18. Mai 2020
Moderne Überwachungs- und Identifikationstechnologien bewegen seit einiger Zeit zunehmend die Gemüter. Besorgte Stimmen werden laut, die vor zu starker Überwachung warnen. Zu Recht? Oder bieten diese neuen Technologien nicht immer auch Chancen?
Von Stephan Gussmann
Fast täglich sieht und liest man Berichte über digitale Überwachung. Totalitäre Regimes setzen sie unter dem Vorwand ein, den Lebensstandard ihrer Bevölkerung, das soziale Zusammenleben und damit auch deren Sicherheit zu verbessern. Häufig geht es ihnen jedoch um die flächendeckende totale Kontrolle ihrer Bürger. Befolgen diese die politischen Vorgaben in Tat und Gesinnung? Verhalten sie sich linientreu? Fehlbare sollen frühzeitig erkannt und «auf den richtigen Weg geführt», beziehungsweise gezwungen werden. Big Brother in Reinkultur! Tatsächlich wähnt man sich in Orwell’sche Fiktionen versetzt.
Gesichtserkennungssoftware
Die Auseinandersetzung mit der Technologie setzt voraus, dass Sie sich von diesen apokalyptischen Realszenarien lösen müssen. Fakt ist, dass diese Technologie, welche auch – aber nicht nur – Überwachungen ermöglicht, nun einmal vorliegt. Sie wird in einer digitalisierten Welt laufend weiterentwickelt. Auch das ein Fakt. Machen wir aber nicht die Technologie verantwortlich für deren Missbrauch durch die Despoten totalitärer Systeme. Sondern machen wir sie uns zu Nutze, dort, wo es Sinn macht.
Wesentlicher Teil dieser Technologie ist die ihr zugrundeliegende Gesichtserkennungssoftware. Die technische Gesichtserkennung ist ein biometrisches Verfahren. Sie ermöglicht die Identifizierung und Verifikation einer Person und macht letztlich nichts anderes als das menschliche Hirn. Die auf dem Markt erhältlichen Produkte sind enorm leistungsfähig. Sie erlauben innerhalb von Sekundenbruchteilen äusserst zuverlässige Identifikationen. Die Software ist einfach zu installieren und global einsetzbar, natürlich unter Einhaltung lokaler Gesetze und Vorschriften. Hierfür trägt der Anwender die Verantwortung und nicht der Software-Entwickler. Und noch etwas: Ein Anwender muss sich bewusst sein, dass je nach Produzenten nicht auszuschliessen ist, dass elektronische Hintertüren bestehen. Ein nicht ganz unbedeutender Punkt im Evaluationsprozess. Sie wollen ja schliesslich nicht unberechtigten Personen Einblick in Ihre sensible Datenwelt ermöglichen. Vorsicht ist also angezeigt!
Einsatzmöglichkeiten
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Nicht nur Sicherheits- und Untersuchungsbehörden setzen sie deshalb mittlerweile vermehrt ein, sondern auch private Unternehmen. Hier nur ein paar Einsatzmöglichkeiten dieser «face recognition technology»:
In diesen Bereichen ist der Einsatz von Gesichtserkennung legitim und ohne Weiteres mit rechtsstaatlichen Prinzipien vereinbar. Das hat mit totalitärer Überwachung nichts zu tun. Im Gegenteil.
Um die im Titel gestellte Frage zu beantworten: Es trifft wohl beides zu – je nachdem, wer die Gesichtserkennung wie, wo und zu welchem Zweck einsetzt.
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