27. April 2026
Governance, Risk & Compliance,
Wirtschaftskriminalität macht vor Landesgrenzen nicht halt und erfordert internationalen Wissenstransfer. Studierende des Masterlehrgangs Economic Crime Investigation vertieften ihre Kompetenzen an der School of Governance, Risk and Compliance der Steinbeis Academy Berlin.
Der Aufenthalt fand im Rahmen der Weiterbildung zum Master of Advanced Studies in Economic Crime Investigation (MAS ECI) statt und wurde organisatorisch sowie fachlich begleitet von Birgit Benz und Melanie Reichelt, Geschäftsführerin respektive Programmverantwortliche der School of Governance, Risk and Compliance der Steinbeis Academy Berlin.
Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Berliner Verkehrsbetriebe BVG, die mit rund 16’500 Mitarbeitenden neun U-Bahn-, 22 Tram-, 153 Bus- und sechs Fährlinien betreiben. In einem spannenden halbtägigen Vortrag führten Dr. Thorsten Schaube, Compliance-Officer und Ansprechperson für Korruptionsprävention und -bekämpfung sowie Leiter der Konzernrevision, Julia Weber-Hain, Konzern-Compliance-Managerin und Alexander Scholz, Compliance-Manager, die Teilnehmenden in die Welt des öffentlichen Verkehrs in Berlin ein. Risikomanagement und Compliance spielen in diesem vielseitigen Unternehmen eine zentrale Rolle. Die Gruppe erhielt Einblicke in den Aufbau des Compliance-Managementsystems der BVG und in die besonderen Herausforderungen dieser Branche. Eine Fragerunde am Ende bot Gelegenheit für vertiefende Diskussionen.
Am Morgen des zweiten Tages stand der Besuch der Justizvollzugsanstalt in Moabit auf dem Programm – für viele ein absolutes Highlight! Der denkmalgeschützte Bau von 1849 wurde kontinuierlich den heutigen Anforderungen angepasst. Die JVA Moabit ist eine geschlossene Haftanstalt für männliche Gefangene ab 21 Jahren und liegt im Herzen Berlins. Mit rund 855 Haftplätzen zählt sie zu den grössten Einrichtungen Deutschlands. Etwa 630 Mitarbeitende sind hier in Aufsicht und Betreuung tätig – eine anspruchsvolle Aufgabe, wie die Teilnehmenden eindrucksvoll erfahren konnten. Eine fachkundige Führung und viele persönliche Gespräche machten den Besuch besonders eindrücklich.
Am Nachmittag vermittelte Britta Richarz eine spannende Einführung in die Forensische Linguistik. Themen wie Autorenerkennung, Glaubhaftigkeitsanalyse und Sprachprofiling wurden zunächst theoretisch behandelt, bevor die Teilnehmenden das Gelernte an praktischen Textbeispielen selbst anwenden konnten. Dabei analysierten sie Form, Inhalt und Kontext von Schriftstücken, um Merkmale zur möglichen Täterschaftsbestimmung zu erkennen.
Die Tage drei und vier waren einem praxisnahen Wirtschaftskriminalfall gewidmet. Nach einer theoretischen Einführung durch Birgit Benz schlüpften die Teilnehmenden in die Rolle von Untersuchungsteams. In zwei Gruppen arbeiteten sie mit eigens aufbereiteten Akten, die unter realistischem Zeitdruck zu analysieren waren – denn auch im Ernstfall hatten die Ermittler nur zwei Tage Zeit für eine erste Ergebnispräsentation. Am nächsten Morgen stellten die Gruppen dem Unternehmensinhaber ihre Erkenntnisse zu festgestellten Unregelmässigkeiten vor und entwickelten Empfehlungen, wie das Unternehmen vor weiteren Schäden geschützt werden könnte. Zum Abschluss löste Birgit Benz den Fall auf, was zu einem anregenden fachlichen Austausch führte.
Am Abend besuchten die Teilnehmenden das Mauermuseum am „Checkpoint Charlie“ und tauchten in die Geschichte des Mauerbaus ein. Besonders beeindruckend waren die vielfältigen Fluchtversuche – durch Tunnel, in Fahrzeugen, Koffern oder Kabelrollen. Der Tag klang bei einem gemütlichen Abendessen in geselliger Runde aus.
Der letzte Tag widmete sich den Befragungen im Rahmen von Sachverhaltsaufklärungen in Unternehmen. Birgit Benz erläuterte, wie Interviews vorbereitet und durchgeführt werden, welche rechtlichen Grenzen bestehen und welche Techniken der Gesprächsführung sowie Beobachtung der Körpersprache hilfreich sein können, um Unstimmigkeiten zu erkennen. Nach der Abschlussbesprechung hiess es schliesslich Abschied nehmen – eine bereichernde Reise mit vielen spannenden Eindrücken ging zu Ende.
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