Sustainable Investments

Transitorische versus physische Klimarisiken

Transitorische versus physische Klimarisiken

Die Risiken des Klimawandels für den Anlageerfolg von Investoren sind enorm schwer abschätzbar, die Methoden zur Messung und Steuerung von entsprechenden Risiken im Portfolio sind noch wenig standardisiert. Gleiches gilt für die Portfoliogesellschaften selbst: Die Messung und Rapportierung von Klimametriken ist bei vielen Unternehmen noch nicht breit etabliert. Die Exponiertheit gegenüber Klimarisiken ist somit oft noch intransparent. Der folgende Beitrag ist Teil einer Serie von Blog-Beiträgen. Er stützt sich auf die IFZ Sustainable Investments Studie 2021: Nachhaltige Fonds und Klimarisiken. (1)

Autoren: Manfred Stüttgen, Brian Mattmann, Daniel Baumgartner

Tonangebend in der Messung und Rapportierung von Klimametriken bei Unternehmen ist die Task Force on Climate- Related Financial Disclosures (TCFD), eine 2015 lancierte Initiative des Financial Stability Board (FSB). Die TCFD unterscheidet analytisch zwischen finanziellen Risiken und finanziellen Chancen, die sich aus dem Klimawandel für Unternehmen ergeben. Bei den Risiken grenzt die TCFD die zwei, in untenstehender Abbildung aufgeführten, Unterkategorien voneinander ab: Übergangsrisiken («transition risks») und physische Risiken («physical risks»).

Abbildung: Klimarisiken und Klimachancen und ihr finanzieller Einfluss (2)

Transitionsrisiken

Zu den Übergangs- oder auch Transaktionsrisiken zählen politische, rechtliche, technologische oder marktorientierte Verwerfungen, die disruptive Auswirkungen auf die Finanzen und die Reputation von Unternehmen – und damit letztlich auf Investoren – haben können. Zu nennen sind politische Programme, die darauf abzielen den Klimawandel abzuschwächen. Hierzu zählen beispielsweise (höhere) Abgaben auf Treibhausgasemissionen, die Förderung energiesparender Technologien oder die Substitution etablierter Energieversorgungssysteme. Schliesslich wird es Verschiebungen von Angebot und Nachfrage bei klimafreundlichen bzw. klimaschädlichen Produkten und Dienstleistungen geben. Der professionelle Umgang von Unternehmen mit diesen Risiken beeinflusst deren finanziellen Erfolg und auch deren Reputation bei wichtigen Anspruchsgruppen.

Als Indikatoren zur quantitativen Abschätzung von Transitionsrisiken stehen die Treibhausgasemissionen (THG) sowie der Energieverbrauch und der Energiemix an vorderster Stelle, gemessen in absoluten Werten oder in relativen Werten («Intensitäten»). Auch der Nutzungsanteil von Landflächen als Weide oder Agrarland und die Nutzungsart von Landflächen können Indikatoren für Übergangsrisiken darstellen.

Physische Risiken

Physische Risiken können sich als akut oder als chronisch erweisen. Akute Risiken sind ereignisgetrieben. Hierzu zählen signifikante Wetterphänomene wie Zyklone, Hurrikane oder Sturmfluten. Chronische Risiken sind der langfristige Wandel des Klimas durch dauerhaft erhöhte Temperaturen oder auch chronische Hitzewellen. Der Klimawandel eröffnet allerdings einigen Akteuren auch Chancen und finanzielle Opportunitäten. So können technologische Innovationen zu effizienteren Produktions- und Vertriebsmethoden führen und operative Kosten senken. Der Ersatz fossiler Energien durch erneuerbare Energiequellen kann für deren Anbieter Wachstumschancen darstellen. Neue Produkte und Dienstleistungen, die sich durch niedrige Emissionen auszeichnen, können neue Kundenbedürfnisse ansprechen, neue Märkte erschliessen und ihren Anbietern ermöglichen, sich im Wettbewerb zu differenzieren und zu behaupten. Indikatoren für physische Risiken können die Nutzung von Wasser und von Land sein gemessen an absoluten oder an relativen Grössen.

Die Chancen aus dem Klimawandel speisen sich letztlich aus denselben Quellen wie die transitorischen Risiken, sie bilden spiegelbildlich zu den Risiken das Aufwärtspotenzial des bevorstehenden Wandels ab. Die kurz- und langfristigen finanziellen Effekte des Klimawandels für Unternehmen variieren und müssen firmenspezifisch individuell abgeschätzt werden. Die Effekte hängen erstens davon ab, wie stark ein Unternehmen gegenüber den genannten Risiken und Chancen exponiert ist, und zweitens, wie gut ein Unternehmen die Risiken und Chancen steuert oder steuern kann. Investoren müssen die Positionierung der investierten Firmen im Portfolio beurteilen, also ihre Exponiertheit und ihre Anpassungsfähigkeit. Ein Mittel hierzu bieten adäquate Klimastrategien im Anlageprozess. Ein Einfluss auf die Realwirtschaft, Stichwort Impact, ist dadurch allerdings nur bedingt gewährleistet. Hierzu mehr im nächsten Blogbeitrag.

(1) Die Studie wird dankend unterstützt von iShares by BlackRock, Zürcher Kantonalbank, DWS, Graubündner Kantonalbank, Jupiter Asset Management, Natixis Investment Managers, UBS, Vanguard, abrdn, AllianceBernstein, Amundi Asset Management, Candriam, Credit Suisse, DPAM, ECOFACT, Franklin Templeton, Generali, INOKS Capital, Janus Henderson Investors, Lombard Odier Investment Managers, Lyxor ETF, Morningstar, NN Investment Partners , Nordea Asset Management, OLZ, Robeco, Schroders, Inrate, Investment Navigator, Thurgauer Kantonalbank.

(2) In Anlehnung an Task Force on Climated-related Financial Disclosures (TCFD) (2017)

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