12. Januar 2026
Cyberkriminalität wird immer ausgeklügelter und vielschichtiger und entwickelt sich zunehmend weg von Massenangriffen hin zu gezielten Aktionen. Welche Bedrohungen standen im Schweizer Cyberraum 2025 im Vordergrund?
Knapp 65’000 Meldungen zu Cybervorfällen gingen im Schweizer Cyberraum 2025 gemäss dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) ein, was einem moderaten Zuwachs von rund 2’000 Meldungen beziehungsweise etwa 3% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit fällt der Anstieg deutlich geringer aus als im Vorjahr, als die Anzahl Meldungen noch um rund 13’000 Fälle respektive um 26% zugenommen hatte. Im Unterschied zum Vorjahr gingen die Meldungen zu «Drohanrufen im Namen von Fake‑Behörden» zurück, sie stellten mit rund 17’000 Meldungen beziehungsweise 26% (Vorjahr: knapp 22’000 Meldungen) jedoch weiterhin den grössten Anteil am Gesamtvolumen dar. Rund 19% beziehungsweise etwa 12’000 Meldungen betrafen Phishing, was in etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. Knapp 6’000 Meldungen entfielen auf die «Werbung von Online‑Anlagebetrug» was die zunehmende Bedeutung dieses Phänomens im aktuellen Bedrohungsbild unterstreicht.
Gemäss BACS gehören betrügerische Anzeigen, die vermeintliche Investitionsmöglichkeiten bewerben, aktuell zu den am stärksten wachsenden Phänomenen. Häufig werden dabei prominente Persönlichkeiten wie Bundesrätin Karin Keller‑Sutter oder andere bekannte Figuren missbräuchlich als Aushängeschilder genutzt, um das Vertrauen potenzieller Opfer zu gewinnen. Über manipulierte Online‑Anzeigen in Suchmaschinen oder auf sozialen Medien werden Personen dazu verleitet, auf betrügerischen Plattformen Geld zu investieren. Nutzerinnen und Nutzer schenken Videos mit prominenten Gesichtern in der Regel mehr Vertrauen als reinen Textanzeigen, was die Wirksamkeit solcher Kampagnen zusätzlich erhöht. Zunehmend kommen in diesen Werbeanzeigen Deepfake‑Technologien zum Einsatz, mit denen unter anderem Tagesschau‑Interviews mit bekannten Persönlichkeiten täuschend echt nachgeahmt werden. Auf diese Weise soll der betrügerischen Werbung ein Anschein besonderer Seriosität und Glaubwürdigkeit verliehen werden.
Das BACS empfiehlt, solche Werbung zu ignorieren und folgende vorbeugende Massnahmen zu berücksichtigen:
Beim Phänomen Phishing ist ein klarer Wandel in der Vorgehensweise der Täter erkennbar. Statt breit gestreuter Massenangriffe setzen sie vermehrt auf gezielte, individuell zugeschnittene Betrugsversuche.
Besonders sichtbar ist dies gemäss BACS bei Phishing-Angriffen im Zusammenhang mit Online-Kleinanzeigen, die im ersten Halbjahr 2025 zugenommen haben. Betrüger geben sich als Kaufinteressenten aus und fordern die Opfer auf, für den Zahlungseingang eine spezielle Webseite aufzurufen, auf der – je nach Bank – E‑Banking-Zugangsdaten abgefragt werden. Im Fokus steht dabei jedoch meist nicht das E‑Banking selbst, sondern das TWINT‑Konto, das oft mit dem Bankkonto verknüpft ist und sofortige Zahlungen erlaubt. Da Transaktionen bei TWINT unmittelbar ausgeführt werden und nur durch die vom Opfer gesetzte Limite begrenzt sind, eignen sich kompromittierte TWINT‑Konten zudem, um deliktisch erlangte Gelder zu verschieben und deren Ursprung zu verschleiern.
Parallel dazu nehmen gezielte Betrugsformen wie CEO-Betrug und Ransomware leicht zu, was auf eine höhere Professionalität der Täter hindeutet. Insgesamt zeigt sich, dass Cyberangriffe weniger massenhaft, dafür persönlicher, raffinierter und wirkungsvoller werden.
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