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Führen im KI-Zeitalter: Was Leaders jetzt über Lernen und Wissensmanagement wissen müssen

Von Prof. Dr. Stephanie Kaudela-Baum, Prof. Dr. Petra Müller-Csernetzky und Zorica Dragic

Führen im KI-Zeitalter: Was Leaders jetzt über Lernen und Wissensmanagement wissen müssen

Von der KI-Welle überrollt – oder die eigene Organisation zukunftsfit gemacht? Für Führungskräfte entscheidet sich diese Frage weniger an der Technologie selbst als an der Art, wie sie Wissen, Lernen und Zusammenarbeit gestalten.

Generative KI verändert die Spielregeln des organisationalen Lernens. Was früher in Workshops, Handbüchern oder Teammeetings geschah, passiert heute zunehmend in Echtzeit, eingebettet in alltägliche Arbeitsprozesse – oft ohne dass es jemand bewusst merkt. Tools wie ChatGPT, Copilot oder organisationsinterne Chatbots fungieren bereits als stille „Mitarbeitende“, die Muster erkennen, Antworten bereitstellen, Wissen verknüpfen und Lernprozesse beschleunigen.

Doch während die Technologie schnell voranschreitet, bleibt die Führungsrealität häufig ambivalent: zu wenig Klarheit, zu viele Tools, zu grosse Erwartungen – und gleichzeitig grosse Chancen. Die zentrale Frage lautet deshalb: Wie führen wir in einer Welt, in der Mensch und KI gemeinsam lernen?

1. KI ist kein IT-Projekt – sondern ein Lernprozess für die ganze Organisation

Viele Unternehmen stecken mitten in KI-Pilotprojekten, experimentieren mit Wissensplattformen oder versuchen, Erfahrungswissen mittels KI zu sichern. Was auffällt: Der technologische Teil ist selten das Problem. Die Stolpersteine liegen fast immer woanders:

  • unklare Verantwortlichkeiten
  • mangelnde Datenqualität
  • kulturelle Vorbehalte
  • Angst vor Fehlern oder Kontrollverlust
  • Unsicherheit über ethische und rechtliche Fragen

Führungskräfte kommen deshalb nicht umhin, diese „Übersetzungsleistung“ zwischen Technologie und Sinnhaftigkeit aktiv zu gestalten. KI wird nur dann wertvoll, wenn sie in Prozesse, Routinen und eine lernorientierte Kultur eingebettet ist.

2. Wissensmanagement wird zur strategischen Führungsaufgabe

Wissen ist nicht mehr nur ein „Bestand“, den man verwaltet. KI macht es zu einem dynamischen System:

  • Sie generiert neues Wissen aus Daten.
  • Sie verknüpft verstreutes Wissen über Abteilungen hinweg.
  • Sie schafft Zugänge zu Expertise, die früher verborgen war.
  • Sie sichert Erfahrungswissen, bevor es mit Pensionierungen oder Fluktuation verloren geht.
  • Sie ermöglicht Lernen „im Moment der Arbeit“ – statt in isolierten Trainings.

Für Führungskräfte bedeutet das: Wissensmanagement wandert zurück auf die Agenda – aber modernisiert, vernetzt und KI-gestützt.

3. Führung im KI-Zeitalter: Drei Prinzipien, die jetzt zählen

a) Kultur vor Technologie: Psychologische Sicherheit wird zum Booster

Teams lernen nur dann mit KI, wenn sie sich trauen:

  • zu experimentieren
  • Fehler zu machen
  • Grenzen auszutesten
  • Fragen zu stellen

Formatideen: KI-Lunch-Talks, Safe-to-Fail-Experimente, kurze interne Demos, interdisziplinäre Lernzirkel. Motto: Klein starten – gross lernen.

b) Governance schafft Orientierung statt Bürokratie

Datenqualität, Rollen, Verantwortlichkeiten, Transparenz: Führungskräfte sollten klare Leitplanken setzen, damit Mitarbeitende KI kompetent und vertrauensvoll nutzen.

Empfehlung: Ein unternehmensweites Data & AI Governance Board als Ordnungsrahmen – besonders in Organisationen, in denen Wissensarbeit zentral ist.

c) AI Literacy wird zur neuen Grundkompetenz

AI Literacy ist nicht das Ergebnis von E-Learnings. Sie entsteht durch:

  • gemeinsames Erproben
  • Reflexion
  • Peer-Learning
  • konkrete Anwendungsfälle

Besonders wirksam: AI-Sandboxes – geschützte Räume zum Ausprobieren, Entwickeln und Lernen. Sie verbinden technisches Experimentieren mit organisationalem Lernen und fördern eine neue Haltung gegenüber KI: neugierig statt defensiv.

4. Wie KI Führung verändert – und warum das kein Verlust ist

KI bringt eine Verschiebung mit sich:

  • von Hierarchie zu Netzwerklogik
  • von Kontrolle zu Enablement
  • von Einzelwissen zu kollektiver Intelligenz
  • von Expertenzentrierung zu transparentem Wissen

Führung wird dadurch nicht weniger relevant – im Gegenteil. Leaders werden zu Architekt:innen lernender Systeme. Ihre Aufgabe ist es, Räume zu schaffen, in denen Mensch und KI gemeinsam arbeiten, in denen Wissen fliesst und in denen die Organisation fähig bleibt, sich selbst immer wieder zu erneuern.

5. Was Leaders jetzt konkret tun sollten

✔ Lernkultur stärken: Offenheit fördern, Neugier belohnen, Fehler entstigmatisieren.

✔ KI sinnvoll integrieren: Tools dort einsetzen, wo sie tatsächlich Nutzen stiften.

✔ Wissensflüsse sichtbar machen: Silos aufbrechen, Transparenz schaffen.

✔ AI Literacy aufbauen: Experimentierformate ermöglichen, Reflexion systematisieren.

✔ Governance etablieren: Datenqualität, Ethik, Sicherheit und Rollen klären.

✔ Mitarbeitende begleiten: Ängste ernst nehmen, Orientierung geben, Vertrauen aufbauen.

Fazit: KI ist ein Spiegel der Organisationsreife

Ob KI als Effizienztreiber, Wissenspartnerin oder Innovationsmotor wirkt, hängt nicht von der Technologie ab – sondern davon, wie Führungskräfte sie einbetten. Organisationen, die KI ganzheitlich denken, entwickeln sich automatisch weiter: kulturell, strukturell und kompetenziell.

KI wird so zum Katalysator einer neuen Qualität von Führung – und zum Prüfstein dafür, wie lernfähig eine Organisation wirklich ist.

Link zum Forschungsprojekt https://www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/forschung/projekte/detail/?pid=6960

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