Sustainable Investments

Passive Nachhaltigkeitsfonds und die «Gretafrage» der Gebühren

Passive Nachhaltigkeitsfonds und die «Gretafrage» der Gebühren

Verlangen nachhaltige Fonds höhere Gebühren? Diese Frage wird uns oft gestellt. In einer Serie von drei Blogs präsentieren wir ausgewählte Erkenntnisse zu möglichen Kostenunterschieden zwischen nachhaltigen und konventionellen Fonds.[1] Im ersten Beitrag zeigten wir, dass sich die durchschnittlichen Kosten aktiver nachhaltiger Fonds kaum von ihren konventionellen Pendants unterscheiden. Gilt diese Einsicht aber auch für passive Nachhaltigkeitsfonds im Vergleich zu passiven konventionellen Fonds? Wir fokussieren auf Publikumsfonds mit Schweizer Vertriebszulassung.

Autoren: Manfred Stüttgen, Brian Mattmann

Bei einer passiven Fondsverwaltung setzt sich der Fondsmanager zum Ziel, einen vordefinierten Index möglichst genau («passiv») nachzubilden. Das Angebot an passiv verwalteten Nachhaltigkeitsfonds hat sich über die letzten vier Jahre enorm dynamisch entwickelt. 2017 haben wir die Kosten passiver Nachhaltigkeitsfonds erstmals untersucht. Aus heutiger Sicht – und im Rückblick – gewinnen wir zwei Erkenntnisse über die Kosten passiv verwalteter Nachhaltigkeitsfonds:

  1. Nachhaltige Passivfonds waren vor fünf Jahren teurer als ihre konventionellen Pendants
aktienfonds-obligationenfonds
Abbildung 1: Boxplot der «laufenden Kosten» passiv verwalteter nachhaltiger Anlagefonds (Quelle: IFZ Sustainable Investments Studie 2017, S. 62)

Abbildung 1 zeigt die Verteilung der «laufenden Kosten» von passiven Nachhaltigkeitsfonds aufgeteilt in Aktien- und Obligationenfonds.[2] Der linke Boxplot zeigt, dass die Bandbreite der «laufenden Kosten» passiver nachhaltiger Aktienfonds zwischen 0.21 und 0.85 Prozent liegt. Der Median liegt bei 0.42 Prozent.[3] Drei Viertel der Fonds weisen «laufende Kosten» aus, die tiefer liegen als 0.60 Prozent. Die rote Raute zeigt die durchschnittlichen «laufenden Kosten» europäischer Fonds gemäss einer Morningstar-Studie.[4] Demnach bezahlen passive Aktienfonds-Investoren in Europa durchschnittlich 0.31 Prozent.

Wenn wir nun die Kosten nachhaltiger Passivfonds mit Schweizer Vertriebszulassung mit denjenigen Kosten aus besagter Morningstar-Studie vergleichen, entsteht eine Unschärfe, da die beiden Vergleichsuniversen nicht ganz artengleich sind. So bildet das Morningstar-Universum zum Beispiel passive Fonds aus ganz Europa ab. Diese Differenz relativiert sich allerdings dadurch, dass die von uns analysierten passiven Nachhaltigkeitsfonds 2017 mit einer Ausnahme europäische Fonds waren und in der Schweiz nur vertrieben wurden. Zudem bestand 2017 der Gesamtmarkt der Passivfonds praktisch ausschliesslich aus konventionellen Fonds, das passive Nachhaltigkeits-Offering betrug damals weniger als 3 Prozent.

Abbildung 1 illustriert, dass die durchschnittlichen Gebühren passiver Nachhaltigkeitsfonds deutlich höher sind im Vergleich zum Gesamtmarkt aller Passivfonds. Drei Viertel der passiven Nachhaltigkeitsfonds verfügten 2017 über höhere Kosten als der Durchschnitt ihrer konventionellen Pendants. Wir haben damals – 2017 – argumentiert, dass der Wettbewerb unter passiven Nachhaltigkeitsfonds noch gering ist und dies den wenigen Anbietern Spielraum bei den Gebühren gibt. Damals umfasste das Angebot in der Schweiz erst 29 passive Nachhaltigkeitsfonds. Seit 2017 hat sich die Angebotslandschaft allerdings grundlegend verändert, die seinerzeitige Erkenntnis zu den Fondsgebühren trifft heute nicht mehr zu.

