Sustainable Investments

Nachhaltige Fonds noch immer eine Nische!

Nachhaltige Fonds noch immer eine Nische!

Das Segment der nachhaltigen Fonds wächst kontinuierlich, der Schwung lässt allerdings etwas nach. Vom häufig zitierten Mainstream sind solche Anlagen noch immer ein gutes Stück weit entfernt. Der verstärkte regulatorische Fokus auf das nachhaltige Fondsangebot lässt Produktanbieter vorsichtiger agieren. [1]

Autoren: Manfred Stüttgen, Brian Mattmann

Nachhaltige Publikumsfonds sind weiterhin auf Wachstumskurs: Im vergangenen Jahr hat sich das Angebot in der Schweiz um 15 Prozent auf 2’155 Fonds erhöht. Trotz dieses Wachstums sind die «Nachhaltigen» aber weiterhin ein Nischenmarkt. Sie machen erst 22 Prozent aller Publikumsfonds auf dem Schweizer Markt aus (Abbildung 1). Gut identifizierbar sind solche Fonds, wenn sie im Produktnamen transparent ein Nachhaltigkeitssynonym (z.B. sustainable, responsible, green) tragen und sich auf diese Weise mit einer hohen rechtlichen Verbindlichkeit als nachhaltiges Finanzprodukt positionieren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Angebot nachhaltiger Investmentfonds um 285 Fonds gewachsen – das entspricht einer Zunahme um 15 Prozent.

Abbildung 1: Anzahl nachhaltiger Publikumsfonds im Vergleich zu konventionellen Publikumsfonds in der Schweiz (jeweils per 30. Juni) [2]

Zwei wesentliche Treiber erklären die Angebotserweiterung um 285 Fonds (Abbildung 2): Erstens haben Fondsanbieter zwischen Mitte 2022 und Mitte 2023 total 213 neue Nachhaltigkeitsfonds aufgesetzt. Die Neulancierung von Nachhaltigkeitsfonds ist damit ursächlich für mehr als die Hälfte des Angebotswachstums. Zweitens wurden über die Beobachtungsdauer 145 Fonds von einer konventionellen in eine nachhaltige Anlage umpositioniert. In den beiden Vorjahren haben Fondsanbieter mit 276 (2022) und 263 (2021) Repositionierungen noch deutlich mehr Produkte von einer konventionellen in eine nachhaltige Anlage überführt. Fondsanbieter werden somit zurückhaltender in der Umfirmierung von konventionellen Fonds. 41 Nachhaltigkeitsfonds besitzen zudem neu eine Vertriebszulassung für den Schweizer Markt. Insgesamt werden Schweizer Anlegern im Vergleich zu Mitte 2022 zusätzlich 399 nachhaltige Fonds offeriert.

Abbildung 2: Entwicklung des Universums nachhaltiger Publikumsfonds (in Anzahl Fonds, jeweils per 30. Juni) [3]

38 Fonds streichen das Attribut «nachhaltig» aus dem Namen

Demgegenüber stehen 114 Nachhaltigkeitsfonds, die seit Mitte 2022 aus dem nachhaltigen Schweizer Fondsuniversum ausgeschieden sind (roter Balken in Abbildung 2). Einerseits aufgrund von Fusionen (25 Fonds), Liquidationen (37) oder der Rückgabe der Vertriebszulassung in der Schweiz durch den Fondsanbieter (14). Andererseits haben 38 Fonds ihr Nachhaltigkeitsattribut aus dem Fondsnamen entfernt. Diese Fonds positionieren ihren Nachhaltigkeitsanspruch künftig mit einer deutlich tieferen Verbindlichkeit gegen aussen, «Nachhaltigkeit» ist hier nicht mehr als ein klares Positionierungsmerkmal erkennbar. Die Streichung des Nachhaltigkeitsbegriffs aus dem Fondsnamen und die damit zusammenhänge Repositionierung ist eine neue Entwicklung im Fondsmarkt. Zwar haben sich in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 789 Fonds von einer konventionellen in eine nachhaltige Anlage repositioniert, den entgegengesetzten Weg konnten wir im vorangehenden Jahr – in der Beobachtungsperiode von Mitte 2021 bis Mitte 2022 – aber lediglich bei vier Nachhaltigkeitsfonds beobachten.

Die Regulierung fokussiert stark auf den Fondsnamen

Wir deuten diese Entwicklung dahingehend, dass gewisse Fondsanbieter vorsichtiger in der Verwendung von Nachhaltigkeitsattributen in Fondsnamen werden. Ein Grund dürften aktuelle regulatorische Entwicklungen für Fonds sein, die ein Nachhaltigkeitsattribut im Namen tragen. Verschiedene Initiativen in den USA, der Europäischen Union, in Grossbritannien und auch in der Schweiz verdeutlichen beispielhaft, dass die regulatorischen Anforderungen an Fonds mit einem Nachhaltigkeitssynonym im Titel weltweit verstärkt in den Fokus der Aufsichtsbehörden rücken (Stichwort: Greenwashing). Die Anforderungen an Fonds, die sich als «nachhaltig» bezeichnen, steigen und sie werden engmaschiger geprüft. Dadurch wachsen auch die Risiken möglicher Verfehlungen, sollte die durch eine nachhaltige Positionierung signalisierte Nachhaltigkeitsstrategie von Anbietern ungenügend umgesetzt oder offengelegt werden.

Fazit

Das Angebot an nachhaltigen Fonds wächst mit rund 15 Prozent weiterhin beachtlich, allerdings haben sich die Wachstumsraten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich reduziert. Trotz des nunmehr über Jahre anhaltenden Wachstums sind nachhaltige Fonds auf dem Schweizer Markt noch immer deutlich in der Minderheit: 78 Prozent aller Fonds in der Schweiz – und damit die deutliche Mehrheit – positionieren sich als konventionelle Anlage. In unserem nächsten Blog-Beitrag zeigen wird, dass der Nischenmarkt der nachhaltigen Fonds – trotz seiner geringeren Grösse verglichen mit dem konventionellen Fondssegment – über die letzten zwölf Monate aber überraschenderweise einen Grossteil des Neugelds angezogen hat. Die «nachhaltig» verwalteten Vermögen haben erstmals die Billionengrenze überschritten. Das Segment bleibt offenbar sowohl für Investoren als auch für Produktanbieter weiterhin attraktiv.


[1] Der Blog-Artikel stützt sich auf die «IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung», verfügbar unter https://hub.hslu.ch/sustainable. Die Studie wurde dankend unterstützt von: Goldman Sachs Asset Management, Robeco, Zürcher Kantonalbank, DWS, Graubündner Kantonalbank, Natixis Investment Managers, UBS, Vanguard, abrdn, AllianceBernstein, Amundi Asset Management, Candriam, Generali, INOKS Capital, iShares by BlackRock, Lombard Odier Investment Managers, Morningstar, OLZ, PGIM Investments, Schroders, Inrate, Thurgauer Kantonalbank und Investment Navigator.

[2] Vgl. Stüttgen/Mattmann (2023). IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung, S. 15. Zug: IFZ Eigenverlag. Verfügbar unter: https://hub.hslu.ch/sustainable/

[3] Vgl. Stüttgen/Mattmann (2023). IFZ Sustainable Investments Studie 2023: Nachhaltige Fonds und soziale Verantwortung, S. 16. Zug: IFZ Eigenverlag. Verfügbar unter: https://hub.hslu.ch/sustainable/

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