soziale Arbeit», bei ihren Recherchen herausfand. Damit auch andere Interessierte wissen, was es zu beachten gilt, erstellte sie daher einen kurzen, lehrreichen Clip, der wichtige Handlungsempfehlungen von Branchengrössen wie WordPress zusammenfasst. Daraus nachstehend ein kleiner Auszug.

Bild vom Video über Barrierefreies Gestalten von Webseiten von Lychen Cheah.
Barrierefreiheit stärkt die Selbstständigkeit und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung. (Bild Lychen Cheah)

Wer sein digitales Angebot barrierefrei gestaltet, erzielt viele positive Effekte: Zum einen erhöht man die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung. Zum anderen werden einem aber auch direkte Wettbewerbsvorteile zuteil: unter anderem eine zusätzliche und loyale Kundschaft, höhere Umsätze sowie eine positive Reputation.

Stiftung Zugang für alle

Schlüsselfaktoren: Interdisziplinarität und Partizipation
Zum einen ist beim Bau von barrierefreien Webseiten eine gute und vor allem interdisziplinäre Teamarbeit gefragt – von der Programmiererin über den Texter bis hin zu den Spezialistinnen und Spezialisten des jeweiligen Fachbereichs. Auch Cheah zog für ihre Abschlussarbeit einen Webentwickler für ihre Abschlussprojekte zu Rate.

Zum anderen ist der Einbezug der Zielgruppen gerade bei diesem Thema äusserst wertvoll. Denn als Fachexpertinnen und -experten in eigener Sache wissen diese, worauf es ankommt. Dies umso mehr, da man im Netz nicht nur auf vielfältige Hindernisse stösst, sondern teilweise auch auf widersprüchliche.

Die Erstellung einer Website anspruchsvoll, da die Barrieren je nach Zielgruppe unterschiedlich sind und sich teilweise widersprechen. Daher ist die Zusammenarbeit mit der Zielgruppe ausschlaggebend.

Lychen Cheah

Ein typisches Beispiel: Das stark visuell geprägte Internet ist für Blinde oder sehbehinderte Menschen ohne Assistenztechnologien eine grosse Herausforderung. Sie wären auf vertonte Inhalte angewiesen oder auf Informationen, die von Bildschirmleseprogrammen, den sogenannten Screen Readern, oder Vergrösserungssystemen gedeutet werden können. Für Hörbehinderte hingegen sind Ton-Dokumente wiederum nutzlos und Abbildungen dafür besser.

Abhilfe dafür schaffen hier die sogenannten Alternativ-Texte, die die Bildinhalte erklären. Diese können im Web hinterlegt und somit maschinell erfasst werden. Dies muss aber systematisch erfolgen, denn selbst die besten Assistenz-Tools nützen nicht viel, wenn die Inhalte nicht darauf abgestimmt sind.

KISS – Keep it short and simple!
Auch die Themen Sprache, Struktur und Übersichtlichkeit sind für die Barrierefreiheit sehr relevant. Man sollte sich auf der Seite schnell orientieren können und das Wichtige zügig finden. Daher Cheahs Rat:

  • Gestalten Sie insbesondere die Navigationsbereiche einfach, klar und übersichtlich.
  • Nutzen Sie zur Orientierung auch Pictogramme, wählen Sie zur Hervorhebung deutliche Farbkontraste und eine gut lesbare Schrift.
  • Achten Sie auf verständliche Inhalte, fassen Sie sich kurz und vermeiden Sie Fachbegriffe.
  • Formulieren Sie aktiv und nutzen Sie Analogien aus dem Alltag, um Dinge zu vertiefen.
  • Sorgen Sie auch eine gute Leseführung, mit Lead, Zwischentiteln und einem guten Textaufbau.

Grosser Nutzen
Von diesen Tipps profitieren im Übrigen nicht nur Menschen mit einer Beeinträchtigung. Viele Menschen in der Schweiz haben nämlich Schwierigkeiten, komplizierte Texte zu verstehen. Organisationen wie die Gesundheitsförderung Schweiz und andere gehen davon aus, dass mindestens 800’000 Personen sind, also rund jede zehnte Schweizerin oder jeder zehnte Schweizer. Achtsamkeit in dieser Hinsicht ist daher auf jeden Fall von grosser Bedeutung.

Lychen Cheah

Lychen Cheah

Lychen Cheah ist Absolventin des Minors «Digitalisierung und Soziale Arbeit» der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit.
Ihre Abschlussarbeit kann hier nachgelesen werden.

Studienprogramme zur Digitalisierung
Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit bietet ein Aus- und ein Weiterbildungsprogramm im Bereich «Digitalisierung und Soziale Arbeit» an, entweder als Nebenvertiefung (Minor) des Bachelor-Studiengangs oder als CAS. Damit können künftige und aktuelle Professionelle der Sozialen Arbeit ihre Kenntnisse zu den Herausforderungen der digitalen Transformation weiterentwickeln. Übergeordnetes Ziel bleibt die wirkungsvolle Bewältigung der Aufgaben in der Sozialen Arbeit für und mit den verschiedenen Anspruchsgruppen. Mehr zum Angebot hier und unter: blog.hslu.ch/minordisa.

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Von: Anette Eldevik
Bild: Getty Images, Lychen Cheah
Veröffentlicht am: 15. September 2022

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