5. November 2026
Nachhaltige Kapitalanlagen sind in der Schweiz weiterhin beliebt, insbesondere bei Schweizer Retailbanken. Diese verwalten inzwischen sogar mehr Vermögen in nachhaltigen als in konventionellen Fonds. Das zeigt die Sustainable-Investments-Studie 2026 der Hochschule Luzern. Erstmals haben die Forscher zudem die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Fonds dieser Institute unter die Lupe genommen.
Autoren: Manfred Stüttgen, Brian Mattmann
Nachhaltige Kapitalanlagen sind in der Schweiz weiterhin beliebt, insbesondere bei Schweizer Retailbanken. Diese verwalten inzwischen sogar mehr Vermögen in nachhaltigen als in konventionellen Fonds. Das zeigt die Sustainable-Investments-Studie 2026 der Hochschule Luzern. Erstmals haben die Forscher zudem die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Fonds dieser Institute unter die Lupe genommen.
Der Schweizer Markt für nachhaltige Fonds erreicht einen neuen Höchststand. Gemessen am investierten Kapital sind heute insgesamt CHF 1’363 Mrd. in nachhaltigen Fonds angelegt (Abbildung 1). Dies zeigt die aktuelle Sustainable-Investments-Studie, die in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal erscheint.

Abbildung 1: Das Vermögen nachhaltiger Fonds in der Schweiz seit 2016 (in Mrd. CHF, jeweils per 30. Juni)
Schweizer Retailbanken setzen auf grüne Fonds
Bei Schweizer Retailbanken machen nachhaltige Fonds rund die Hälfte der Fonds aus. Auch die Nachfrage bleibt hoch: Mehr als die Hälfte der Neugelder fliesst in nachhaltige Fonds. Insgesamt verwalten Schweizer Retailbanken mit hauseigenen Fonds inzwischen sogar mehr Vermögen in nachhaltigen als in konventionellen Fonds (Abbildung 2). «Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds bei Schweizer Privatanlegern weiterhin hoch und die Banken setzen auf das Thema», erklärt Prof. Dr. Manfred Stüttgen.

Abbildung 2: Die in hauseigenen Fonds von Schweizer Retailbanken verwalteten Vermögen (in Mrd. CHF, per 30. Juni 2026)
Nachhaltigkeitsberichterstattung bei Fonds ist etabliert
Nachhaltige Fonds versprechen, Risiken in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und gute Unternehmensführung (ESG) besonders systematisch zu kontrollieren. Die Studie hat erstmals die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Fonds anhand von 16 Einzelkriterien untersucht, darunter CO₂-Emissionen, Klimaziele und ESG-Ratings. Dabei stechen die Fonds der Schweizer Retailbanken hervor: ESG-Ratings werden flächendeckend ausgewiesen, auch über Klimarisiken und kontroverse Geschäftspraktiken wird häufig berichtet.
Von den untersuchten 20 nachhaltigen Fonds im Angebot von Schweizer Retailbanken berichten 16 breit (Spalte Breite in Abbildung 3). Diese Fonds informieren zu mindestens 8 der analysierten 16 ESG-Kriterien. «Das überrascht, denn die Schweiz macht im Unterschied zur EU kaum strikte rechtliche Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Fonds», ordnet Co-Studienautor Dr. Brian Mattmann ein. «Gleichzeitig unterscheiden sich die Banken deutlich darin, wie verständlich sie über die Nachhaltigkeit ihrer Fonds informieren.» Lediglich sieben Anbieter berichten detailliert gemessen an einem Score, der die Tiefe der Informationen beurteilt (Spalte Tiefe in Abbildung 3). Zu den Top 5 der Schweizer Retailbanken mit Blick auf die Offenlegungstiefe gehören die Alternative Bank Schweiz, die Migros Bank sowie ausgewählte Kantonalbanken in der deutschsprachigen Schweiz.

Abbildung 3: Breite und Offenlegungstiefe der Nachhaltigkeitsberichterstattung der untersuchten Fonds (n=20, die Farbabstufung kennzeichnet vier Ausprägungsstufen: < 25%, 25–49%, 50–74% und ≥ 75%)
Schweizer Regulierungsansatz zeigt Stärken
Ein Vergleich zwischen nachhaltigen Fonds mit Schweizer-Domizil und EU-Domizil zeigt deutliche Unterschiede in der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Schweizer Fonds berichten häufig kürzer und verständlicher als Fonds mit EU-Domizil. HSLU-Dozent Mattmann sagt dazu: «Die umfangreichen EU-Vorgaben führen offenbar nicht zwangsläufig zu einer kundenfreundlicheren Kommunikation.»
Doch auch bei Schweizer Fonds besteht Verbesserungspotenzial, insbesondere bei der Vergleichbarkeit der ausgewiesenen Nachhaltigkeitskennzahlen. «Eine Herausforderung bleiben die Komplexität der Materie sowie die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse der Anlegerinnen und Anleger», erklärt HSLU-Experte Stüttgen. Zugleich betont er: «Die Studie zeigt, wie schnell und erfolgreich sich die Mehrheit der Schweizer Retailbanken auf das noch junge Thema Nachhaltigkeit einstellen und ihre Produkt- und Vertriebsstrategien auf nachhaltige Kapitalanlagen anpassen konnte».
Über die Studie
Die jährlich erscheinende Sustainable-Investments-Studie der Hochschule Luzern untersucht nachhaltige Investmentfonds mit öffentlicher Vertriebszulassung in der Schweiz. Die zehnte Jubiläumsausgabe nimmt das Reporting nachhaltiger Fonds in den Fokus. Die Studienergebnisse werden anlässlich des Sustainable Investments Day am 05. November 2026 in Zürich vorgestellt.
Am 19. November 2026 erläutern Prof. Dr. Manfred Stüttgen und Dr. Brian Mattman von der Hochschule Luzern die Studie zudem online in einem Webinar: Link zur Anmeldung
Die 248-seitige Studie «IFZ Sustainable Investments Studie 2026. Nachhaltige Fonds und Reporting» kann unter ifz@hslu.ch für 190 Franken als Booklet bestellt werden.
Eine digitale Version der Studie und Rankings der verschiedenen Fondsanbieter steht auf der Website der HSLU kostenlos zur Verfügung.
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