Nach dem Bachelor stellt sich vielen Fachpersonen in der Sozialen Arbeit eine zentrale Frage: MSc oder MAS – welcher Master passt besser? Beide Abschlüsse bieten unterschiedliche Vorteile. Doch welches Angebot bringt welchen Nutzen? Und für wen eignet sich welcher Weg? Peter A. Schmid, langjähriger Leiter des konsekutiven Masters, und Regula Wyrsch, Co-Leiterin des MAS Sozialarbeit und Recht, geben Einblick.
Das Sozialwesen steht vor komplexen Herausforderungen. Entsprechend gefragt sind Fachpersonen mit unterschiedlichen Qualifikationen und Profilen.
Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit bietet dafür ein breites Bildungsangebot:
Dieses Angebot ermöglicht es Fachpersonen, sich über das gesamte Berufsleben hinweg praxisnah weiterzuentwickeln.
Der konsekutive Master setzt dort an, wo sich Absolventinnen und Absolventen nach dem Bachelor vertieft mit den professionellen Grundlagen und den Rahmenbedingungen des Sozialwesens auseinandersetzen möchten.
Peter A. Schmid beschreibt die Motivation vieler Studierender so: «Die Studierenden wollen ihr Wissen über die Zusammenhänge in der Sozialen Arbeit vertiefen. Sie sehen darin eine Chance, ihre Berufsperspektiven zu erweitern und die Soziale Arbeit im interdisziplinären Kontext zu stärken.»
| Master of Science (MSc) | Master of Advanced Studies (MAS) | |
| Ziel | Vertieftes konsekutives Grundstudium (Ausbildung) | Weiterentwicklung bestehender Kompetenzen (Weiterbildung) |
| Zielgruppe | Bachelor-Absolvent*innen (konsekutiv, auf den Bachelor aufbauend), aber auch mit Berufserfahrung | Fachpersonen mit Berufserfahrung |
| Charakter | Generalistisch und anwendungsorientiert: alle Richtungen der Sozialen Arbeit Auseinandersetzung mit verschiedenen Feldern und Perspektiven der Sozialen Arbeit, mit theoretischen Bezügen und professionellen Rahmenbedingungen. | Spezialisierend und praxisbezogen: Bezogen auf ein spezifisches Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit oder auf eine Berufsfeld, in dem die Kernkompetenzen der Sozialen Arbeit gefragt sind. Im Sinne des lebenslangen Lernens vermitteln die verschiedenen MAS-Weiterbildungsangebote konkret anwendbares Wissen für die Praxis. |
| Perspektiven | Fachkarrieren in Non-Profit-Organisationen, bei der öffentlichen Hand oder in anderen interdisziplinären Kontexten, Linien- und Stabsfunktionen bei Sozial- und Gesundheitsdepartementen, Forschung oder Lehre an (Hoch-)Schulen | Gezielte Arbeitsgebiete entsprechend dem Fokus der Weiterbildung, Fachkarrieren innerhalb der Sozialen Arbeit sowie ausserhalb , Fachliche Weiterentwicklung, fachliche Leitungsaufgaben, Führungsfunktionen |
| Umfang | 3 bis 6 Semester (90 ECTS) | Eineinhalb bis mehrere Jahre (60 ECTS ) |
| Zeitmodell | Vollzeit- oder Teilzeitstudium (berufliche Betätigung sollte 60% nicht übersteigen) | Berufsbegleitend: in einzelne Blöcke (drei CAS- und MAS-Modul) unterteilt |
| Kosten | Übliche Studiengebühren (ca. 800 CHF/Semester) | Kostendeckende Preise (rund 30’000 Franken) |
| Angebote HSLU | Master in Sozialer Arbeit (eine Kooperation der HSLU mit den Fachhochschulen BFH und OST) (Die HSLU bietet im Departement Wirtschaft auch den Master in Business Administration mit dem Major in Public and Non-Profit Management an) | MAS Arbeitsintegration MAS Betriebliches Gesundheitsmanagement MAS Gemeinde-, Stadt- und Regionalentwicklung MAS Beraten und Coachen MAS Management im Sozial- und Gesundheitswesen MAS Prävention und Gesundheitsförderung MAS Sexuelle Gesundheit im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich MAS Social Insurance Management MAS Sozialarbeit und Recht MAS Sozialarbeit und Recht (Vertiefung KES) |
Wer hingegen ein klares Fachgebiet vor Augen hat oder gezielt eine bestimmte Kompetenz ausbauen möchte, entscheidet sich eher für eine Weiterbildung. Ein MAS, ein CAS oder Fachkurse vermitteln konkrete Werkzeuge für den anspruchsvollen Berufsalltag. Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit bietet aktuell zehn MAS-Programme an.