  1. Heute sind passive Nachhaltigkeitsfonds gleich teuer wie konventionelle Passivfonds

Seit 2017 hat sich der Markt für nachhaltig Passivfonds enorm dynamisch entwickelt: Per Mitte 2020 umfasst das Angebot passiver Nachhaltigkeitsfonds 125 Fonds mit einem Volumen von CHF 52 Mrd. (2017: 29 nachhaltige Passivfonds mit AuM von CHF 8 Mrd.). In der IFZ Sustainable Investments Studie 2019 haben wir festgestellt, dass neu lancierte passive Nachhaltigkeitsfonds zu signifikant tieferen Gebühren angeboten werden als in den Vorjahren, die Kosten fallen.

entwicklung-laufender-kosten
Abbildung 2: Die Entwicklung der durchschnittlichen laufenden Kosten nachhaltiger passiver Aktienfonds in Abhängigkeit des Lancierungsjahrs (Jahr 2019: Erstes Halbjahr, Quelle: IFZ Sustainable Investments Studie 2019, S. 98)

Abbildung 2 zeigt, dass die nachhaltigen passiven Aktienfonds, die 2016 lanciert wurden, durchschnittlich 0.58 Prozent (= 58 Basispunkte) kosteten. Diese Kosten unterscheiden sich deutlich von später lancierten Fonds: Die in der ersten Hälfte 2019 lancierten nachhaltigen passiven Aktienfonds weisen durchschnittliche Kostensätze von 17 Basispunkten auf. Die Kosten passiver nachhaltiger Aktienfonds sind also umso tiefer, je später ein Fonds lanciert wurde. Neu lancierte Fonds werden zu deutlich geringeren Gebühren angeboten als die älteren, bereits bestehenden passiv verwalteten nachhaltige Aktienfonds. Ergebnis: Die Kosten nachhaltiger Passivfonds gleichen sich den Kosten ihrer konventionellen Pendants an.

Fazit: Die Gebühren im Segment passiver Nachhaltigkeitsfonds sind über die letzten fünf Jahr stark gefallen. Heute unterscheiden sich die Kosten neu lancierter nachhaltiger Passivfonds kaum noch von ihren konventionellen Pendants. Es zeichnet sich also ein ähnliches Bild ab wie bei den aktiven Nachhaltigkeitsfonds im Vergleich zu den aktiven konventionellen Fonds – siehe den Blog-Beitrag 1. Auch bei den Passivprodukten mag es Ausnahmen geben, zum Beispiel in gewissen Spezialsegmenten aufgrund höherer Produktionskosten (etwa bei Low-Carbon-Indizes). Wir finden hingegen keine Evidenz mehr, dass nachhaltige Fonds systematisch eine Gebührenprämie für ihre Nachhaltigkeitsanalyse abschöpfen.

Quellen:

[1] Die Beiträge stützen sich auf die «IFZ Sustainable Investments Studien» 2017 bis 2020 sowie frühere Blog-Beiträge der Autoren. Die IFZ Sustainable Investments Studien sind gratis downloadbar: www.hslu.ch/sustainable. Die Studien werden von einer Vielzahl von Sponsoren unterstützt.

[2] Zur Methodik für die Berechnung der «laufenden Kosten» pro Fonds siehe «IFZ Sustainable Investments Studie 2017», S. 60f.

[3] Der Mittelwert liegt bei 0.45 Prozent.

[4] Für passive Obligationenfonds weist Morningstar diese Kennzahl nicht aus, vgl. European Fund Expenses Are Decreasing in Percentage – But investors pay more in nominal values, http://www.morningstar.co.uk/static/UploadManager/Other/Morningstar%20European%20Cost%20Study%202016.pdf

Beitrag teilen

  • Mail
  • Kommentare

    0 Kommentare

    Kommentar verfassen

    Danke für Ihren Kommentar, wir prüfen dies gerne.

    Pin It on Pinterest