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Von Stammtisch-Diskussionen, Sneakers und Provokation – das Interview zum Nachhaltigkeitsfilter von Digitec Galaxus

Von Stammtisch-Diskussionen, Sneakers und Provokation – das Interview zum Nachhaltigkeitsfilter von Digitec Galaxus
Copyright by Thomas Kunz / Digitec Galaxus

Autor: Thomas Wozniak

Forschungskoordinator und Dozent am Institut für Kommunikation und Marketing der Hochschule Luzern

Digitec Galaxus hat Ende 2020 eine Filterfunktion für nachhaltige Produkte lanciert. Was es mit dem Filter auf sich hat, nach welchen drei Produktgruppen am Meisten gefiltert wird und welches die Herausforderungen bei der Lancierung waren, erzählt Tobias Billeter (Corporate Communications von Digitec Galaxus) im Gespräch mit Forschungskoordinator Thomas Wozniak.

Thomas Wozniak: Hinter dem Nachhaltigkeitsfilter, den ihr etwa sechs Wochen nach der Publikation der Studienergebnisse zur Onlinehändlerbefragung 2020 lanciert habt, steckt sicher ein umfangreiches und komplexes Projekt. Was hat Digitec Galaxus dazu motiviert, einen Nachhaltigkeitsfilter anzubieten?  

Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigen Land und Leute. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Der Gletscherschwund im Hochgebirge, trockene Sommer oder hitzebedingte Ernteausfälle machen den Klimawandel erlebbar. Er treibt die Jugend auf die Strasse und sorgt an so manchen Familien- und Stammtischen für heisse Diskussionen. Als Online-Konsumtempel kann uns das nicht egal sein. Der Umgang mit Nachhaltigkeit und Klimawandel verlangt nach einer klaren Strategie. In diesem Kontext ist neben diversen anderen Massnahmen die Idee entstanden, unserer Community einen Nachhaltigkeitsfilter anzubieten.

Wie war bisher die Resonanz? 

Die Lancierung der Filterkriterien stiess sowohl bei interessierten Kundinnen und Kunden als auch in den Medien auf positive Resonanz. Aber klar: Es gibt immer auch Meckerer, die von Nachhaltigkeit  und Klimaschutz nichts hören und lesen wollen. Damit müssen wir leben. Auf jeden Fall werden die Nachhaltigkeitsfilter von der Kundschaft rege genutzt – insbesondere von jenen, die sich bei uns Sneakers, Bekleidung und Gesichtspflegeprodukte kaufen. Eine detaillierte Auswertung haben wir noch nicht gemacht, weil wir die Filter laufend erweitern.

Was waren die grössten Herausforderungen auf dem Weg zur Lancierung des Nachhaltigkeitsfilters?  

Zwei Themen haben uns intensiv beschäftigt. Erstens war die Auswahl und Selektion der Labels eine knifflige Sache. Dies, weil viele Labels nur in einigen Produktgruppen zur Anwendung kommen. Bei Haushaltsgeräten steht etwa die Energieeffizienz im Vordergrund, bei der Bekleidung die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und bei den Kosmetika das Tierwohl. Ein universelles Nachhaltigkeitslabel gibt es nicht. Zweite Herausforderung sind die fehlenden Daten. Von allen Lieferanten und Händlerpartnern detaillierte Produktdaten zu Nachhaltigkeit und Labels zu erhalten, ist derzeit noch nicht möglich.

Der Nachhaltigkeitsfilter richtet sich an die Kundschaft von Digitec Galaxus. Welche Auswirkungen hat der Filter jedoch auf die Beschaffung und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten? 

Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten wollen genau wissen, was sie einkaufen. Fehlen wichtige Informationen, entscheiden sie sich für ein Konkurrenzprodukt. Wir beobachten folgendes: Bei Produkten, die wir direkt von den Herstellern beziehen, ist die Datenlage verhältnismässig gut. Bei Ware, die wir von Händlern unseres Marktplatzes beziehen, ist die Datenlage oft lückenhaft. Aber das dürfte sich zeitnah ändern. Denn wie gesagt: Der Druck auf die Lieferanten, alle wichtigen Produktinformationen transparent auszuweisen, kommt direkt vom Markt.

Digitec Galaxus hat in der Vergangenheit bereits mit anderen Nachhaltigkeitsmassnahmen auf sich aufmerksam gemacht. Wie fügt sich der Nachhaltigkeitsfilter in das grosse Ganze ein? Was dürfen wir in Zukunft erwarten? 

Die Nachhaltigkeitsfilter sind ein Mosaikstein in der gesamten Nachhaltigkeitsstrategie, die wir auf Basis des Klimafussabdrucks unseres Unternehmens erstellt haben. Gestartet sind wir mit diversen Massnahmen, um unsere betriebseigenen Emissionen zu senken. Hierfür optimieren wir laufend die eigene Wertschöpfungskette und setzen konsequent auf Ressourceneffizienz. Das grösste Potenzial liegt bei Transport, Energie, Wärme und Verpackung. Erster Baustein war die klimaneutrale und verpackungsfreie Auslieferung via notime. Mit der Klimakompensation haben wir den ersten Meilenstein gesetzt und danach die Nachhaltigkeitsfilter lanciert. Ausserdem publizieren wir regelmässig zum Thema Nachhaltigkeit und suchen den Dialog mit der Community. Natürlich sind bereits die nächsten Massnahmen in Planung. Von Ankündigungen halten wir aber wenig. Wir kommunizieren dann, wenn es soweit ist.

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit allgemein für Digitec Galaxus? 

Das Thema ist omnipräsent und brannte uns schön länger unter den Nägeln. Vor gut einem Jahr haben wir definiert, was Digitec Galaxus unter Nachhaltigkeit versteht und wie wir das Thema anpacken wollen. Und weil pro-forma Aktivismus für uns keine Option war, haben wir uns dem Klimaschutz wissenschaftlich angenähert. Die Resultate waren überraschend. Die Berechnungen unseres Partners South Pole haben gezeigt, dass der betriebseigene CO2-Ausstoss von Digitec Galaxus über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg maximal ein bis zwei Prozent ausmacht. Der Löwenanteil des CO2-Fussabdrucks beim Kauf eines Laptops, eines Sofas oder einer Bratpfanne fällt bei der Rohstoffgewinnung, der Produktion, dem Transport zur Zieldestination, dem Betrieb und bei der Entsorgung an. Fakt ist: Der mit Abstand grösste Hebel, um den CO2-Fussabdruck zu senken, liegt bei uns allen – den Konsumentinnen und Konsumenten.

Was ist bei der Kommunikation von Nachhaltigkeitsaspekten zu beachten? Auf welche Faktoren legen Sie besonderen Wert?

Wir legen grossen Wert auf die Fakten. Sie müssen nachprüfbar und korrekt sein. Ist dies der Fall, eignen sich Fakten hervorragend, um die Dinge von einer anderen Seite aus zu betrachten, zu provozieren und so eine Diskussion zu lancieren. Aber klar: Wer provoziert, braucht ein dickes Fell. Den einen oder anderen Kommentar unter der Gürtellinie muss man aushalten wollen. Passt schon – wir wollen das.   

Besten Dank für das Gespräch.

Tobias Billeter

Head of Corporate Communications bei Digitec Galaxus

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