Regula Wyrsch kennt die Beweggründe vieler Teilnehmender aus erster Hand: «Wer Impulse für den Arbeitsalltag und konkrete Tools sucht, entscheidet sich für eine Weiterbildung. Zudem lässt sich ein MAS zeitlich flexibel gestalten und gut mit dem Berufsalltag vereinbaren.»
Aus Sicht von Arbeitgebenden ist der Nutzen oft ein entscheidendes Kriterium. Regula Wyrsch beobachtet: «Im Rahmen der arbeitsplatzgesteuerten Weiterbildung ist der konsekutive Master weniger im Fokus. Ein MAS lässt sich gegenüber dem Betrieb oft einfacher begründen.»
Das hängt nicht zuletzt mit dem Arbeitsdruck in Organisationen zusammen. Vorgesetzte unterstützen ihre Mitarbeitenden eher bei Weiterbildungen, von denen sie sich einen unmittelbaren Nutzen versprechen – im Idealfall «schon am nächsten Tag».
Weiterbildungen mit einem stärker strukturellen oder strategischen Fokus, wie sie im konsekutiven Master angesprochen werden, geraten dabei eher in den Hintergrund.
Genau dieses Spannungsfeld greift der konsekutive Master auf. «Das Zusammenspiel von Praxisalltag, wissenschaftlicher Reflexion und den Rahmenbedingungen der Profession steht im Zentrum», sagt Peter A. Schmid.
Die Inhalte des Studiengangs reichen von Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit über Forschungskompetenzen bis hin zu Projektateliers mit anwendungsorientierten Praxisprojekten. Daraus entstehen immer wieder weiterführende Kooperationen mit Praxisorganisationen – etwa im Projekt Kinderfreundliche Gemeinde Sursee.
Auch die Masterarbeit bietet vielen Studierenden die Möglichkeit, konkrete Entwicklungen in ihrer Organisation anzustossen, beispielsweise im Rahmen von Projekten wie der Integrationsagenda.
Schmid betont: «Auch wenn der Master in Stellenausschreibungen noch selten explizit verlangt wird, passen die Tätigkeiten und Positionen der Absolventinnen und Absolventen gut zu ihrem Profil.»
Was ist der Unterschied zwischen einem konsekutiven Master (MSc) und einem MAS?
Ein konsekutiver Master (MSc) ist ein weiterführendes Studium nach dem Bachelor und vertieft wissenschaftliche, analytische und konzeptionelle Kompetenzen. Ein Master of Advanced Studies (MAS) ist eine Weiterbildung für Berufstätige und vermittelt vor allem praxisnahe Methoden und Fachwissen für ein spezifisches Arbeitsfeld.
Für wen eignet sich ein konsekutiver Master in Sozialer Arbeit?
Der konsekutive Master richtet sich an Absolvent:innen eines Bachelorstudiums in Sozialer Arbeit oder verwandten Fachrichtungen, die sich vertieft mit wissenschaftlichen Grundlagen, komplexen Fragestellungen und der Weiterentwicklung der Profession auseinandersetzen möchten.
Für wen eignet sich ein MAS?
Ein MAS richtet sich an Fachpersonen mit Berufserfahrung, die sich in einem bestimmten Themenbereich spezialisieren oder neue Kompetenzen für ihren Arbeitsalltag erwerben möchten.
Lässt sich ein Masterstudium mit einer Berufstätigkeit vereinbaren?
Viele Studierende absolvieren den konsekutiven Master in Teilzeit und arbeiten parallel in der Praxis. Weiterbildungen wie CAS oder MAS sind in der Regel speziell auf Berufstätige ausgerichtet und zeitlich flexibel aufgebaut.
Welchen Nutzen haben Arbeitgebende von einem Masterabschluss?
Absolvent:innen eines konsekutiven Masters bringen vertiefte Analyse-, Forschungs- und Konzeptionskompetenzen mit und können zur Weiterentwicklung von Organisationen, Angeboten und Strategien beitragen. Weiterbildungen wie ein MAS stärken hingegen spezifische Fachkompetenzen für den Praxisalltag.
Ein Masterabschluss wird zwar nicht immer direkt gefordert – viele der verlangten Kompetenzen gehen jedoch über die Bachelorqualifikation hinaus. Dazu gehören etwa: das Bearbeiten komplexer, interdisziplinärer Problemstellungen, das Evaluieren von Angeboten oder die Kommunikation mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen.
Absolventinnen und Absolventen des konsekutiven Masters sind darauf vorbereitet, den Wandel im Sozialwesen aktiv mitzugestalten – häufig auf einer übergeordneten, strukturellen oder organisationalen Ebene.
Nicht selten führen ihre Wege auch in neue Tätigkeitsfelder, etwa in die Politik, wie Beispiele wie Nils Loeffel oder Ylfete Fanai zeigen.
Ein konsekutiver Master und Weiterbildungen wie ein MAS schliessen sich nicht aus – im Gegenteil: Sie können sich im Laufe einer Karriere sinnvoll ergänzen.
Auch Regula Wyrsch würde heute anders entscheiden als zu Beginn ihrer Laufbahn: «Aus meiner heutigen Position heraus würde mich der konsekutive Master sehr interessieren. Ich würde gerne auf einer übergeordneten Ebene noch besser verstehen, wo wir ansetzen können, um gesellschaftliche Probleme zu bewältigen und die Soziale Arbeit weiterzuentwickeln.»

Von Maria Giovanna Pilotto und Roger Ettlin
Veröffentlicht: 2. November 2022

Peter A. Schmid ist seit 2007 an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit als Dozent tätig. Von September 2015 bis August 2022 war er Verantwortlicher für den Master in Sozialer Arbeit. Er betätigt sich daneben in der ethischen Weiterbildung, Beratung und als Moderator für Ethikforen in Institutionen des Sozial- und Gesundheitswesens. Seit 2011 ist er zudem als freischaffender Supervisor tätig.

Regula Wyrsch ist Dozentin und Projektleiterin der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Sie hat von 2015 bis 2020 das Institut Sozialarbeit und Recht und das Ressort Weiterbildung geleitet. Ausserdem bietet sie Coaching, Supervision, und Organisationsberatung für Veränderungs- und Entwicklungsprozessen im Berufsfeld an.
Je stärker der gesellschaftliche Wandel, desto komplexer die Soziale Arbeit. Deshalb braucht es Fachpersonen, die diesen Wandel aktiv gestalten wollen. Der Master in Sozialer Arbeit der BFH, HSLU und OST befähigt dazu, die Komplexität zu meistern. Aus der Kooperation der drei Hochschulen ergeben sich besonders viele Optionen, sowohl in der Studienplanung als auch in der beruflichen Entwicklung nach dem Master-Abschluss.
MAS und weitere Weiterbildungsangebote
Eine Weiterbildung an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit unterstützt Berufspersonen der Sozialen Arbeit in ihrem anspruchsvollen Praxisalltag und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Arbeit zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Im Sinne des lebenslangen Lernens vermitteln die verschiedenen Weiterbildungsangebote konkret anwendbares Wissen für die Praxis. Die Angebote finden in verschiedenem Umfang statt.
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